Zeichen aus einer anderen Zeit

Seit mehr als 35 Jahren gibt es Videotext - Immer noch von Millionen genutzt

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Totgesagte leben länger, sagt man. Auf den Teletext, der umgangssprachlich meist Videotext genannt wird, trifft genau das zu. Denn obwohl den bunten Texttafeln mit Aufkommen des Internets und Apps für Smartphones und Tablets ein baldiges Verschwinden vorher gesagt wurde, erfreut er sich weiterhin großer Beliebtheit.

Mehr noch. Der österreichische TV-Sender ORF brachte jetzt eine App im Teletext-Stil heraus. Und auch die App „Teletext - Videotext“ wird gern geladen - und erhält fast ausschließlich positive Bewertungen von den Nutzern. Dabei kann die App eben nur das, was der Videotext auch über das TV-Gerät kann: kurz über das TV-Programm und das Weltgeschehen informieren.

Vielleicht ist es aber auch genau diese Einfachheit, die den Teletext so beliebt macht. 25 Zeilen mit je 40 Zeichen bringen das Wichtigste des Zeitgeschehens auf den Punkt. Die Themen sind seit Beginn gleich sortiert: Seite 100 ist die Startseite, ab Seite 101 gibt es Nachrichten, Sport findet sich ab Seite 200, das TV-Programm ab Seite 300. Da die Fernbedienung beim Fernsehen eh meist griffbereit liegt, ist der Teletext schnell geöffnet.

So fing alles an: Das Bild aus dem Jahr 1977 zeigt das Fernsehzentrum des Senders Freies Berlin, wo der redaktionelle Probelauf für den Videotext stattfand. Foto:  dpa

Angeboten wird der Videotext von fast allen Sendern. Und die lassen sich das einiges kosten: 1,7 Millionen Euro gibt etwa die ARD im Jahr nach eigenen Angaben für das Produkt aus. 18 Redakteure informieren dafür über programmbezogene Zusatzinformationen, das Fernsehprogramm und Nachrichten. Viele Privatsender senden außerdem Werbung - überwiegend für gebührenpflichtige Telefon-Hotlines, Gewinnspiele und Erotik-Angebote.

Das lohnt sich. Täglich nutzen mehr als elf Millionen Zuschauer die verschiedenen Teletext-Angebote. Die Favoriten der Teletext-Zuschauer sind dabei laut ZDF neben der Startseite 100 die Sport- und Programmangebote sowie die aktuellsten Nachrichten-Meldungen. Und das seit jeher.

Viel geändert hat sich beim Teletext seit den Anfängen im Jahr 1980 ohnehin nicht. Vor allem die mittlerweile etwas plump wirkende Optik, die nie verändert wurde, erinnert daran, dass man einen Technik-Dino aus den Zeiten von Walkman, C64 und des beliebten Computerspiels Pac Man aufruft. Die Nutzer lieben es.

Allerdings: Die Konkurrenz aus dem Internet macht dem Teletext zunehmend zu schaffen. Während im Jahr 2011 die Zuschauerzahl des Teletextes noch bei 16,21 Millionen Zuschauern pro Tag lag, zählte das Marktforschungsinstitut GfK im Jahr 2014 im Durchschnitt nur noch 11,68 Millionen Zuschauer.

Seine Fans werden ihm dennoch die Treue halten. Und so kann es gut sein, dass der Technik-Dino Videotext noch die ein oder andere digitale Neuheit überdauern wird.

Hintergrund: Startschuss im Jahr 1980

Am 1. Juni 1980 starteten ARD und ZDF die Testausstrahlung ihres programmbegleitenden Textangebots für 70.000 entsprechend ausgestattete TV-Geräte. Als auch private Fernsehsender eigene Teletext-Angebote auf den Markt brachten, wechselten die öffentlich-rechtlichen Sender zehn Jahre später vom Test- in den Regelbetrieb. Weitere zehn Jahre später gingen ARD und ZDF getrennte Wege.

Seit jeher bietet der Teletext der Sender auf einer Seite Platz für 25 Zeilen mit je 40 Zeichen Text (23 Zeilen sind frei editierbar, die restlichen sind für Kopf- und Fußzeilen reserviert). Die Seiten können mit 96 verschiedenen Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen sowie 128 Grafikzeichen gestaltet werden. Dies entspricht dem Stand der Technik zu der Zeit, als der Teletext eingeführt wurde.

Digital-Tipps

Videotext auf dem Smartphone

Der Videotext hat den Röhrenfernseher überlebt, die Diskette sowieso. Fans der bunten Pixel-Seiten nutzen ihn sogar auf dem Smartphone. Über die App „Teletext - Videotext“ für Apple- und Android-Nutzer können Nutzer den Videotext vieler deutscher Sender (ARD, ZDF, RTL, SAT.1, ...) sowie einiger Sender aus dem Ausland (unter anderem der Schweiz, Italien, Österreich und Spanien) aufrufen. Angewählt werden die Teletextseiten in der App entweder direkt mit einem Fingerdruck auf die angezeigte Seitenzahl oder über die Eingabe dieser Kennziffern über eine Tastatur, die sich per Doppel-Tipp einblenden lässt. 

Apple (99 Cent): http://zu.hna.de/apple1604

Android (kostenlos): http://zu.hna.de/andro16

Website zum Selbstdesignen

Fans des Vidoetextes können auf einer Website ihre eigenen Bilder in Pixel-Optik darstellen lassen - und sie anschließend bearbeiten, herunterladen und verschicken.

www.teletexttheworld.com

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