Schutz per Smartphone

Sicher flirten: Isländer entwickeln App für Inzesttest

Stockholm. Auf der Insel Island wohnen nur 320.000 Menschen. Das erscheint gemütlich, hat aber auch seine Nachteile: Die bewohner der idyllischen Insel sind ungewöhnlich häufig miteinander verwandt. Die Frage nach Mutter und Vater gehört beim Flirt deshalb dazu. Eine App soll nun vor Inzest schützen.

„Jeder Isländer kennt die Geschichte. Man geht zu einer Familienfeier und plötzlich trifft man da ein Mädchen, mit dem man vor einiger Zeit heimgegangen ist“, erzählt der Graphiker Einar Magnusson. „Und es ist kein angenehmes Gefühl, wenn dir dann erst klar wird, dass es deine Cousine zweiten Grades war“, sagt er.

Deshalb sei ein neu entwickelter, isländischer Inzestwarndienst, der im Handy beim ersten Treffen mit potentiellen Liebhabern gegebenenfalls ein Warnsignal aussendet und den Verwandtheitsgrad zum jeweiligen Objekt der Begierde preisgibt, nicht nur eine spaßige, sondern wirklich nützliche Idee, findet er.

Die inzwischen auf Island äußerst populäre Applikation Namens Islendiga-App ("App der Isländer"), haben drei isländische Programmierer der Universität Island für die auf der Insel bereits weit verbreiteten Smartphones entwickelt.

Wenn zwei Flirtende die Anwendung (App) installiert haben, reicht es aus, die Handys aneinander zu stoßen. Ein Bewegungssensor aktiviert dann die Programme auf beiden Telefonen. In Sekundenschnelle kommt dann eine Warnung (Finger Weg!) oder Entwarnung (Weitermachen!) für den begonnenen Flirt.

„Bump the app before you bumb in bed“, so der grobe aber griffige Werbeslogan des Warndienstes. Das heißt soviel, wie: "Stoße die App an, bevor du im Bett stößt“. Das Programm kann auch anderes, etwa an Geburtstage sämtlicher Verwandten erinnern.

Erhältlich ist der Inzestwarndienst bislang nur für Androidtelefone. Die Entwickler hoffen, ihn bald auch für iPhones anbieten zu können.

Möglich ist diese genaue Bestimmung des Verwandtschaftsgrades derzeit wohl nur in Island. Denn die Insel verfügt über ein engmaschiges und weit zurückreichendes Informationsregister. Stammbäume zu führen ist eine alte Tradition aller Isländer. Die Abstammung war früher wichtig.

Im Jahr 874 besiedelten die ersten norwegischen Wikinger die damals völlig unbewohnte Insel. Von diesen ersten Siedlern stammen heute im Grunde alle Isländer ab. Das Ahnenbuch der Nation nennt sich Islendingabok (Buch der Isländer). Es reicht stolze 1200 Jahre zurück in die Vergangenheit.

Es wurde 1997 zusammengesetzt aus Unmengen von über die Jahrhunderte niedergeschrieben Daten aus Familien- und Kirchenarchiven. Auch wenn nicht alle Isländer darin ihre Stammbäume 1200 Jahre zurückverfolgen können, soll das Register die Vorfahren von 95 Prozent der heute lebenden Isländer nahezu lückenlos für die letzten 300 Jahre erfasst haben.

Die Datenbank ist für alle Isländer im Internet öffentlich einsehbar. Der neue Handydienst soll, neben der populären Inzestwarneinrichtung, gerade auch junge Isländer wieder verstärkt für ihre Geschichte interessieren und daran erinnern, dass es ein so umfangreiches Ahnenarchiv im kleinen  Island gibt.

Dennoch sei Island heute nicht so inzestuös, wie man sich vielleicht im Ausland vorstelle, unterstreicht Arnar Freyr Adalsteinsson, einer der drei App-Programmierer. „Island ist keine Inzestnation“, betont er.

Tatsächlich entführten die isländischen Wikinger laut Überlieferungen auf ihren Raubzügen durch die ganze Welt viele Frauen auf die Vulkaninsel, um die eigene Bevölkerung zu vergrößern. Letztlich trug dies vermutlich auch zu einem gesünderen Genstamm bei. Auf Island gibt es vielleicht auch deshalb eben bei weitem nicht nur blonde, lange, skandinavisch aussehende Menschen.

Mindestens einem Verwandten begegnet ein Isländer dennoch täglich auf der Straße, auch heute noch. Und genau der sollte nicht im eigenen Bett landen. (ce)

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.