Die Künstler Silvia und Lutz Freyer 

Dialog zwischen Mensch und Stein: Die Künstler Silvia und Lutz Freyer 

+

Warme Sonnenstrahlen dringen durch die hohen Fenster in den großen Wohnbereich von Silvia und Lutz Freyer. Von dort hat man einen schönen Blick in den weitläufigen Künstlergarten, in dem man an vielen Stellen Skulpturen entdecken kann.

Mitte der 1980er-Jahre, zu Beginn ihres Studiums an der Kasseler Hochschule für bildende Kunst, hat sich das Künstlerpaar kennengelernt. „Wir begannen, Skulpturenprojekte gemeinsam zu entwickeln, was damals ungewöhnlich war. Der Stadtraum interessierte uns als Bildhauer“. Skulpturen entstanden, die sich auf konkrete Orte bezogen: Eine Betonfichte „wartete“ in einer Bushaltestelle, zwei Betonautos „fuhren“ ohne Reifen um die Ecke. Eine Arbeit aus dieser Serie ist noch in der Nähe der Adventskirche zu sehen.

In Joseph Beuys fanden die Freyers einen Künstler, der sie inspirierte. Angetan von seinem Werk der 7000 Eichen (siehe Hintergrund), pflanzten sie Tausende von Sonnenblumen in Kassel. „Es ist unsere Stadt, also bepflanzen wir sie, dachten wir uns damals“, erinnert sich Lutz Freyer. „Als Künstler ging es uns darum, eine Gestaltungsmöglichkeit, die wir in der Gegenwart sehen, auch zu leben.“

Prof. Fritz Schwegler, von der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie, war sehr angetan von dieser Art zu denken und zu arbeiten und nahm das Paar in seine Klasse auf. Dort schlossen sie ihr Studium mit dem Meisterschülerdip-lom ab. Erst als ihre beiden Kinder geboren waren, entschieden sie sich erneut für Kassel zum Leben und Arbeiten. Mutterkorn, der Künstler als Arzt

Innige Beziehung: Während der Arbeit entsteht eine enge Beziehung zwischen Künstlerin und Kunstwerk.

Im documenta-Jahr 2002 waren die beiden Künstler vom Verein Bastion Kunst eingeladen, das Rondell an der Fulda zu bespielen. Das Rondell ist geprägt durch seine rundherum acht Meter dicken Mauern und das Fehlen von direktem Licht. Eine Herausforderung, auf die die Künstler mit der Arbeit: „Mutterkorn, der Künstler als Arzt“, reagieren. Den ehemaligen Fluchttunnel im Innern des Gebäudes schließen die Bildhauer mit einer riesengroßen Wachswand, die hinterleuchtet wird. Auf der „glühenden“ Wachsfläche ist das Wort „Mutterkorn“ zu lesen.

Aktuell arbeiten die Künstler an dem Projekt „Stadtteilmuseum“. Ein Kunstturm, der auf Augenhöhe die Stadtteilbewohner einlädt, etwas von sich zu zeigen. In den eigenen Rhythmus zu kommen, mit den eigenen Händen eine Skulptur zu schaffen, steht auch in den Bildhauerkursen des Künstlerpaares in Italien, in der Eifel, im eigenen Künstlergarten oder im Bergpark im Mittelpunkt. „Unsere Begleitung ermöglicht schöpferisches Arbeiten, den Dialog zwischen Mensch und Stein“, sagt Silvia Freyer. „Die Hände bewegen etwas und gleichzeitig werden die Hände bewegt“, fügt ihr Mann hinzu. „Es ist die eigene Zeit, in die wir kommen und in der wir uns erfüllen, als Künstler, als Menschen.“

Bildhauerkurse

Wer dieses Jahr noch bei den beiden Künstlern bildhauern möchte, hat noch in den hessischen Herbstferien die Gelegenheit, in Italien mitzumachen: www.bildhauerkurse.com

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.