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Stonehenge an der Elbe: Die bronzezeitliche Kultanlage von Pömmelte

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Von: Melanie Göhlich

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Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte
Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte wurde 2016 am Originalplatz rekonstruiert. Wie das englische Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh wurde die Anlage im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung erbaut und war Experten zufolge von hoher spiritueller Bedeutung. © Melanie Göhlich

Stonehenge auf der britischen Insel ist den Meisten ein Begriff – aber was ist mit dem gleich alten und ebenso großen Ringheiligtum Pömmelte in Sachsen-Anhalt?

Bislang ist der Name noch nicht sehr prominent. Dabei ähnelt die jungsteinzeitliche Formation dem sagenumwobenen Steinkreis auf verblüffende Art und Weise.

Es war eine kulturhistorische Sensation, als Forscher kurz nach der Wende 1991 bei Luftbildauswertungen des Ortes Pömmelte – knapp 25 Kilometer von Magdeburg entfernt – die Umrisse einer großen Ringkreisanlage entdeckten. Wissenschaftliche Auswertungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zeigten, dass es sich um eine vorzeitliche Kultstätte handeln musste: das Ringheiligtum Pömmelte, wie der Ort heute genannt wird.

Vergleichbar mit Stonehenge

Ein Kultplatz, der auf einem jahrtausendealten Bauplan basiert. Denn: „Gleich drei unterschiedliche archäologische Kulturen der späten Stein- und frühen Bronzezeit waren an diesem Ort ansässig und haben die Anlage nachweislich über drei Jahrhunderte hinweg rituell genutzt“, erklärt Petra Koch, Museumsleiterin des Salzlandmuseums in Schönebeck, das Originalfunde aus der Anlage präsentiert. Bei der Erforschung der Rituallandschaft an der Elbe wurden inzwischen zwölf solcher Anlagen in Sachsen-Anhalt entdeckt. „Pömmelte stellte sich dabei als die vielversprechendste Grabungsstätte heraus“, so Koch.

Ein sensationeller Fund, der bereits als das New York der Steinzeit bezeichnet wurde.

Petra Koch, Leiterin Salzlandmuseum

Die Kreisgrabenanlage wurde von 2006 bis 2013 von der Uni Halle-Wittenberg in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt wissenschaftlich aufgearbeitet und vom Salzlandkreis von 2013 bis 2016 rekonstruiert. Dabei habe man festgestellt, dass die Pömmelter Anlage „in Aufbau und Größe vergleichbar mit dem weltberühmten Stonehenge in Südengland ist“, erklärt Petra Koch.

Große hölzerne Ahnentafeln auf der Anlage Pömmelte.
Eine Reihe von großen hölzernen Tafeln stellt eine Ahnengalerie dar. © Melanie Göhlich

„Sowohl Pömmelte als auch Stonehenge wurden circa vor 4300 Jahren erschaffen. Bei beiden Anlagen beträgt der Durchmesser 115 Meter und ihre vier Zugänge in die vier Himmelsrichtungen sind nach den sogenannten Mitviertel-Festen zum Beginn der Jahreszeiten ausgerichtet,“ so Koch. „Die beiden Hauptzugänge der Anlage orientieren sich an den Punkten des Sonnenaufgangs und -untergangs der Tage zwischen den Sonnenwenden und den Tagundnachtgleichen.“

Opferplatz mit rituellen Deponierungen

Das Ringheiligtum diente aber nicht nur der Beobachtung des Sonnenlaufs, sondern war auch Opferplatz. Hiervon zeugen Opfergruben und rituelle Deponierungen. In einem Grubenring entdeckte man neben Keramik, Mahlsteinen und Steinbeilen auch Menschenknochen, vor allem von Frauen und Kindern, die auf rituelle Tötungen schließen lassen.

Und noch ein Novum kam seit der Erforschung der Region ans Licht: Die Anlage stand nicht isoliert in der Landschaft – nein, seit Beginn der Grabungen wurden rund um das Ringheiligtum bereits 100 vollständige Hausgrundrisse und ein Hügelgrab aus der Zeit der Schnurkeramiker freigelegt. „Ein sensationeller Fund, der bereits als das ‘New York der Steinzeit’ bezeichnet wurde“, so Koch.

Die ersten Häuser der Siedlung wurden zeitgleich mit dem Ringheiligtum von den steinzeitlichen Menschen der sogenannten Glockenbecherkultur erschaffen – benannt nach den charakteristisch geformten Tongefäßen, die man sowohl in Stonehenge, als auch in Pömmelte fand.

„Die meisten Gebäude jedoch entfallen auf die jüngere frühbronzezeitliche Aunjetitzer-Kultur, wodurch die dauerhafte Besiedelung des Gebietes über mehrere Jahrhunderte hinweg nachgewiesen werden konnte.“ Warum die Kultstätte 2050 vor Christus den Flammen übergeben wurde, ist so rätselhaft wie das Schicksal der dort bestatteten Menschen. Fest steht, dass in diesem Zeitraum sämtliche Pfähle aus dem Boden gezogen und verbrannt wurden. Das zeigt eine bis zu 40 Zentimeter dicke Holzascheschicht im Kreisgraben des Monuments.
(Melanie Göhlich)
Weitere Informationen unter himmelswege.de

Ausstellung im Salzlandmuseum

In einem eigenen Ausstellungsbereich zum Ringheiligtum zeigt das nur wenige Autominuten entfernte Salzlandmuseum Grabungsfunde und weitere originale Objekte aus de frühen Bronzezeit – der Zeit vor über 4000 Jahren, als der Ritualort ursprünglich genutzt wurde. Die kreiseigene Einrichtung organisiert auf Anfrage Einzelführungen für Gruppen. Jeden Dienstag finden um 11Uhr und Freitag bis Sonntag um 14 Uhr öffentliche Führungen statt. Weitere Informationen unter Tel. 03471 684-624410 und zu.hna.de/Poemmelte

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