Vor 40 Jahren: Die brutalen Manson-Morde

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Charles Manson 1969 in Polizeigewahrsam.

Los Angeles - Die bestialischen Morde sind 40 Jahre her - doch sie beschäftigen Amerika bis heute: Im August 1969 brachte die „Family“ von Charles Manson sechs Menschen auf brutalste Weise um.

Mit der “kaltblütigen Hinrichtung“ der hochschwangeren Schauspielerin Sharon Tate und weiteren Opfern in Los Angeles hat in den USA das Böse in der Nacht zum 9. August 1969 ein Gesicht bekommen: dunkle Augen mit einem durchdringenden Blick, umrahmt von einer wilden Haarpracht. Das Bild des sogenannten “Hippie“-Sektenführers Charles Manson hat sich ins Bewusstsein seiner Landsleute eingebrannt. Der im Corcoran State Gefängnis in Kalifornien inhaftierte Psychopath verkörpert für viele die dunkle Seite Amerikas. Für andere wuchs der inzwischen 74-Jährige im Laufe der Jahre zu einer Pop-Ikone. Das Geschäft boomt mit dem Mann, der über Nacht dem “Sommer der Liebe“ ein Ende gesetzt hat.

Die brutalen Morde der Manson-Family

Im August 1969 schockten bestialische Morde Amerika. Im Land ging der Geist von „Flower Power“ und „Freier Liebe“ um. Da brachte eine Hippie-Sekte in Kalifornien scheinbar wahllos Menschen um. Anführer des bizarren Kults: Charles Manson. © AP
Ende der 1960er Jahre scharte Manson leichtgläubige, desillusionierte, obdachlose und drogenabhängige junge Leute (bevorzugt Frauen) um sich. Sie lebten unter anderem auf Spahn's Movie Ranch in Kalifornien. Dort verbreitete der kriminelle Guru (Manson hatte bereits etliche Jahre im Knast gesessen) seine kranke Weltanschauung. © AP
Sein Ziel: Ein Rassenkrieg zwischen Weißen und Schwarzen. Mit brutalen Aktionen gegen die weiße Oberschicht zum einen und gegen die schwarze Unterschicht zum anderen wollte die Family beide Seiten gegeneinander aufhetzen.  © AP
Für die „weiße Oberschicht“ standen in der verrückten Weltanschauung Mansons beispielhaft Hollywood-Regisseur Roman Polanski und seine Frau, die Schauspielerin Sharon Tate (auf einer Party fotografiert). © AP
In der Nacht auf den 9. August 1969 erhielten drei  Family-Mitglieder von Manson den Auftrag, in das Haus von Polanski und Tate in Los Angeles (Bild) einzudringen und jeden Anwesenden zu töten. Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Charles Watson taten wie ihnen geheißen: Sie schlichen sich auf das Gelände. Auf dem Weg zum Haus stoppten sie das Auto des Studenten Stephen Parent (18). Tex Watson erschoss ihn mit vier Kugeln. © AP
Dann stürmten die drei in das Haus, wo gerade eine Party stattfand. Mit Küchenmessern stachen sie auf jeden ein, den sie fanden. Mit insgesamt 102 Messerstichen tötete die Manson-Family vier Menschen. Das Bild zeigt alle Opfer der Mordnacht: Von links  Voityck Frykowski, Sharon Tate, Stephen Parent, Jay Sebring und Abigail Folger. © AP
Die Leiche von Sharon Tate wird am Morgen des 9. August 1969 aus dem Haus weggebracht. Tragisch: Tate war zum Zeitpunkt ihrer Ermordung hochschwanger. Sie starb unter 16 Messerstichen. Mit ihrem Blut schrieb Susan Atkins das Wort „PIG“ (deutsch: „Schwein“) an die Haustür. © AP
Der Tatort am Morgen des 9. August 1969: Auf dem Boden vor dem Haus sind Blutflecken zu sehen. Wie die Polizei später rekonstruierte, hatten sich die Opfer Frykowski und Folger noch bis in den Vorgarten geschleppt. Auf Jay Sebring hatten die Killer mehrfach eingestochen und ihn im Haus mit mehreren Schüssen getötet. © AP
Einen Tag später ermordeten die drei Hippie-Killer, dieses Mal begleitet von Leslie Van Houten, den Industriellen Leno LaBianca und seine Frau Rosemary. Mit Blut wurden unter anderem die Parolen „Tod den Schweinen“ und „Erhebt Euch“ an die Wände des Hauses geschrieben. Das Bild zeigt (von links) Susan Atkins, Patricia Krenwinkel and Leslie Van Houten nach ihrer Verhaftung. © AP
