Shitstorm gegen Autovermieter

Werbung erhitzt die Gemüter: Sixt plakatiert „Rasen ist geil!“

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Pullach. Der Autovermieter Sixt mit Sitz im Bayerischen Pullach sorgte kürzlich für Empörung im Netz. Kritiker warfen Sixt vor, mit einem Werbeplakat das Rasen zu verherrlichen.

Darauf ist eine Frau hinterm Steuer eines Wagens zu sehen, im Stil eines Blitzerfotos. Mit 205 Stundenkilometern ist diese laut Aufschrift unterwegs. Dazu der Schriftzug: „Blumen sind nett. Rasen ist geil! Starke Autos für starke Frauen.“

Nutzer im Netz kommentieren die Kampagne - und das auf recht eindeutige Weise: „Sagt mal Sixt, hat es euch ins Gehirn geschissen? Rasen ist nicht geil. Rasen tötet Menschen!“ schreibt etwa Nutzer „juergvollmer“ auf Twitter. „Sind dumme/verantwortungslose Frauen eure Zielgruppe?“ fragt Twitter-Nutzer „h0uz3“.

Auf Facebook empört sich Frank S.: „Schlecht gewählter Spruch für die Werbung - bei so vielen Verkehrstoten, durch Raserei, in Deutschland.“ Und Sabine C. schreibt auf Facebook: „Finde ich ziemlich dämlich - was hat Emanzipation und Gleichstellung mit hirnlosem Rasen zu tun?“

Ein paar Nutzer beteiligen sich nicht am Shitstorm, sondern reagieren mit Lob oder Humor: „sagt Bescheid wenn Ihr nen GreenKeeper braucht“ schreibt etwa Twitter-Nutzer „earlyBird1977“. Und „Beat_Jenny“ twittert: „Starke Kampagne von Sixt“.

Der Autovermieter selbst hat bei Twitter öffentlich nur auf die positiven Zuschriften reagiert. So antwortet Sixt den Sympathisanten: „So ein Kompliment nehmen wir doch gerne mit“ und „Vielen Dank, für die Blumen.. lalala. Wir melden uns dann, wenn der Rasen wieder Pflege bedarf.“

„Augenzwinkernd gemeint“ 

Ein Sprecher von Sixt sagte auf HNA-Anfrage: „Wenn Kritik da war, hat sich das Social Media Team für den Hinweis bedankt und gesagt, dass die Kritik aufgenommen wird und dass man keine Gefühle verletzten wollte.“ Grundsätzlich sei die Werbung von Sixt durchaus „frech“ und „provokant“ - aber immer „augenzwinkernd gemeint“. Die Werbung sei aber ausdrücklich niemals als Statement gedacht - so auch in diesem Fall.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sixt mit provokanter Werbung auffällt. So ernannte die Autovermietung im Zuge der Lokführer-Streiks Claus Weselsky zum „Mitarbeiter des Monats“.

Kampagne in der Schweiz 

Aktuell sorgt in den sozialen Netzwerken ein Plakat für Empörung, mit dem Sixt in der Schweiz wirbt. Darauf sind zwei Mietwagen zu sehen und daneben der Spruch „Die günstigste Gelegenheit, mal einen Deutschen zu treten.“ Das ist eine Anspielung auf die Deutschenfeindlichkeit in der Schweiz. Kritiker sehen darin einen Aufruf zur Gewalt.

Auch spannt Sixt oft bekannte Personen der Zeitgeschichte unfreiwillig für seine Kampagnen ein. 1999 brachte diese Vorgehensweise dem Unternehmen eine Klage des Politikers Oskar Lafontaine ein, der seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Sixt hatte kurz nach dem Rücktritt Lafontaines als Bundesfinanzminister und SPD-Vorsitzender mit seinem Porträt und dem Spruch „Sixt verleast auch Autos für Mitarbeiter in der Probezeit“ geworben.

Im Jahr 2007 zog Sixt nach Kritik eine getarnte Werbekampagne mit dem Titel „Geh zur Armee“ zurück. Zum Bild eines offenen Jeeps mit Soldaten wurde der Slogan „Erlebe, was Kameradschaft bedeutet, zeige dem Feind seine Grenzen und fahre noch günstiger Cabrio als bei Sixt“ präsentiert. Das Plakat war eine Anspielung auf Nachwuchsprobleme und Ausrüstungsmängeln bei der Bundeswehr.

Marketing-Experte Andreas Mann: „Spiel mit Stereotypen“

Marketing-Experte Andreas Mann

Der Shitstorm um seine neue Kampagne mit dem Spruch „Rasen ist geil“ kann dem Autovermieter Sixt egal sein. Das meint Marketing-Experte Andreas Mann, Lehrstuhlinhaber Fachbereich Marketing an der Universität Kassel.

Herr Mann, was ist Ihrer Meinung nach die erwünschte Wirkung dieser Werbung von Sixt? 

Andreas Mann: Das müsste man die Macher der Kampagne fragen. Wenn die erwünschte Wirkung Aufmerksamkeit war, dann scheint Sixt damit Erfolg zu haben. Natürlich gibt es auch Empörung. Aber wenn die, die sich darüber empören, nicht zur Zielgruppe der Werbung gehören, kann Sixt das erst mal egal sein.

Wer ist in diesem Fall die Zielgruppe? 

Mann: Es sollen „starke Frauen“ angesprochen werden, wie es auch auf dem Plakat steht. Wahrscheinlich sind damit junge Business-Damen gemeint.

Wie weit darf Werbung überhaupt gehen und geht diese Werbung zu weit? 

Mann: Werbung sollte keine religiösen Gefühle verletzen und nicht mit den gesetzlichen Vorgaben torpedieren. Sixt macht beides nicht. Das Bild weist zwar darauf hin, dass die Frau gegen ein Gesetz verstoßen hat - das ist aber an sich kein Gesetzesverstoß. Das Aufrufen zu schnellem Fahren ist natürlich problematisch. Aber das Plakat spielt eher mit den Stereotypen „männlich“ und „weiblich“, als dass es zu etwas aufruft.

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