Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel: 15 Maskenbildner sorgen für Make-up und Frisuren

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Fragt man Schauspieler nach der Faszination ihres Berufs, antworten sie meist: Es ist aufregend, in andere Rollen zu schlüpfen. Auch äußerlich müssen sich die Darsteller für so manche Partie verwandeln. Und das ist oft aufwendiger, als es die Zuschauer vermuten.

Am Staatstheater Kassel sorgen 15 Maskenbildner dafür, dass Make-up und Frisuren für jede Vorstellung perfekt sitzen. Bernhard Modes hat dunkles, volles Haar. Aber zweimal pro Woche sieht der Sänger im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön alt aus. Immer dann, wenn er in der Operette „Die lustige Witwe“ auf der Bühne des Kasseler Staatstheaters steht. Dann tauscht er sein adrettes Äußeres gegen das eines älteren Herrn.

40 Minuten dauert die erstaunliche Verwandlung, bei der Modes nicht nur aufgemalte Falten, sondern auch eine unattraktive Glatze bekommt. Der Zeitplan ist straff. Denn immerhin müssen für eine Vorstellung 24 Frauen und 32 Männer geschminkt werden.

Für die zehn Maskenbildner, die an diesem Abend im Einsatz sind, bedeutet das: Schminken und Perücken kleben im Akkord. Jede Minute Verzögerung bringt den reibungslosen Ablauf in Gefahr. Eine, die jede einzelne Perücke, jedes Make-up und jedes Kostüm des Bühnenstücks genau kennt, ist Helga Hurler. Seit zehn Jahren ist sie die Chefmaskenbildnerin am Staatstheater, hat seitdem unzählige Produktionen betreut. Dabei ist vor allem ihr Organisationstalent gefragt.

Sie teilt ihr Team ein, entwickelt für alle Stücke exakte Schminkpläne und achtet darauf, dass auf der Bühne jedes Make-up einheitlich aussieht. „Mein Hauptjob ist es, sämtliche Fehlerquellen auszuschließen“, sagt sie.

Stil der Sechzigerjahre: Maskenbildnerin Karin Edel-Ranft schminkt Sängerin Maren Engelhardt.

Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn ist von Bernhard Modes eigentlicher Haarpracht nichts mehr zu sehen. Maskenbildnerin Katja Munzig hat ihm eine Glatze aus Kunststoff über den Kopf gezogen und mit Spezialkleber fixiert. Der Sänger zeigt sich unbeeindruckt von seinem Spiegelbild. „Ich bin glatzenerfahren“, sagt er und lacht. Schon für andere Rollen habe er sich von seinen Haaren verabschieden müssen. Aber dennoch: „Das hier ist die bislang größte Veränderung.“

In einem anderen Raum wird zur gleichen Zeit Sängerin Maren Engelhardt für die Rolle der Valencienne zurechtgemacht. Über ihrem blonden Haar trägt sie eine halblange Perücke im Stil der Sechzigerjahre, und mit routinierten Pinselstrichen zieht Maskenbildnerin Karin Edel-Ranft die Lippen der Sängerin nach. Lange wird Engelhardt allerdings nicht so aussehen.

Schon nach dem ersten Akt muss in Sekundenschnelle ihre Perücke gewechselt werden. Die Sechzigerjahre-Haare weichen dann einer barock aufgetürmten Frisur mit Diadem. Doch egal, welche Frisuren die Schauspieler tragen: Am Staatstheater wird alles handgemacht. „Ich höre oft die Frage, was wir Maskenbildner eigentlich tagsüber tun“, erzählt Helga Hurler. Ein Besuch in der Maskenwerkstatt gibt die Antwort. Dort werden – für jeden Darsteller passend – Perücken geknüpft, Glatzen aus Kunststoff hergestellt und verschiedene Make-up-Varianten getestet.

Zwischen sechs Wochen und drei Monaten haben Helga Hurler und ihr Team jeweils Zeit, eine Theaterproduktion vorzubereiten und die Vorstellungen der Kostümbildner umzusetzen. Meist dienen Fotos als Vorlage für die Maskenbildner. Und die haben vor den Premieren alle Hände voll zu tun. So dauert es 40 bis 60 Stunden, eine einzelne Perücke herzustellen.

Die Kunst der Verwandlung: Maskenbildner im Staatstheater Kassel

Und wie das erdachte Make-up auf der Bühne wirkt, zeigt sich erst bei einer Beleuchtungsprobe. Dann muss mitunter kurzfristig noch einmal alles geändert werden. Etwa dann, wenn die Schauspieler im grellen Licht zu blass aussehen.

Manchmal stehen die Masken-Profis auch vor echten Herausforderungen. So erinnert sich Helga Hurler an ein surrealistisch anmutendes Stück des Berliner Künstlers Jo Fabian, bei dem den Protagonisten Schläuche aus den Köpfen wachsen sollten. Und auch die Großproduktion „Die Meistersinger von Nürnberg“, bei der über 100 Mitwirkende auf der Bühne standen, habe die Maskenbildner in jeder Hinsicht gefordert.

Nicht nur wegen der großen Personenzahl, sondern auch wegen des aufwendigen Clown-Make-ups. Doch Helga Hurler liebt solche Aufgaben. Menschen verwandeln, experimentieren, kreativ sein: Das sei das Faszinierende an ihrem Job. Produktionen, in denen nur dezentes Make-up gewünscht ist, sind hingegen nicht ihr Fall. „Für Maskenbildner ist es am langweiligsten, wenn nichts zu tun ist.“

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