Am 12. Oktober 1969 fand auf der Barker Ranch im Death-Valley-Nationalpark (Bild), wo Manson und seine Anhänger inzwischen hausten, eine Polizei-Razzia statt. Die Beweisstücke führten im Lauf der kommenden Wochen zur Verhaftung Mansons und seiner Anhänger. © AP
Die Barker Ranch gibt es noch heute - so wie Manson und seine Anhänger sie hinterlassen haben. Im Garten stehen diese Stühle mit Einschusslöchern. Die Family hatte sie für Schießübungen genutzt. © AP
Das Innere der Barker Ranch. Auf einem Tisch liegt heute auch eine Zeitschrift, in der über die perversen Morde der Family berichtet wird. Vermutlich hat ein Manson-Fan sie dort hingelegt. © AP
Kultort Barker-Ranch: Ein Mann fotografiert die alte Zufluchtstätte der Manson-Family. © AP
Die verfallene Barker Ranch von aussen gesehen. © AP
1970 begann der Prozess gegen Manson und die Mörder aus dem Kreis seiner Family. Das Verfahren sorgte für ein beispielloses Medieninteresse. © AP
Manson inszenierte sich vor Gericht als Irrer, als das Böse schlechthin. Vor dem Richter erklärte er: „Ich bin der Teufel.“ Sicher ist: Die Family plante weitere Morde. Bei bis zu sechs noch heute ungeklärten Morden gelten die Hippie-Killer als verdächtig. © AP
Am 29. März 1971 verurteilte eine Jury in Los Angeles Charles Manson und die drei angeklagten Frauen zum Tod in der Gaskammer. Auf dem Weg zur Urteilsverkündung (Foto) lachen die durchgeknallten Family-Mitglieder. © AP
Im Oktober wurde auch ein Todesurteil gegen Charles Watson (Mitte) ausgesprochen. © AP
Charles Manson nach der Urteilsverkündung: In seine Stirn hatte er sich während des Prozesses ein Hakenkreuz geritzt. © AP
Manson und die anderen Verurteilten hatten Glück: Schon 1972 erklärte der Oberste Gerichtshof von Kalifornien die Todesstrafe  für verfassungswidrig, die Urteile wurden in „lebenslang“ umgewandelt. 1978 wurde die Todesstrafe wiedereingeführt. Für die Verurteilten im Manson-Prozess blieb diese Entscheidung aber unwirksam. © AP
Im Juli 1985 wurde Charles Manson nach San Quentin gebracht und seit März 1989 sitzt er im kalifornischen Staatsgefängnis in Corcoran (Kings County) ein. Das Bild stammt von einer Anhörung im Jahr 1986. © AP
Auf dem linken Bild ist Manson zu sehen, wie er im März 2009 aussah, das rechte zeigt ihn nach seiner Festnahme vor fast 40 Jahren. Im Mai 2007 wurde sein mittlerweile elftes Bewährungsgesuch abgelehnt, das nächste Gnadengesuch kann er frühestens im Jahr 2012 einreichen. © AP
Susan Atkins (Mitte) mit ihren Mittäterinnen Patricia Krenwinkel (links) und Leslie Van Houten sitzen ebenfalls bis heute im Knast. Seit Jahren bemühen sich auch Mansons Mithäftlinge um vorzeitige Entlassung. Ihre Gesuche wurden bis heute insgesamt achtzehn Mal abgelehnt.  © AP
Der heute 74-Jährige Manson hat vermutlich keine Chance mehr, jemals wieder das Gefängnis zu verlassen. Er bereut seine Taten bis heute nicht. © AP
Susan Atkins, bei der ein unheilbarer Gehirntumor festgestellt wurde, hat 2008 einen Antrag auf „Entlassung aus Mitleid“ gestellt. Doch der wurde am 15. Juli 2008 abgelehnt. Ihre nächste Anhörung ist für kommenden September angesetzt. Dann könnte sie freikommen. © AP
Debra Tate, Schwester der ermordeten Sharon Tate, setzt sich bis heute dafür ein, dass alle fünf Verurteilten nie wieder freigelassen werden. © AP
Er verdient am Mythos Manson: Schock-Rocker Marilyn Manson. Wie er beteuert, soll sein Name keine Verehrung von Charles Manson ausdrücken. Er wolle in seinem Pseudonym nur die beiden Extreme US-amerikanischer Popularität, Marilyn Monroe und C harles Manson, zusammenfassen. © AP
Allerdings veröffentlichte der Schock-Rocker ein Lied von Charles Manson (My Monkey) auf seinem Album Portrait of an American Family. Auch die Band System of a Down zeigt sich zum Teil von Charles Manson inspiriert, etwa mit dem Song ATWA auf dem Album Toxicity. Auch 40 Jahre nach den bestialischen Morden vom August 1969 lebt der irre Manson-Mythos noch. Das Monster wurde zur Pop-Ikone. © dpa
Der Leichnam von Sharon Tate wird am 9. August 1969 aus deren Haus weggebracht.

