Sprechstunde: Tierärztin Bettina Mangold über Kastrationsfolgen und Inkontinenz

Fragen, Probleme, Geschichten rund ums Tier: Bei Tierärztin Bettina Mangold melden sich inzwischen viele Tierfreunde und -halter und hoffen auf Antworten unserer Expertin. .

Dorothee Schanze aus Melsungen wollte zum Beispiel wissen: „Wie groß sind die Belastungen für eine Hündin bei und nach einer Kastration?“

Die Tierärztin: Eine läufige Hündin kann für ihre Besitzer anstrengend werden: Die Rüden in der Nachbarschaft werden verrückt, ein Spaziergang wird zum Abenteuer. Wer sich bei der Anschaffung eines Hundes für ein weibliches Tier entscheidet, wird sich vielleicht mit der Frage der Kastration auseinandersetzen, falls er mit der Hündin nicht züchten möchte.

Bei der Kastration der Hündin wird unter Narkose durch einen Bauchschnitt die Gebärmutter mit Eierstöcken entfernt. Bei gesunden Tieren ist das damit verbundene Risiko sehr gering. Ist der Hund besonders ängstlich, kann ein Beruhigungsmittel vor der eigentlichen Narkose gegeben werden, beispielsweise in Form einer Paste. Unmittelbar nach der Operation braucht die Hündin Ruhe und Wärme, nach zehn Tagen können die Hautfäden gezogen werden. Bei der relativ langen Naht in der Mitte des Bauches ist ein fester Faden sicherer und hygienischer, als ein Faden, der sich selbst auflöst. Außerdem sollte die Hündin zur Wundkontrolle dem Tierarzt noch einmal vorgestellt werden.

Die Vorteile der Kastration sind die Vermeidung der Läufigkeit, der Trächtigkeit und der Scheinträchtigkeit. Außerdem können mit der Kastration Krankheiten vorgebeugt werden, wie die häufig auftretende Gebärmuttervereiterung. Ein entscheidender Vorteil ist die deutliche Verminderung des Auftretens von Gesäugetumoren, vorausgesetzt, die Hündin wird vor der zweiten Läufigkeit kastriert.

Eine der unangenehmsten Nebenwirkungen der Kastration ist die Harninkontinenz, der unkontrollierte Harnverlust. Bei der Frühkastration tritt die Harninkontinenz seltener auf, große Hunderassen sind davon häufiger betroffen als kleine Rassen. Die Harninkontinenz lässt sich mit Medikamenten gut behandeln.

Durch die Hormonveränderung infolge der Kastration kann das Fell stumpfer oder wolliger werden.

„Welche Möglichkeiten zur Vermeidung der Läufigkeit gibt es bei einer neun Jahre alten Hündin?“, wollte U. Werner aus Vellmar wissen.

Die Tierärztin: Neben der Kastration gibt es auch die hormonelle Unterdrückung der Läufigkeit, bei der Gestagene alle drei bis fünf Monate gespritzt werden. Die Hormone sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden, da das Risiko der Nebenwirkungen wie Gebärmuttervereiterungen, Diabetes und die Begünstigung von Gesäugetumoren mit der Dauer der Behandlung zunimmt. Da mit zunehmendem Alter auch die Wahrscheinlichkeit einer Gebärmuttervereiterung steigt, wäre eine Kastration der Hormonbehandlung bei einer älteren Hündin vorzuziehen. Ist die Hündin gesund, kann sie auch mit neun Jahren noch kastriert werden. Außerdem kann eine kastrierte Hündin keine Gebärmuttervereiterung bekommen, an der ein Viertel der weiblichen Hunde bis zehn Jahren erkrankt.

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