Zwölfjährige starb im Krankenhaus

Sprungturm Hoherodskopf: Tödlicher Sturz und viele Fragen

Abwärts: Springer vor der Neun-Meter-Plattform des Sprungturms am Hoherodskopf. Archivfoto: dpa

Schotten. Seit Donnerstag könnte es um fahrlässige Tötung gehen: Wochen nach ihrem Sturz von einem Freizeit-Sprungturm im Vogelsberg ist eine Zwölfjährige aus dem Kreis Fulda am 1. Oktober im Krankenhaus gestorben.

Das gut neun Meter hohe Stahlrohrgerüst mit vorgelegtem Sprungkissen sollte als Sommerferien-Attraktion auf dem Hoherodskopf ganz Mutige locken: „Spring in dein Abenteuer“, zu je 9,90 Euro für zwei Flüge für Kinder ab 12 und Erwachsene aus neun Metern Höhe, und 4,90 Euro für Kinder ab acht aus sechs Metern.

Nach Trainingssprüngen von der Sechs-Meter-Plattform hatte die Zwölfjährige aus neun Metern das Luftkissen am Fuß des Turmes verfehlt. Möglicherweise, weil es in letzter Sekunde vor dem Sprung noch versucht hatte, das Geländer zu greifen, driftete das Kind nach links ab. Es traf auf die Kissenumrandung, eine dicke Luftwulst, und auf einen Bauzaun. Dann wurde das Mädchen laut Polizei wieder hochkatapultiert und prallte auf einen Parkplatz.

Bislang gehen die Ermittler von einem Unfall aus. Die Staatsanwaltschaft Gießen lässt das tote Kind nun allerdings obduzieren, um die genaue Todesursache zu klären. Und anschließend Fragen wie diese: Wurde die Anlage ordnungsgemäß aufgebaut? Finden sich Mängel, die ursächlich für den Tod des Kindes sein könnten? Das versuche man für die strafrechtlichen Ermittlungen zu erfahren, sagte Staatsanwältin Julia Bussmeier unserer Zeitung - auch mithilfe von Gutachten.

Baurechtlich brauchte der Sprungturm keine Genehmigung, hieß es vom Vogelsbergkreis - die wäre erst ab zehn Meter Höhe nötig. Mit welchen Vorgaben und Auflagen werden solche Türme aber überhaupt freigegeben und in die Gegend gestellt? Das fragten wir die bayerische Event-Agentur, die die Anlage für den österreichischen Erfinder („Spezialisiert auf extreme Sport-Events”) in Deutschland vertreibt. Außerdem: Wer und was war wie versichert? Die Agentur antwortete, man bedauere den Unfall zutiefst, wünsche dem Kind „schnelle Genesung“ und sage sonst - wegen der Ermittlungen - nichts weiter. Die Betreiber der Seite „Erlebnisberg Hoherodskopf“, die den Sprungspaß bis ins Fernsehen bewarben, reagierten gar nicht.

Ganz anders ein Fachmann in Sachen Sportstättensicherheit aus Mittelhessen, der sich nach einem Ortstermin am Unfallort bei unserer Zeitung meldete: Er fragt unter anderem nach Sicherheitsabständen, Bodenprallschutz, Fangnetzen, fragt auch, was Felsbrocken, Bäume, ein Bauzaun und das Turmgerüst selbst direkt neben dem Sprungkissen zu suchen hatten.

Video vor dem Unfall

Video nach dem Unfall

Hintergrund

TÜV-Siegel - und was es bedeutet 

Der Sprunganlagen-Typ, wie er auf dem Hoherodskopf stand, wird mit Sicherheitssiegeln des TÜV Süd beworben. Was besagen die genau?

• Man habe verschiedene Aufbauvarianten auf sicherheitsrelevante Abstände und Absperrungen geprüft, hieß es vom TÜV Süd. Beim Überstand der Absprungplattform habe der TÜV sich „an der europäischen Norm EN 13451-10 und EN 13451-11 orientiert, die für Sprunganlagen in Schwimmbädern gilt“. Auch seitliche Absprünge seien berücksichtigt. Aber: „Wir können nicht beurteilen, inwieweit der Aufbau am Hoherodskopf einer geprüften Aufstellungsvarianten entsprochen hat.“

• Kommunale Versicherer fordern fürs Fünf-Meter-Brett im Schwimmbad horizontal je 2,50 Meter Hindernisfreiheit vom Absprung nach hinten und zu den Seiten.

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