In dieser Nacht schickt Sektenführer Manson vier seiner Anhänger in die Villa der 26-jährigen Schauspielerin in Hollywood. Drei Frauen und ein Mann dringen mit Bajonetten, Pistolen und Messern bewaffnet in das Haus ein, in dem die hochschwangere Tate, Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski, sich mit ein paar Freunden aufhält. Was dann passiert, ist ebenso lückenhaft überliefert wie unfassbar: Grausam verstümmelt und mit einer Nylonschnur um den Hals wird Tate am nächsten Morgen gefunden.

Berichten der Polizei zufolge haben die Mörder Dutzende Male auf ihren Leib sowie auf das ungeborene Baby eingestochen. Neben Tate liegt die Leiche des Starfriseurs Jay Sebring, ihres früheren Verlobten, im einem anderen Zimmer zwei weitere Freunde - auf ähnlich bestialische Weise ermordet. An die Wand haben die Mörder mit dem Blut der Schauspielerin “Pigs“, Schweine, geschmiert. Im Garten liegt als fünfte Leiche die des zufällig an den Tatort gekommenen 18- jährigen Steven Parent.

Doppelmord am Ehepaar La Bianca

Am nächsten Tag schlagen die Killer erneut zu. Diesmal wüten sie im Haus des Supermarktketten-Besitzers Leno LaBianca und seiner Frau Rosemary. In Los Angeles macht sich Panik breit. “Diese Morde waren so grausam und barbarisch“, erinnert sich Vincent Bugliosi, der als Staatsanwalt 1970 die Klage gegen Manson führte, im US-Magazin Newsweek. “Plötzlich wurden Namen von Gästelisten gestrichen oder Partys abgesagt. Niemand wusste, ob die Killer nicht unter ihnen waren. Der Verkauf von Wachhunden und Gewehren stieg drastisch an.“ Drei Monate später werden Manson und neun Mitglieder seiner “Familie“ verhaftet. Es folgt der längste und teuerste Prozess der US- Kriminalgeschichte. Gebannt verfolgt die ganze Welt, mit welch dämonischer Macht ein Mann eine Gruppe weißer Bürgerkinder zu kaltblütigen Mördern gemacht hat.

Das ist Charles Manson

Manson, 1934 in Cincinnati (US-Staat Ohio) als uneheliches Kind einer 16-Jährigen geboren, hat den größten Teil seiner Jugend in Besserungs- und Haftanstalten verbracht. Als der junge Mann, dem die Behörden “fanatische Interessen“ bescheinigt haben, 1967 in San Francisco eintrifft, entwickelt er sich in der Drogen- und Hippie- Szene rasch zu einem Anführer. Mit seinen Anhängern, die er “Familie“ nennt, zieht er im Frühjahr 1968 auf die Spahn-Ranch in der Nähe von Los Angeles, eine heruntergekommene Kulissen-Stadt aus den goldenen Jahren Hollywoods. Manson predigt “freie“ Liebe nach seinen Vorstellungen, und er entwickelt die Idee, dass die “schwarze Rasse“ die “weiße“ auslöschen wolle. Doch als der Rassenkrieg im Sommer 1969 ausbleibt, entscheidet sich Manson, ihn selbst zu starten und schickt seine Killer aus, um “zu zeigen, wie man Weiße tötet.“

1971: Todesurteile für Manson und Ahängerinnen

Charles Manson 1970 vor Gericht.

Im April 1971 werden Manson und drei seiner Anhängerinnen zum Tode verurteilt. Sieben Morde kann das Gericht ihnen nachweisen. Das Strafmaß wird ein Jahr später nach der vorübergehenden Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien auf lebenslange Haft reduziert. Doch Macht übt Manson auch weiter aus. Kein Gefangener in den USA bekommt soviel Fanpost wie er. “Heute vereinnahmt fast jede moralisch verwerfliche Gruppe in Amerika, von den Satanisten bis hin zu den Neo-Nazi-Skinheads, Manson und das Gift seiner Philosophie“, sagt Staatsanwalt Bugliosi. “Er ist ihre spirituelle Ikone, der Hohepriester des Anti-Establishment-Hasses.“

Mit der Manson-Geschichte hat Bugliosi selber den Krimi-Bestseller aller Zeiten geschrieben: Sieben Millionen Mal wurde sein Buch “Helter Skelter“ verkauft. Unzählige weitere Bücher, Filme und Hörkassetten erschienen. Und auch Manson produziert eifrig mit: Im Internet wurde jüngst ein “Charles Manson Gefängnis Polaroid mit Familienangehörigen“ für 175 Dollar gehandelt. Eine Zeichnung, mit Locke und Unterschrift beglaubigt, gar für 1800 Dollar.

Von Antje Passenheim

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