Spendenbilanz: Deutsche nach Beben großzügig

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Berlin - Die Deutschen haben im vergangenen Jahr vor allem wegen des Erdbebens in Haiti wieder deutlich mehr gespendet. Bei anderen Anlässen waren die Deutschen weniger großzügig.

Das private Spendenaufkommen stieg im Vergleich zu 2009 um 185 Millionen Euro oder 8,8 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro, wie der Deutsche Spendenrat am Freitag in Berlin mitteilte. Das Beben in Haiti im Januar 2010 führte demnach im ersten Halbjahr zu einem Plus von 19,1 Prozent (162 Millionen Euro). 2009 war noch ein Spendenrückgang von drei Prozent verzeichnet worden, 2008 ein Zuwachs von 3,9 Prozent.

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Eine vergleichsweise geringere Spendenbereitschaft für die Überschwemmungsopfer in Pakistan und ein deutlich schwächeres Weihnachtsgeschäft verhinderten jedoch einen zweistelligen Zuwachs in der Jahresbilanz, wie Roland Adler vom Marktforschungsunternehmen GfK Panel Services Deutschland sagte. Die zusätzlichen Spenden kamen laut seiner Studie vor allem der Not- und Katastrophenhilfe zugute. Ihr Anteil am Spendenaufkommen stieg um rund ein Drittel auf 26,6 Prozent.

Besonders stark schrumpfte der Anteil der Spenden für Kirchen oder Religion von 32,7 auf 27,4 Prozent. Dazu hätten möglicherweise die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche beigetragen, sagte Adler.

Mehr neue Spender

Auch in Folge der Naturkatastrophen stieg der Anteil der Neuspender der Erhebung zufolge um knapp neun Prozentpunkte auf 32 Prozent. Ihre Gruppe war deutlich jünger als die sogenannten Altspender, die auch 2009 gespendet hatten. Gemessen an der Gesamtbevölkerung verbesserte sich der Anteil der Spender laut der Studie aber lediglich um einen Punkt auf 21 Prozent. 2005 hatte die Quote noch bei 26,5 Prozent gelegen. Die durchschnittliche Höhe einer Spende belief sich im vergangenen Jahr auf rund 28 Euro, knapp ein Euro mehr als 2009.

Die Geschäftsführerin des Spendenrats, Daniela Felser, sprach angesichts der Bilanz von “Licht und Schatten“. Besonders bedenklich sei der stete Rückgang der Spenden im Dezember. Sie waren 2009 und 2010 um jeweils rund 50 Millionen Euro oder elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Hilfsorganisation könnten durch den Einbruch in ihrem wichtigsten Spendenmonat Probleme bekommen, laufende Projekte zu finanzieren, sagte Adler. Die Organisationen sollten ihre Spendenaufrufe über das Jahr verteilen und nicht länger auf die Vorweihnachtszeit konzentrieren.

Fernsehen wird wichtiger

Am wirkungsvollsten erwiesen sich auch 2010 adressierte Werbebriefe, die erneut rund 28 Prozent der Spenden nach sich zogen. An Bedeutung gewannen der Studie zufolge Beiträge beziehungsweise Werbung im Fernsehen (1,2 auf 3,9 Prozent) sowie Spendengalas (1,2 auf 3,2 Prozent).

Für die Studie “Bilanz des Helfens“ waren monatlich rund 10.000 Menschen über zehn Jahre befragt worden. Nicht berücksichtigt wurden Spenden an politische Organisationen oder Unternehmensspenden.

Die Auswirkungen des Erdbebens und der Atomkatastrophe in Japan auf die Bilanz 2011 lassen sich laut Felser derzeit noch nicht abschätzen. Die Mitglieder des Spendenrats hätten zunächst Zurückhaltung bei den Spenden registriert. Mittlerweile habe sich die Spendenereitschaft aber verstärkt.

AP

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