Nichts wie raus!

Der Spätsommer gibt ein kurzes Gastspiel

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Der Spätsommer gibt ein kurzes Gastspiel.

München - Kurz bevor offiziell der Herbst beginnt, wird's doch noch einmal sommerlich warm und sonnig. Der Spätsommer lässt sich kurz blicken. Doch schon bald zieht wieder Regen auf.

Eine Woche vor dem kalendarischen Herbstanfang kommt der Sommer nach Deutschland zurück. Meteorologen erwarten Temperaturen von bis zu 25 Grad. Am Dienstag und Mittwoch scheine in weiten Teilen des Landes die Sonne, sagte der DWD-Meteorologe Helge Tuschy in Offenbach.

Viel Zeit zum Eisessen oder Sonnenbaden bleibt jedoch in diesen Tagen nicht - denn schon am Donnerstag kann es laut DWD im Westen und Südwesten Schauer und Gewitter geben, am Freitag dann fast überall. Am Wochenende ist stärkerer Regen möglich und es kühlt allmählich ab. Doch auch danach könnte es nochmal mild werden.

Wetter-Weisheiten: Welche Sprüche wirklich stimmen

Wetter Bauernregeln
Ist der Januar feucht und lau, wird das Frühjahr trocken und rau. Falsch! Es gibt keinen gesicherten Zusammenhang zwischen einem feuchten Januar und einem trockenen Frühjahr – die Wahrscheinlichkeit liegt gerade mal bei 50 Prozent. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß. Stimmt! Allerdings ist dieser Zusammenhang nur sehr schwach. Für den kommenden Sommer hieße das trotzdem: viel Sonne und tropische Temperaturen, denn heuer war’s im Januar weiß und kalt. © dpa
Wetter Bauernregeln
Friert es auf Vigilius (31.1.), im Märzen Kälte kommen muss. Volltreffer! Liegen die Temperaturen Ende Januar unter dem Gefrierpunkt, ist es oft auch im März bitterkalt. Heuer gab‘s in München an diesem Tag keinen Frost, der März könnte also mild ausfallen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist der Februar sehr warm, friert man Ostern bis in den Darm. Quatsch! Auch wenn die Wortwahl das Wetter nun sehr anschaulich beschreibt: An dieser Bauernregel ist nix dran. © dpa
Wetter Bauernregeln
Scheint an Lichtmess (2.2.) die Sonne heiß, kommt noch sehr viel Schnee und Eis. Richtig! Scheint die Sonne Anfang Februar häufiger als normal, ist es mit einer Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent im Februar und März frostig und kalt. Das liegt an der sogenannten Erhaltungsneigung des Wetters: Bringt ein Hochdruckgebiet Anfang Februar viel Sonne, bleibt das Wetter oft gleich über mehrere Wochen schön. © dpa
Wetter Bauernregeln
Felix und Petrus (21./22.2.) zeigen an, was wir 40 Tage für Wetter han. Richtig! In ganz Deutschland stimmt diese Regel in zwei Drittel aller Fälle. Regnet es an diesen Tagen nicht, bleiben auch die kommenden Wochen trocken – gleicher Zusammenhang gilt für die Temperaturen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Im Februar Schnee und Eis, macht den Sommer lang und heiß. Schön wär’s! Auf einen kalten Februar folgt nicht zwangsläufig ein schöner Sommer – die Wahrscheinlichkeit liegt gerade einmal bei 50 Prozent. Schade eigentlich… © dpa
Wetter Bauernregeln
Im März viel Schnee und Regen bringt wenig Sommersegen. Blödsinn! Untersuchungen zeigen keinen Zusammenhang. Man darf also auch nach einem verschneiten März auf einen Super-Sommer hoffen! © dpa
Wetter Bauernregeln
Wenn es Kunigunden (3.3.) friert, sie’s noch 40 Nächte spürt. Stimmt nur tendenziell! In Süddeutschland trifft diese Regel mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent zu. © dpa
Wetter Bauernregeln
Friert es auf Gertrude (17.3.), der Winter 40 Tage nicht ruht. Stimmt überwiegend! Ist es Mitte März unterdurchschnittlich kalt, bleibt die zweite Märzhälfte zumindest mit einer Wahrscheinlichkeit von um die 60 Prozent kalt. © dpa
Wetter Bauernregeln
Wie das Wetter zu Frühlingsanfang (21.3.), ist es den ganzen Sommer lang. Stimmt! Entscheidend sind die Tage um diesen Stichtag. Wahr ist, dass es bei wenig Regen in diesen Tagen in sechs von zehn Sommern niederschlagsarm bleibt. Ist es hier zu warm und sonnig, bleiben Juni und Juli zu fast 70 Prozent schön. © dpa
Wetter Bauernregeln
Hält St. Ruprecht (28.3.) den Himmel rein, so wird es auch im Juli sein. Stimmt! Scheint dann die Sonne, ist der Juli mit über 72 Prozent Wahrscheinlichkeit sonniger als normal. Schlechtes Wetter um den 28.3. bringt mit 60-prozentiger Sicherheit auch einen trüben Juli. © dpa
Wetter Bauernregeln
Gibt’s im April mehr Regen als Sonnenschein, wird warm und trocken der Juni sein. Stimmt überwiegend nicht! Lediglich im Osten der Republik trifft die Regel in sechs von zehn Jahren zu. Prinzipiell ist aber kaum ein Zusammenhang zwischen April- und Juniwetter nachgewiesen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Wenn’s viel regnet am Amantiustag (8.4.), ein dürrer Sommer folgen mag. Stimmt nur für den Süden! Hier liegt die Wahrscheinlichkeit für einen trockenen Sommer sogar zwischen 70 und 80 Prozent, wenn es Anfang April mindestens doppelt so viel geregnet hat wie üblich. © dpa
Wetter Bauernregeln
Auf einen nassen Mai folgt ein trockener Juni. Stimmt nur für den Süden! Im Großteil Deutschlands folgen auf einen nassen Mai genauso oft feuchte wie trockene Monate, in Ostdeutschland stimmt sogar das Gegenteil. © dpa
Wetter Bauernregeln
Das Wetter am Siebenschläfertag (27.6.), sieben Wochen bleiben mag. Stimmt! Diese bekannte Regel trifft vor allem dann zu, wenn man als Datum den 7. Juli hernimmt – das ist nämlich nach der Kalenderreform der wahre Siebenschläfertag. Am meisten trifft die Regel für uns im Süden zu. Dieser Tag ist übrigens der Gedenktag für die Sieben Schläfer von Ephesus und Lostag für Bauernregeln und hat nichts mit dem Nagetier zu tun. © dpa
Wetter Bauernregeln
Gießt’s an St. Gallus (16.10.) wie ein Fass, wird der nächste Sommer nass. Stimmt nicht! Hier besteht kein nachweisbarer Zusammenhang. Wieder einmal trifft die Bauernregel am ehesten für den Süden Deutschlands zu. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist’s an Weihnachten kalt, ist kurz der Winter, das Frühjahr kommt bald. Stimmt! Durchschnittlich folgt in fast sieben von zehn Fällen auf ein kaltes Fest ein zu warmer Februar. Heuer an Weihnachten war’s in München mit Temperaturen knapp über null Grad relativ mild, der Frühling lässt noch auf sich warten. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist’s an Weihnachten kalt, ist kurz der Winter, das Frühjahr kommt bald. Stimmt! Durchschnittlich folgt in fast sieben von zehn Fällen auf ein kaltes Fest ein zu warmer Februar. Heuer an Weihnachten war’s in München mit Temperaturen knapp über null Grad relativ mild, der Frühling lässt noch auf sich warten. © dpa

