Reif fürs Handy

Smartphone schon für Grundschüler?

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Kinder sollten den Einstieg in die mobile und digitale Welt schrittweise angehen - und mit Hilfe der Eltern. Foto: Silvia Marks/dpa/dpa-tmn

Daddeln, Filme gucken, Nachrichten verschicken und natürlich telefonieren – ein eigenes Smartphone gehört für viele Heranwachsende zum Alltag. Experten sehen das kritisch, vor allem bei jüngeren Kindern.

Berlin (dpa/tmn) - Für Jugendliche ist es längst Standard, aber auch im Grundschulalter haben immer mehr Kinder ein eigenes Smartphone. 18 Prozent der Acht- und Neunjährigen verfügten 2016 über ein Mobiltelefon mit Internetzugang, Apps und Touchscreen. Zwei Jahre zuvor waren es erst 10 Prozent.

Bei den Sechs- und Siebenjährigen stieg die Zahl binnen zwei Jahren von 2 auf 4 Prozent. Das geht aus der KIM-Studie hervor, der Basisstudie zum Medienumgang der 6- bis 13-jährigen in Deutschland. Dass immer mehr Grundschüler ein eigenes Handy mit Internetzugang und Apps haben, sieht Medienpädagogin Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg kritisch. Die Kinder seien noch zu jung, um das Gerät in all seinen Funktionen verstehen zu können.

Medienpädagogin Kristin Langer plädiert dafür, den Einstieg in die mobile und digitale Welt schrittweise anzugehen. Als Mediencoach bei der Initiative "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht" berät sie Eltern rund um das Thema. "Um die Funktionen eines Smartphones zu verstehen und zu lernen, wie man sich im Internet schützt, benötigen Heranwachsende Zeit und die Begleitung der Eltern", erklärt Langer. Im Alter von neun Jahren könne man mit einem möglichst einfachen Mobiltelefon ohne Internetzugang beginnen. Ein eigenes Smartphone hält sie frühestens ab elf Jahren für angebracht.

Auch wenn der Nachwuchs Papas oder Mamas Smartphone benutzen darf, sollten die Eltern dabei sein. Bewegt sich das Kind im Internet, reicht es nicht, einfach ansprechbar zu sein, sagt die Pädagogin Maria Große Perdekamp. Sie leitet bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) die Online-Erziehungsberatung. "Die Eltern müssen aktiv nachfragen und direkt mitbekommen, was ihr Kind da macht." Eine Jugendsoftware hilft, problematische Inhalte einzuschränken, beispielsweise indem Seiten mit Altersbegrenzungen gesperrt werden.

"Solche Programme bieten einen guten Grundschutz, Eltern sollten sich aber nicht hundertprozentig darauf verlassen", sagt Langer. Sie empfiehlt, zusätzlich eine Kindersuchmaschine und eine spezielle Kinderstartseite zu verwenden.

Bevor man dem Kind das Smartphone überlässt, ist es gut, Absprachen zu treffen: Welche Funktionen sind erlaubt und wie lange darf das Kind spielen, Filme schauen oder chatten? Laut den Experten von bke oder schau-hin.info sollten Kinder im Grundschulalter insgesamt höchstens eine Stunde mit Fernsehen, PC und Smartphone verbringen.

Aus entwicklungspsychologischer Sicht seien sensomotorische Erfahrungen in diesem Alter am wichtigsten, betont Große Perdekamp. Also beispielsweise klettern, bolzen, draußen spielen, puzzeln und basteln.

Viele Eltern fühlen sich daher wohler, wenn sie auch ihr Kind jederzeit anrufen können und genau wissen, wo es sich aufhält. Große Perdekamp bezweifelt aber, dass sie ihm damit einen Gefallen tun. "Wenn beim Streit auf dem Schulhof gleich die Mutter angerufen wird und sich per Telefon einmischt, ist das nicht hilfreich." Kinder müssten lernen, ihre Konflikte selbstständig zu lösen und Verabredungen einzuhalten.

Tipps zu Sicherheitseinstellungen fürs Smartphone

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