Groteske Sätze vor dem Ende

Mann kapert Passagierflugzeug und stürzt ins Meer - vorher gibt er über Funk eine Erklärung ab

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Ein Angestellter des internationalen Flughafens Seattle im US-Staat Washington hat am Freitagabend ein leeres Passagierflugzeug ohne Erlaubnis gestartet

Auf dem Flughafen von Seattle ist zu einem grotesken Zwischenfall gekommen. Ein Mitarbeiter kapert eine leere Passagiermaschine und stürzt damit ins Meer. Davor erklärt er sich über Funk.

Update, 22.14 Uhr: Die grotesken Hintergründe der Flugzeugentführung sind jetzt klar:

San Francisco - Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals einer US-Airline macht sich mit einem Passagierflugzeug davon. Er sei „nur ein kaputter Typ“, der ein paar Schrauben locker habe, sagt der 29-Jährige dem Fluglotsen. Dieser versucht erfolglos, ihn zur Landung zu bewegen.

Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals hat am Flughafen in der US-Westküstenmetropole Seattle ein leeres Passagierflugzeug gestohlen und ist damit ohne Erlaubnis abgehoben. Der 29-jährige Mitarbeiter der regionalen Fluggesellschaft Horizon Air vollführte Loopings mit der zweimotorigen Maschine und führte einen wirren Dialog mit einem Fluglotsen, der ihn zur Landung bewegen wollte. Nach rund 90 Minuten stürzte das 76-sitzige Propellerflugzeug vom Typ Bombardier Q400 auf eine Insel und ging in Flammen auf.

Der Geschäftsführer der Muttergesellschaft Alaska Airlines, Brad Tilden, sagte am Samstag in Seattle, der Mitarbeiter von Horizon Air, der das Flugzeug gestohlen hatte, sei ums Leben gekommen. „Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen, um dabei zu helfen, viele offene Fragen über seine Handlungen zu beantworten.“ Alaska Airlines hatte zuvor mitgeteilt, der Mann sei am Freitagabend gegen 20 Uhr (Ortszeit/5.00 MESZ am Samstag) ohne Genehmigung abgehoben.

Das Büro des Sheriffs im Bezirk Pierce teilte über Twitter mit, es gebe keinen terroristischen Hintergrund. Es habe sich um einen einzelnen suizidgefährdeten Mann gehandelt. „Niemand anderes ist beteiligt.“ Nach vorläufigen Informationen sei der Mitarbeiter der Airline ein Mechaniker gewesen.

Zwei F-15-Kampfjets seien aufgestiegen, aber nicht in den Absturz verwickelt gewesen, teilte der Sheriff weiter mit. Der Crash sei entweder auf die „Stunts in der Luft“ oder auf mangelnde Flugkenntnisse des 29-Jährigen zurückzuführen. Sheriff Paul Pastor sprach bei einer Pressekonferenz nach einem Bericht der „Seattle Times“ von „einer Spritztour, die furchtbar schiefgelaufen ist“. Alaska Airlines teilte mit, das Flugzeug hätte gewartet werden sollen und sei nicht für einen Passagierflug vorgesehen gewesen.

Pastor sagte dem Bericht zufolge, am Boden sei niemand verletzt worden. Auf der bewaldeten Insel namens Ketron, auf der nur rund 20 Menschen lebten, sei ein Feuer ausgebrochen. Das Weiße Haus teilte am Samstag mit, Präsident Donald Trump sei über den Vorfall unterrichtet worden. Die Bundesbehörden unterstützten örtliche Kräfte bei der Untersuchung. Der Flughafen in Seattle wurde vorübergehend geschlossen, nach dem Absturz aber wieder geöffnet.

In dem Funkdialog mit dem Fluglotsen sagt der Mann, der im Gespräch Rich genannt wird, er sei „nur ein kaputter Typ, habe ein paar Schrauben locker, nehme ich an. Wusste ich bis jetzt gar nicht wirklich.“ Es gebe viele Leute, die ihn gern hätten. „Ich würde mich gerne bei jedem einzelnen von ihnen entschuldigen.“ Dann sagt der Mann, dass er mehr Treibstoff verbrauche als erwartet. Der Fluglotse weist ihn auf eine Landebahn in rund eineinhalb Kilometern Entfernung hin und fordert ihn auf, dorthin zu steuern - vergeblich.

In der Umgebung sorgte das Flugzeug mit den Stunts für ungläubiges Staunen. Auf einem der zahlreichen Videos auf sozialen Medien ist zu sehen, wie die Maschine einen Looping macht, der nicht weit über der Meeresoberfläche endet. „Was macht der Typ?“, fragt ein verwunderter Mann, der auf dem Video zu hören ist.

Auf einem anderen Video sind Anwohner in einer Siedlung zu hören, die das Flugzeug über ihnen ebenfalls filmen. „Oh mein Gott“, sagt eine Frau, „Was passiert jetzt?“ Auf einer anderen Aufnahme ist zu sehen, wie eine Rauchwolke über einer Insel aufsteigt. Ein Mann sagt: „Ich glaube, gerade ist ein Flugzeug auf diese Insel gestürzt.“

Update 10.54

Inzwischen werden immer mehr Details über die Flugzeugentführung bekannt. Wie die „Daily Mail“ meldet, soll es sich bei dem Entführer um einen Angestellten der Flughafens handeln. Nach Zeugenaussagen sei der 29-jährige Mann in dem Flugzeug „Schleifen“ geflogen. Zwei F-15 Jets seien aufgestiegen und hätte die gekaperte Maschine weg von dicht besiedeltem Gebiet Richtung Meer gelenkt. Den Angaben zufolge habe es Funkkontakt zu dem Entführer gegeben. Er habe gesagt, er sei nur ein „kaputter Typ“. Angeblich habe er sich lediglich einen Spaß aus dem Flug machen wollen. Abgestürzt sei die Maschine, weil der Mann die Kontrolle über die Maschine verloren habe. 

Erstmeldung 

Seattle - Auf dem Flughafen von Seattle im Nordwesten der USA ist eine leere Passagiermaschine gekapert worden und nach einem kurzen Flug abgestürzt. Ein Angestellter einer Fluggesellschaft habe die Maschine am Freitagabend "ohne Erlaubnis" gestartet und sei dann im Süden der Meeresbucht Puget Sound damit abgestürzt, erklärte der Flughafen Seattle-Tacoma International im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die Polizei geht nach eigenen Angaben nicht von einem "terroristischen Vorfall" aus. Der Mann habe allein gehandelt, er habe sich offenbar das Leben nehmen wollen und sei den Behörden bekannt. Nach dem unerlaubten Start wurde die Maschine nach Polizeiangaben von zwei Militärflugzeugen vom Typ F-15 verfolgt. An dem Absturz seien diese aber nicht beteiligt gewesen. Die Polizei nannte zunächst keine weiteren Einzelheiten zu dem Mann und den genauen Umständen des Vorfalls.

Nach Angaben der Fluggesellschaft Alaska Airlines handelte es sich bei dem Flugzeug um eine zweimotorige Turboprop-Maschine vom Typ Bombardier Q400, die ihrer Tochtergesellschaft Horizon Air gehörte. Wie der Flughafen mitteilte, wurde der Flugbetrieb nach dem Vorfall kurzzeitig unterbrochen. Mittlerweile läuft demnach aber alles wieder normal.

AFP

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