Serienfiguren werden real

Fiktive Charaktere stehen mit ihren Büchern auf der Bestsellerliste

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Erfolgreich: Unter dem Namen ihrer Fernsehrollen schreiben Falko Ochsenknecht (links) und Neil Patrick James (Mitte) Bestseller. Auch Christoph Maria Herbst (rechts) macht als Stromberg die Medienlandschaft unsicher.

Sie twittern, schreiben Bücher und moderieren ganze Sendungen – doch eigentlich existieren sie nicht: Serienfiguren. Fiktive Charaktere, die von Drehbuchautoren erschaffen worden sind, um die Zuschauer zu unterhalten. Und doch drängen immer mehr ins reale Leben.

So gibt es beispielsweise von der Figur Barney Stinson (Neil Patrick Harris) aus der US-Sitcom „How I Met Your Mother“ (Neue Folgen: mittwochs, 20.15 Uhr, Pro 7) Bücher zu kaufen, die er in der Serie geschrieben hat. In seinem bekanntesten Werk, „Der Bro Code“, gibt er Tipps für das Miteinander bei besten Freunden – dazu zählen so tiefsinnige Ratschläge wie: „Bruder geht vor Luder“ und „Kein Sex mit deines Bros Ex“.

Das ist aber nur ein Beispiel einer Fernsehfigur, die ins reale Leben übergeschwappt ist. In den vergangenen Jahren hat sich dieser vollkommen neue Trend entwickelt. Einzelne Charaktere haben Facebookprofile und Twitter-Accounts, wie der intrigante US-Abgeordnete Frank Underwood aus der Sat.1-Politthrillerserie „House of Cards“. Mit 64.000 Followern hat er sogar mehr als Til Schweiger (31 400) – den es bekanntlich wirklich gibt.

Das Phänomen der verschwimmenden Grenzen zwischen Fernsehen und Realität ist aber nicht nur in den USA verbreitet, auch in Deutschland wird man immer häufiger damit konfrontiert.

Ende 2013 erschien hierzulande ein Buch mit dem prägnanten Titel: „Wir. Geil.: ... und du so?“, geschrieben von Ole Peters (Falko Ochsenknecht), einem Menschen, der in Wirklichkeit nicht existiert, sondern Teil der RTL-2-Reality-Doku „Berlin Tag & Nacht“ (montags bis freitags, 19 Uhr, RTL 2) ist. Mit über 10 000 verkauften Exemplaren schaffte es sein Machwerk sogar auf Platz vier der „Spiegel“-Bestsellerliste. In seinem Werk erklärt Peters auf knapp 200 Seiten, wie man das perfekte WG-Leben führt, wofür er ja ein Experte ist, weil er in der RTL-2-Dokusoap auch in einer Wohngemeinschaft lebt.

Natürlich sind Bücher, Twitter- und Facebook-Auftritte in erster Linie Werbemaßnahmen der jeweiligen Produktionsfirmen, um noch mehr Fans anzusprechen. Aber für den Zuschauer steckt meist doch mehr dahinter: Durch das Interagieren über Tweets oder das Befolgen der WG-Tipps von Ole Peters oder der Beziehungsratschläge von Barney Stinson wird der erfundene Seriencharakter auch Teil des eigenen Lebens.

Von Benjamin Kling

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