Spektakuläre Raubserie in NRW

Laster auf Autobahnen bei voller Fahrt geentert

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Die spektakuläre Raubserie auf Autobahnen beschäftigt die Polizei in Nordrhein-Westfalen.

Dortmund - In Nordrhein-Westfalen haben sich Diebe darauf spezialisiert, auf der Autobahn fahrende Lastwagen in voller Fahrt auszurauben. Nun haben Ermittler nähere Erkenntnisse.

Neue Erkenntnisse zur spektakulären Raubserie, bei der die Täter Lastwagen auf der Autobahn bei voller Fahrt entern: Die Ermittler in Nordrhein-Westfalen suchten nach mindestens vier Räubern, sagte der Dortmunder Staatsanwalt Henner Kruse am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Eine konkrete Spur zu Verdächtigen gebe es aber noch nicht,

Es geht um etwa 50 Fälle in NRW: Die Unbekannten haben sich darauf spezialisiert, bei hoher Geschwindigkeit mitten auf der Autobahn die Ladefläche von Lastwagen zu entern, um dort Beute zu machen. "So weit ich weiß, ist das ein NRW-Problem", sagte Kruse. Ihm seien keine Fälle aus anderen Bundesländern bekannt.

Wie das in Bielefeld erscheinende "Westfalen-Blatt" (Samstag) berichtete, beläuft sich der Schaden der seit November bekanntgewordenen Fälle auf mehr als 250 000 Euro. Die halsbrecherischen Beutezüge finden nachts statt. Betroffen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft insbesondere zwei international agierende Paketdienste. Ob die Täter über Insiderwissen verfügten, sei zurzeit unklar, sagte Kruse.

Deutsche Autobahn: Rekorde und Mythen

REKORDE: Als älteste deutsche Autobahn gilt die Berliner Avus (Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße), erbaut zwischen 1913 und 1921. Die nur knapp 10 Kilometer lange Strecke zwischen den heutigen Ortsteilen Halensee und Nikolassee gilt damals als die weltweit schnellste Rennstrecke für Automobile. Mit ihrer geringen Länge ist sie aber eher ein Autobahn-Prototyp. © dpa
Die erste „echte“ gibt es in Deutschland seit dem 6. August 1932 zwischen Köln und Bonn, damals mit dem hübschen Namen „Nurautomobilstraße“, heute A555. Die erste Autobahn in Europa war sie aber nicht. Die bauten die Italiener 1924 von Mailand Richtung Varese (Ligurien) - schon damals mit Maut. © dpa/Wolfgang Weihs
Blick auf die erste Autobahnanschlussstelle Europas in Wesseling vor der Eröffnung (Archivfoto von 1932). © dpa
Das Archivbild des Landschaftsverbandes Rheinland zeigt die Feier zur Eröffnung von Europas erster Autobahn in Köln im August 1932. In den Bau der jetzigen A 555, die Köln und Bonn verbindet, wurden während der dreijährigen Bauarbeiten 8,6 Millionen Reichsmark investiert. © dpa
HITLERS AUTOBAHNEN: Historiker haben belegt, dass am Autobahnmythos der Nationalsozialisten („Straßen des Führers“) kaum etwas dran ist. Die vermeintliche Tatsache, dass Hitler die erste deutsche Autobahn erbaut habe, ist eine NS-Propagandalüge. Denn das war 1932 Konrad Adenauer, damaliger Oberbürgermeister von Köln. Mit den Worten „Jeben Se Jas“eröffnete Adenauer die erste Autobahn. © dpa
Zwar wurden zwischen 1933 und 1942 rund 3860 Kilometer Autobahnen medienwirksam eröffnet. Die Planungen stammten aber bereits aus den 1920er Jahren. Die Nazis hätten es auch nicht geschafft, die versprochenen 600 000 Arbeitsplätze im Autobahnbau zu schaffen, schreiben Forscher. Mehr als 250 000 Menschen seien zu keinem Zeitpunkt beschäftigt gewesen.  © dpa
LÄNGE: Unter den nationalen Autobahnen hält Australien den Weltrekord. Rund 14.500 Kilometer misst der „National Highway“, der den gesamten Kontinent umrundet. © dpa
Deutschland als Transitland punktet dagegen mit einem dichten Netz vieler Autobahnen, das heute rund 12 845 Kilometer umfasst. Obwohl Autobahnen damit nur einen Anteil von sechs Prozent an allen Fernstraßen haben, rollt über sie fast ein Drittel des Gesamtverkehrs. Zwischen 2001 und 2011 wurden in Deutschland noch einmal rund 1000 Kilometer Autobahnen für mehr als 12 Milliarden Euro neu gebaut. © dpa
KULTURGUT AUTOBAHN: Ein heiteres Denkmal setzte die Düsseldorfer Elektronik-Band „Kraftwerk“ den Autobahnen 1974. Auf dem Album „Autobahn“ machte der Titelsong Furore - gekürzt sogar bis in die US-Hitparade. Der Refrain „Wir fahr'n fahr'n fahr'n auf der Autobahn“ hatte nicht nur Blödel-Potenzial. Er drückte auch das aus, was sich bei langen Autobahnfahrten einstellen kann: Langeweile und Monotonie. © dpa

Drei Fahrzeuge an den Taten beteiligt

Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang sagte dem "Westfalen-Blatt", die Zahl der Verdächtigen könne sich erhöhen. Es sei möglich, dass es sich um mehrere Banden handele, die für das sogenannte Truck Robbery (Raub aus Lastwagen) infrage kämen.

Inzwischen gebe es nähere Erkenntnisse zur Vorgehensweise der Täter: Demnach sind sie bei ihren Raubzügen mit drei Fahrzeugen unterwegs. Ein Auto setzt sich vor den Lastwagen und bremst ihn aus. Ein zweites Fahrzeug fährt dicht hinter den Laster. Einer der Täter steigt bei voller Fahrt durch ein Schiebedach auf die Motorhaube und flext dann Türen oder Rolltor des Lastwagens auf. Der Dieb klettert dann auf die Ladefläche und wirft die Beute dem Komplizen im Auto zu. Ein drittes Täterfahrzeug sichert den Angaben zufolge die nur wenige Minuten dauernde Aktion ab.

Schon vor Jahren hatte die Dortmunder Polizei eine sechsköpfige Bande dingfest gemacht, die sich auf diese Weise über Lkw-Ladungen hermachte: Im Juni 2008 hatten die Beamten mit eigenen Augen beobachtet, wie die Ganoven im Dunkeln von hinten an einen Lastwagen heranfuhren und einer von ihnen über die Motorhaube des eigenen Autos dessen Ladetür erreichen konnte.

dpa

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