Fahrlässige Tötung

"Sewol"-Untergang: Reedereichef verurteilt

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Der Chef der "Sewol"-Reederei, Kim Han Sik, muss wegen fahrlässiger Tötung für zehn Jahre hinter Gitter.

Seoul - Nach dem Kapitän der im April verunglückten südkoreanischen Fähre "Sewol" ist nun auch der Chef der Betreiberfirma zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Ein Gericht in Gwangju im Süden des Landes verurteilte den Chef des Fährbetreibers Chonghaejin Marine, Kim Han Sik, am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Jahren Haft. Nach Auffassung der Richter hatte der 71-Jährige zugelassen, dass die Fähre routinemäßig überladen wurde, und illegalen Umbauten zugestimmt, um die Kapazität des Schiffes zu erhöhen.

Der Untergang der Fähre mit 476 Menschen an Bord hatte landesweit Empörung hervorgerufen. Die meisten der mehr als 300 Opfer waren Schüler. Vor gut einer Woche waren bereits der Kapitän Lee Jun Seok und drei weitere führende Besatzungsmitglieder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Der 69-jährige Lee muss für 36 Jahre in Haft - zum Entsetzen der Hinterbliebenen wurde er aber vom Vorwurf des vorsätzlichen Totschlags freigesprochen und nur wegen grober Fahrlässigkeit und Verletzung seiner Dienstpflichten verurteilt.

Fährunglück in Südkorea: Die wichtigsten Antworten

 - Wo war der Kapitän zum Unglückszeitpunkt?Lee Jun Seok soll nicht am Steuer der Fähre gewesen sein. Er habe kurz vorher an die 26 Jahre alte, wenig erfahrene Dritte Offizierin übergeben, teilten die südkoreanischen Ermittler mit. Wo genau sich Lee dann aufhielt, blieb offen. © dpa
- Hat der Kapitän früh genug die Evakuierung der Fähre eingeleitet?Nein, sagen zumindest die Angehörigen der Passagiere. Sie argumentieren, es hätten mehr Menschen gerettet werden können, wenn das havarierte Schiff früher geräumt worden wäre. Die Evakuierung wurde erst eingeleitet, als das Schiff schon in Seitenlage geraten war. © dpa
- Wie viele Rettungsboote wurden benutzt?Nach Medienberichten wurden nur ein oder zwei von mehr als 40 Rettungsbooten zu Wasser gelassen. Bei den Rettungsbooten auf der Fähre handelte es sich um selbstaufblasende Schlauchboote, die sich in Kästen auf dem Hauptdeck befanden. © dpa
- Warum werden noch so viele Passagiere vermisst?Die Retter vermuten, dass ein Großteil der ursprünglich 475 Menschen an Bord im Rumpf des Schiffes eingeschlossen ist. Überlebende berichten, viele Mitreisende hätten nicht mehr aus ihren Kabinen entkommen können. In Luftblasen könnten einige von ihnen noch eine Weile überlebt haben. Fast 180 Menschen wurden gerettet; bis Freitagnachmittag (Ortszeit) wurden 28 Leichen gefunden. © dpa
- Wie kam es zu dem Unglück?Die genaue Ursache ist weiter unklar. Am Ort des Untergangs soll die „Sewol“ einen Kurswechsel vorgenommen haben, heißt es von den Ermittlern. Möglich ist auch, dass die Fähre auf einen Felsen auflief und dann die Autos im Innern verrutschten. Überlebende hatten von einem großen Knall vor dem Sinken des Schiffes gesprochen. © dpa
- Weshalb war lange Zeit noch der Schiffsbug zu sehen?Der hintere Teil des Schiffes sank rasch auf den Meeresgrund - das Wasser ist hier rund 30 bis 40 Meter tief. Durch Luft im Inneren wurde der vordere Teil der Fähre eine Zeit lang über Wasser gehalten, so dass die Bugwulst noch herausragte. Inzwischen ist über der Wasseroberfläche aber gar nichts mehr von dem Schiff zu sehen. © dpa

Nach einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht trugen neben der Inkompetenz der Besatzung auch Behördenversagen, Korruption sowie Geldgier der Reederei zu der Katastrophe bei. Fährbetreiber-Chef Kim hatte eine Verantwortung stets zurückgewiesen und Reedereichef Yoo Byung Eun die Schuld gegeben. Der 73-jährige Patriarch der Eigner-Familie war nach dem Unglück verschwunden. Im Juni wurde dann seine bereits stark verweste Leiche gefunden. Die Todesursache konnte nicht mehr ermittelt werden.

Yoos ältester Sohn wurde Anfang des Monats wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt, ein Urteil gegen dessen Mutter steht noch aus. Die Eigner-Familie soll Geld aus dem Unternehmen abgezogen haben, das dann für Sicherheitsmaßnahmen fehlte. Neben dem Chef des Fährunternehmens wurden neun weitere Angeklagte zu Haftstrafen bis zu sechs Jahren verurteilt, ein weiterer wurde freigesprochen. Unter ihnen waren sechs weitere Vertreter des Fährunternehmens.

Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer

Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer
Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer © dpa
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Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer © afp
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Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer © dpa
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afp

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