Wetter hält nicht, was Meldungen versprochen haben

Sommer zu Ostern fällt doch aus

25 Grad zu Ostern in Hessen: Diese Meldung sorgte für Aufsehen und Vorfreude. Medien kündigten schon den ersten Sommertag des Jahres an. Das Problem: Das Wetter an den Feiertagen spielt dabei wohl gar nicht mit. Wir erklären die Hintergründe.

Wird es Ostern, so kurz nach dem Frühlingsanfang, in der Region wirklich schon sommerlich?

Nein. Die 25 Grad für Hessen, die durch die Medien geisterten, sind jedenfalls vom Tisch. „Es wird kein Sommermärchen im Frühling geben“, sagte Dominik Jung vom Internetportal wetter.net gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Und auch der Deutsche Wetterdienst, der am Wochenende von der Deutschen Presseagentur mit einer solchen Vorausschau zitiert wurde, ruderte gestern zurück. „Für Hessen waren nie 25 Grad gedacht“, sagte Sprecher Christian Herold. Das sei vielmehr ein bei äußerst günstigen Bedingungen möglicher Maximalwert für den Alpenrand - falls dort Föhn, ein warmer Fallwind, auftrete. Die Sommermeldung führte er auf ein Missverständnis in der Kommunikation zurück.

Wie sieht die Vorhersage denn nun tatsächlich aus?

Die Badehose wird vorerst nicht benötigt. Für T-Shirt-Wetter könnte es allerdings in Hessen stellenweise reichen -vor allem im Rhein-Main-Gebiet. Nach eher kühleren Tagen in der Karwoche könnte es dort über Ostern bis zu 18 Grad geben. Darin sind sich die Meteorologen Herold und Jung einig. Für Nordhessen gehen ihre Einschätzungen jedoch auseinander: Wechselhaft mit Wolken könne es Ostersonntag werden bei bis zu 13 Grad, sagte Jung gestern Mittag. Heiter bis wolkig bei 13 bis 15 Grad, so DWD-Mann Herold. Für Ausflüge mit Wandern oder Spazierengehen genügt das allemal.

Und kommt das auch wirklich so?

Das können Meteorologen nicht mit Sicherheit sagen. Das Wetter für Ostern stehe durchaus noch auf der Kippe, heißt es vom Deutschen Wetterdienst. Eine Kaltfront sei im Anmarsch. Kommt diese zu uns, dann seien die Aussichten ab Samstag deutlich weniger sonnig, es könne mehr regnen und kühler werden.

Wie weit können Meteorologen überhaupt mit Sicherheit vorausschauen?

Sicher ist, dass es keine hundertprozentig sichere Vorhersage gibt. Das räumen Wetterforscher wie Dominik Jung ein. Diese hänge von vielen Faktoren ab und müsse immer wieder neu berechnet werden, erklärt er. Für 24 Stunden im Voraus hätten die Vorhersagen eine Trefferquote von 97 Prozent, sagt er für sein Portal. Für drei Tage seien es 90, für fünf Tage 80 bis 85 Prozent. Am zehnten Tag seien es noch gut 50 Prozent, hat Jung bereits öffentlich erklärt - ein Wert nur knapp über dem Zufall. Nur in einigen Wetterlagen, etwa einem stabilen Hochdruckgebiet, sei der Blick auf zehn Tage gut möglich. Langzeiteinschätzungen - etwa wie der Sommer wird - sind daher unter Meteorologen umstritten.

Vorhersage dank Mathe und Physik

Wer die Wetterversagen übers Internet verfolgt, der kennt dieses Phänomen: Vor wenigen Stunden sah es für das nächste Wochenende noch gut aus, nun werden Wind und Regen angekündigt.

„Bis zu viermal am Tag aktualisieren wir unsere Vorhersagen“, erklärt Dominik Jung vom Portal wetter.net im Gespräch mit unserer Zeitung. Häufig ändert sich dann etwas - entweder schon für die nächsten Stunden oder erst für die kommenden Tage. Das hängt davon ab, welche Daten gerade bei den Meteorologen zur Auswertung einlaufen. „Am Anfang einer Vorhersage steht immer der aktuelle Zustand“, sagt Jung.

Dafür werten die Meteorologen unter anderem Satellitenbilder aus oder greifen auf die Daten von Messstationen zurück. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat beispielsweise ein Netz von 180 hauptamtlich und 1800 ehrenamtlich betreuten Stationen, die Werte wie Windgeschwindigkeit, Luftdruck, Niederschlag und Temperatur melden.

Wie aus solchen Daten einer Vorhersage wird, dafür gibt es dann allerdings unterschiedliche Rechenmodelle. Das erklärt auch, dass die Vorhersagen diverser Wetterdienstleister durchaus etwas auseinanderliegen können.

„Wir nutzen das amerikanische Modell“, erläutert Jung zum Beispiel für sein Portal. Ganz vereinfacht gesagt, werde der Globus dafür mit einem gedachten Gitternetz überzogen. Für Punkte, an denen sich Längs- und Querlinien treffen, würden dann auf Grundlage der dort vorliegenden Wetterdaten Prognosen errechnet. „Dahinter stehen mathematische Gleichungen und Physik“, betont Jung.

Dominik Jung (38) ist Diplom-Meteorologe beim Internet-Portal wetter.net mit Sitz in Wiesbaden. Er ist ledig und wohnt in der Region Mainz.

Rubriklistenbild: © dpa

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