Dinkelbsühl Bayern

Störche bauen Nest mit Plastikmüll - Küken ertrinken

Die Storcheneltern in Dinkelsbühl haben ihre vier Küken verloren.
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Die Storcheneltern in Dinkelsbühl haben ihre vier Küken verloren.

Der Storchbestand in Deutschland erholt sich wieder. Doch in Franken hat ein Paar all seinen Nachwuchs verloren - auch Plastikmüll hat seinen Teil dazu beigetragen.

Dinkelsbühl - Die Störche auf dem Dach des Alten Rathauses im bayerischen Dinkelsbühl sind eine solche Attraktion, dass sie ihre eigene Webcam, einen Blog und eine Facebook-Seite haben. Viele Menschen verfolgen die Aktivitäten der Vögel. So war auch die Begeisterung groß, als das Storchenpaar Ende April Nachwuchs bekam - vier Jungstörche schlüpften und erfreuten die Storchenbeobachter. Allerdings gibt es kein Happy End: Keines der Küken hat überlebt. Schuld ist offenbar unter anderem Müll, den die Eltern im Nest verbauten.

Bereits am 4. Mai wurde auf der Facebook-Seite „Storch24 Dinkelsbühl“ bekanntgegeben, dass drei der vier Küken „das nasskalte Wetter leider nicht überstanden“ haben. Nur einen Tag später ließ ein neuer Beitrag in dem sozialen Netzwerk auf eine weitere Hiobsbotschaft schließen: „Trauriges Ende einer vielversprechenden Brut. Wir wünschen den Storchenpaaren in den anderen Dinkelsbühler Nestern viel Glück.“

Störche in Dinkelsbühl könnten ertrunken sein

Es war also zu kalt und zu nass für die Küken - aber laut übereinstimmenden Medienberichten trug noch ein weiterer Umstand zum Tod der Brut bei: Müll im Nest. Wie auch auf Aufnahmen der Storchen-Webcam zu beobachten war, benutzten die Vögel in Dinkelsbühl auch Plastikmüll und Verpackungen, um ihren Horst auszubauen. Das Problem: Regenwasser kann dann schlechter abfließen, was den Küken zum Verhängnis geworden sein könnte.

„Die Küken waren zuerst dreckig vom Schlamm, dann war jeden Tag eins weniger am Leben“, sagte Wolfgang Horlacher der Zeitung Bild. Er betreue seit 20 Jahren die Storchenkamera vom BUND Naturschutz in Dinkelsbühl. Und weiter: „Wir gehen fest davon aus, dass der Plastikmüll schuld war.“

Die BUND-Ortsgruppe habe dem Bericht zufolge nichts unternommen, weil man die Auswirkungen des Mülls im Nest nicht erwartet habe. „Für uns kam das plötzlich, wir waren selbst schockiert, dass die Küken gestorben sind“, sagte der BUND-Ortsgruppenchef Klaus Eberhardt dem Blatt.

Plastik im Nest: Wasser kann nicht abfließen

Allerdings sei es keine Seltenheit, dass es die gesamte Vogelbrut nicht schafft, sagte Markus Bachmann vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) dem Bayerischen Rundfunk. Er schätze, dass die Jungen in Dinkelsbühl ausgekühlt sind. Das könne relativ schnell passieren, wenn junge und damit unerfahrene Storcheneltern die Witterung unterschätzten und ihrem Nachwuchs nicht genügend Schutz bieten, so der Experte.

Durch das Verbauen von Plastikmüll habe dem Nest außerdem die natürliche Drainage-Funktion gefehlt, ohne die es nicht trocknen kann. In Deutschland nimmt die Zahl der ansässigen Störche vielerorts wieder zu. So auch im Landkreis Kassel*, in dem man sich in diesem Jahr über zehn Storchenpaare freut. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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