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14-Jähriger schreibt Buch – „Eifersüchtiger“ Vater hinterlässt vernichtende Rezensionen

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Von: Luis Teschner

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In den sozialen Medien verbreitet sich ein Post über einen Vater, der anonym vernichtende Rezensionen für das Buch seines Sohnes hinterlässt. Kann das echt sein?

Kassel – An kaum einem Ort gilt das Motto „Es gibt nichts, was es nicht gibt“ so sehr wie im Internet. Genauso gibt es wenige Orte, an denen mehr Lügen und erfundene Geschichten verbreitet werden. Dazwischen findet sich eine Geschichte, die auf Reddit und Instagram kürzlich viral ging.

Ein 14-jähriger Junge schreibt und veröffentlicht ein Buch. Der Vater, offensichtlich getrieben von Eifersucht, hinterlässt anonym zahlreiche schlechte Rezensionen auf der Amazon-Seite, wo das Buch verkauft wird, damit der Sohn nicht abhebt, sondern „einen kühlen Kopf bewahrt“. Anschließend bricht der Sohn zusammen und will keine weiteren Werke veröffentlichen.

Nun fragt der Vater auf Reddit, ob sein Verhalten angebracht war, oder ob er „das Arschloch“ sei. Die Reaktionen online sind eindeutig: Dieser Rabenvater ist „eifersüchtig“.

Viraler Reddit-Post: Vater schreibt vernichtende Rezensionen zum Buch seines eigenen Sohnes

Gepostet wurde diese Geschichte in einem beliebten Redditforum namens „Am I the Asshole?“ (Bin ich das Arschloch?), in dem Nutzer kontroverse Handlungen beurteilen und entscheiden, wer sich in der Situation falsch verhalten hat. In diesem Fall fällt das Urteil sehr eindeutig aus: Der Vater ist der Schuldige. So eindeutig, dass viele die Echtheit der Geschichte anzweifeln und ein Nutzer schreibt: „Bitte sei nicht echt, bitte sei nicht echt, bitte sei nicht echt.“

Andere bemitleiden den Sohn, der unter den unausgelebten Träumen seines Vaters leiden muss und erzählen ihre eigenen Geschichten, in denen ähnliches passiert. Obwohl die Echtheit hier natürlich wieder angezweifelt werden kann, lässt sich eines feststellen: Die Geschichte bewegt Menschen und trifft einen Nerv.

Psychotherapeutin: „Der Mensch ist ein Gruppentier, man kann sich gemeinsam ärgern.“

Um eine professionelle Perspektive auf das Thema zu bekommen, sprach IPPEN.MEDIA mit der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Ariadne Sartorius. Schnell stellt sie nicht nur die Beweggründe des Vaters infrage, sondern ebenfalls die der Person, die sich die Geschichte ausgedacht haben könnte.

Digitalisierung
Ein Vater hinterlässt anonym vernichtende Rezensionen für das Buch seines eigenen Sohnes – laut Reddit-Post. © Fabian Sommer/dpa/Illustration

„Vielleicht, weil es so einfach ist, gut und böse zu unterscheiden. Das liegt ja ganz offensichtlich auf der Hand, sowas darf ein Vater nicht machen. Es ist so einfach, zu einer Entscheidung zu kommen. Der Mensch ist ein Gruppentier, man kann sich gemeinsam ärgern. Das ist doch eigentlich schöner als sich alleine zu ärgern“, erklärte Sartorius.

Anonyme Rezensionen des eifersüchtigen Vaters könnten auch zum „Schutz des Kindes“ dienen

Dennoch könnte es genauso eine echte Geschichte sein und Sartorius schließt nicht aus, dass der Vater tatsächlich existiert: „Geben tut es alles, das weiß ich aus meiner Erfahrung.“ Dann fragt sich, was im Kopf einer solchen Person vorgeht.

Sartorius sieht viele mögliche Beweggründe: „Wenn er es gut meint, dann wird er wollen, dass man auch Kritik aushalten muss. Gründe mögen auch eine Angst vor Öffentlichkeit oder Schutz des Kindes sein. Es könnten auch gemeine Beweggründe dahinterstecken: Missgunst, Eifersucht.“

Auf jeden Fall setzt der Vater auf andere Werte als eine Mutter, die ihr Kind ganz ohne Schimpfen erzieht.

Sohn erhält fiese Rezensionen von seinem Vater für sein Buch – wenn es ihn wirklich gibt

Wenn die Geschichte echt ist, ist der Leidtragende in der Situation natürlich der Sohn. „Für ein Kind bedeutet sowas große Fragezeichen und Enttäuschung“, weiß Sartorius. „Ich hoffe, dass er dem Vater ordentlich Dampf macht und lernt sich durchzusetzen.“

Ein Reddit-Nutzer hat derweil eine Theorie, warum die Geschichte doch echt sein könnte: Weil der Post und der Account inzwischen gelöscht wurden, vermutet er: „Es scheint wie eine Reaktion von jemandem, der sauer ist, weil er Zustimmung gesucht und nicht gefunden hat.“

Eine Absolution bezüglich der Echtheit der Geschichte wird es wohl nie geben. Stattdessen zeigt der Post auf eindrückliche Weise, was im Internet für Furore sorgt und wie wenig am Ende zählt, ob Geschichten nur erfunden sind oder nicht. (lute)

Ebenfalls kontrovers diskutiert wird gerade dieser Rockstar, der auf der Bühne Fans abknutscht.

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