Schluss mit milden Temperaturen ist den Experten zufolge aber auch nach dem Gastauftritt des Spätsommers noch nicht. „Danach gibt es immer noch die Möglichkeit, dass sich ein Hoch aufbaut und die Temperaturen steigen“, sagte Meteorologe Tuschy.

Ein Kälteeinbruch oder Bodenfrost sei noch nicht in Sicht. Selbst in den Bergen ist das kaum anders: Die Schneefallgrenze liegt zurzeit bei rund 3000 Metern. Auf Deutschlands höchstem Berg Zugspitze beispielsweise brauchen Besucher bei plus drei bis vier Grad noch keine allzu dicke Jacke oder Pudelmütze.

Extreme Wetterereignisse nehmen zu

Insgesamt war der Sommer ungewöhnlich: Vor allem der Juli fiel aus dem Rahmen, wie Experten am Montag in Berlin berichteten. Sie rechnen künftig in Deutschland mit mehr extremen Wetterereignissen wie Starkregen. Außerdem könnten diese Ereignisse noch heftiger ausfallen als bisher, sagte der Vize-Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Paul Becker.

Der Juli „war nicht nur sehr warm, es wurde auch viel Niederschlag beobachtet“, sagte Becker. Es handle sich allerdings nicht um ein flächendeckendes Phänomen, vielmehr seien Regionen punktuell betroffen gewesen: Überflutungen gab es etwa in Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. Zu Hitzeschäden kam es in Brandenburg.

Die gefährliche Wetterlage schlug sich auch in Unwetterwarnungen nieder: An 43 von 92 Tagen des meteorologischen Sommers (also die Monate Juni, Juli, August) warnte der DWD vor starken Gewittern, Niederschlägen und Sturmböen. Das sei eine Menge, betonte Becker. Der August fiel deutlich zu kalt aus.

Das "Tief Mitteleuropa"

Die hohen Niederschlagsmengen sieht der DWD-Experte in Zusammenhang mit einer Wetterlage, die man seit 1950 in Deutschland immer häufiger beobachtet: dem „Tief Mitteleuropa“. Es bringt schwülwarme Luft aus dem Mittelmeer-Raum nach Deutschland. Im Sommer führt es zu Gewittern, im Winter zu Schneeschmelzen.

Anfang Juli etwa brachte das Tief an einzelnen Tagen extreme Niederschläge in einem breiten Band quer über Deutschland. Im vergangenen Jahr war das Tief an mehreren Tagen hintereinander aufgetreten - vielerorts traten Flüsse über die Ufer. In diesem Jahr blieben Hochwasser hingegen weitgehend aus. „2014 traten vor allem kurze und kleinräumige Niederschläge auf, während es 2013 großflächige und oft mehrtägige Regenphasen gab“, erläuterte Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Nach DWD-Prognosen wird das „Tief Mitteleuropa“ das Wetter in Deutschland bis zum Ende des 21. Jahrhunderts an immer mehr Tagen beeinflussen. Die Ursachen für die Zunahme des Phänomens sind noch nicht genau geklärt. Unter anderem könnte das globale Starkwindband, der sogenannte Jetstream, eine Rolle spielen. Inwiefern der Klimawandel sich diesen Sommer gezeigt hat, lasse sich nicht beurteilen: Ein einzelner Sommer sei wenig aussagekräftig.

dpa

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