Sprossenhof bleibt im Visier - Aktuelle Entwicklungen um Ehec

Berlin. Auch einen Monat nach dem Ehec-Ausbruch keine Entwarnung: Die Zahl der Todesfälle, die in Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim stehen, stieg auf 25. Das sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Mittwoch in Berlin nach einem Spitzentreffen von Länder- und Bundesministerien.

Zwar sei die Anzahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen rückläufig gewesen. Warnungen vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten, Salat und Sprossen müssten aber aufrechterhalten werden.

Nach der Quelle der Ehec-Keime wird weiter fieberhaft gefahndet. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) dämpfte im Bundestag aber Hoffnungen: In 75 bis 80 Prozent aller Ehec-Fälle werde der Auslöser nicht gefunden. Gleichwohl - so Aigner - seien Erkrankungswellen an acht Orten in Deutschland identifiziert worden, die bis zu dem jetzt gesperrten Sprossen-Betrieb im niedersächsischen Kreis Uelzen zurückgingen.

Mitarbeiter des Betriebs sollen im Mai vermutlich an dem Darmkeim erkrankt gewesen sein. Der Hof hatte meist über Zwischenhändler Sprossen an Restaurants, Hotels und Kantinen geliefert, deren Gäste teils dutzendfach an Ehec erkrankten. In Sprossen-Proben fanden sich aber bisher keine Erreger.

Ein Bakterium der mutierten Form, die in Norddeutschland grassiert und die schweren Ehec-Erkrankungen auslösen kann, wurde unterdessen in einer Abfalltonne in Magdeburg nachgewiesen - auf einem Gurkenrest. Die Tonne gehört einer Familie, die an Ehec erkrankt ist.

Mediziner der Unikliniken Greifswald und Bonn haben Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei Patienten mit dem HU-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, teilten die Kliniken mit. Die Autoantikörper erhöhten einen Gerinnungsfaktor, was die Durchblutung von Gehirnregionen und der Nebennieren einschränke.

Europas Gemüsebauern, die ihre Ernte nicht mehr loswerden, will die EU-Kommission mit 210 Mio. Euro entschädigen - falls die EU-Staaten dem Vorschlag zustimmen. Und Kliniken mit vielen Ehec-Patienten können laut Gesundheitsminister Bahr zusätzliche Vergütungen beantragen. Kein Trost für Joachim Berger, den Wirt des Lübecker Lokals, das als möglicher Ehec-Infektionsort in die Schlagzeilen geraten ist. „Mein Sohn ist im Supermarkt mit Tomaten beworfen worden“, sagt Berger, Drohanrufe habe er auch erhalten. Das Geschäft normalisiere sich langsam wieder. „Statt frischer Salate servieren wir jetzt natürlich nur Dosenware.“

Hintergrund: Warnung vor Selbstverarztung

Die Adlerapotheke in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) warnt davor, sich bei Durchfällen, die mit Fieber und/oder blutigem Stuhl einhergehen, mit Loperamid-haltigen Arzneimitteln aus der Hausapotheke (Imodium und andere) selbst zu verarzten. Diese Mittel stoppten nur die Darmbewegung, warnt die Apotheke. Sie verhinderten nicht, dass gefährliche Erreger wie Ehec sich vermehren, die Darmwand schädigen und die gefürchteten Toxine verstärkt ins Blut abgeben. (wrk)

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