Schwedenkrimi wird wahr

Schwedenkrimi wird wahr: Ostseeinsel fürchtet Serienmörder

Kopenhagen/Stockholm. Die Menschen auf der idyllischen Ostseeinsel Öland fürchten sich vor einem Serienmörder. Wie in einem der härteren Schwedenkrimis starb zuletzt ein Ehepaar zu Hause. Seit 2005 gab es acht mysteriöse Brände mit sechs Toten.

Im Sommer strahlendes Ferienparadies mit royalem Glanz, in diesem Winter wieder finsterer Schauplatz eines Doppelmordes wie aus einem Schwedenkrimi: Auf der Ostseeinsel Öland geht unter den 12.000 Bewohnern wieder die Angst um, dass ein Serienmörder neue Opfer finden könnte, ehe die Polizei ihn - oder sie - endlich schnappt.

„Gustaf und Annika wurden mehrere Jahre bedroht“, titelte die Boulevardzeitung „Aftonbladet“ ihren Bericht über den Tod eines Ehepaares im kleinen Flakeböle am Nordende von Öland. Die Leichen wurden kurz vor Weihnachten in der niedergebrannten Garage gefunden. Erst wunderten sich die Feuerwehrleute, dass die Zugänge von außen blockiert waren. Nach der Obduktion wunderte sich die Kripo noch mehr, weil der Mörder schon am Abend vor seiner Brandstiftung die 55- jährige Frau und den Familienhund mit einem Luftgewehr erschossen und den zwei Jahre älteren Mann erschlagen hatte.

Der Brand sollte die Tat wohl verschleiern. Wer mordet so und warum? Welche Zusammenhänge gibt es mit einem verblüffend ähnlichen Doppelmord auf Öland im August 2006? Seit 2005 haben im nördlichen Teil der schmalen Insel acht Häuser unter mysteriösen Umständen gebrannt, sechs Menschen starben dabei.

Alles im Umkreis von 20 Kilometern, im nördlichen Teil der Insel. 50 Kilometer Richtung Süden verbringt Schwedens Königsfamilie auf Schloss Solliden jedes Jahr einen Großteil der Sommerferien. Wenn Kronprinzessin Victoria hier am 14. Juli ihren Geburtstag feiert, erlebt die Insel am „Victoriatag“ eine Invasion von mehr als 100.000 Besuchern.

Während in den Schwedenkrimis knurrige Kommissare, verschrobene Hackergenies oder aufrechte Journalistinnen nach einigen hundert Seiten immer die Lösung finden, tappen die wirklichen Fahnder offenbar weiter im Dunkeln. Kripo-Chef Ulf Martinsson beklagte in „Aftonbladet“, dass bei Mord mit Brandstiftungen „die Beweise ja immer in den Flammen verschwinden“.

Ein Inselbewohner kam für den Doppelmord 2006 vor Gericht, wurde aber freigesprochen. Bei dem zuletzt ermordeten Paar hatte er hohe Schulden, bedrohte es und lebt auch im betroffenen Inselteil. Leif GW Persson, erfolgreicher Autor von Schwedenkrimis und pensionierter Kriminologie-Professor, äußerte die Überzeugung, hier müsse ein ortsansässiger Serienkiller am Werk sein. Martinsson erklärte in der Lokalzeitung „Barometern“: „Das bietet sich als Analyse wohl an.“ Aber: „Wir können so nicht arbeiten. Wir brauchen Beweise.“ (dpa)

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