In deutscher Sternwarte bestätigt

Sensation: Einsteins Relativitätstheorie bewiesen

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Diese Simulation zeigt die Orbits der Sterne nahe des supermassiven Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße.

Vor mehr als hundert Jahren verkündete Albert Einstein seine Relativitätstheorie. Jetzt ist es deutschen Forschern erstmals gelungen, sie zu beweisen.

Garching - Bestätigung für Einstein am Schwarzen Loch: Astronomen ist erstmals ein erfolgreicher Test der Allgemeinen Relativitätstheorie am supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße gelungen. Beobachtungen eines Sterns nahe dem Schwerkraftmonster mit einem Großteleskop der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile bestätigten die von der Relativitätsheorie vorhergesagten Effekte auf die ferne Sonne, wie die Wissenschaftler am Donnerstag in Garching berichteten.

Der von dem Forscherteam beobachtete Stern mit der Bezeichnung S2 gehört zu einer Gruppe von Himmelskörpern, die das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie mit hoher Geschwindigkeit umkreisen. Damit sind diese Sterne dem stärksten Gravitationsfeld in der Milchstraße ausgesetzt. Die Astronomen beobachteten S2 mit Instrumenten am Very Lage Telescope (VLT) der ESO in der chilenischen Atacama-Wüste.

Video zeigt die fantastische Entdeckung

Vorhersagen der Relativitätstheorie von Einstein bestätigt

Ihre Messungen zeigten den Angaben zufolge deutlich einen Effekt, der als Gravitationsrotverschiebung bezeichnet wird. Dabei wird das Licht des Sterns durch das sehr starke Gravitationsfeld des Schwarzen Lochs auf längere Wellenlängen gestreckt. Bei den Messungen zeigte sich, dass die Wellenlängenänderung des Lichts von S2 genau mit den Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein übereinstimmt.

Die hochpräzisen Untersuchungen wurden von einem internationalen Team unter Leitung von Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching vorgenommen. Die ESO wertete die neuen Erkenntnisse als Höhepunkt einer 26-jährigen Serie von immer genaueren Beobachtungen des Milchstraßenzentrums mit ihren Instrumenten. Die europäische Forschungseinrichtung betreibt mehrere Hochleistungsteleskope in Chile, das wegen seiner trockenen Wetterbedingungen beste Voraussetzung für astronomische Beobachtungen bietet.

„Wir haben uns intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet“

"Dies ist das zweite Mal, dass wir den nahen Vorbeiflug von S2 um das Schwarze Loch im galaktischen Zentrum beobachtet haben", erklärte Genzel. "Aber diesmal konnten wir den Stern aufgrund der deutlich verbesserten Instrumentierung mit bisher unerreichter Auflösung beobachten - seit mehreren Jahren haben wir uns intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet, da wir bei dieser einmaligen Gelegenheit allgemeinrelativistische Effekte beobachten wollten."

Das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie ist 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Masse dieses Gravitationsmonsters ist vier Millionen Mal so groß ist wie diejenige der Sonne. Schwarze Löcher sind exotische Objekte, deren gigantischer Schwerkraft selbst das Licht nicht entkommen kann.

Größte physikalische Theorie des 20. Jahrhunderts

Mit den neuen Messungen am Stern S2 erwies sich Einsteins Theorie einmal mehr als richtig - "in einem viel extremeren Labor, als er es sich vorstellen konnte", wie die ESO hervorhob. Der später als Jahrhundertgenie gefeierte Einstein hatte die Grundidee seiner Allgemeinen Relativitätstheorie am 25. November 1915 der Preußischen Akademie der Wissenschaften vorgelegt.

Die Theorie beschreibt unter anderem, wie massereiche Körper die Raumzeit verzerren. Heute zählt die Allgemeine Relativitätstheorie gemeinsam mit der Quantenmechanik zu den großen physikalischen Theorien des 20. Jahrhunderts.

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afp

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