Diskussion zwischen Produzenten und Sendern

Streitpunkt Mediatheken: Zoff um kostenlosen Abruf von Videos

Mediatheken sind gefragter denn je: Der Zuschauer ist nicht an Zeiten gebunden, kann sich verpasste Szenen online ansehen. Doch sie sorgen auch für Meinungsverschiedenheiten.

Nun sorgt die Präsenz des Fernsehprogramms in öffentlich-rechtlichen Mediatheken für Ärger zwischen Produzenten und Sendern.

Wieso sind die Produzenten gegen eine Bereitstellung ihrer Arbeit in den Mediatheken? 

Durch den kostenlosen Abruf (allein der „Tatort“ wird laut ARD online von bis zu zwei Millionen Zuschauern abgerufen) gehen den Produzenten Einnahmen verloren. Gerade die Woche nach der TV-Ausstrahlung ist für DVD-Verkäufe laut Thomas Frickel, Vorsitzender der AG Dok (Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm), entscheidend. Zudem beeinträchtige es den Verkauf von Zweitverwertungsrechten an andere Sender. Als Beispiel nennt Frickel den Umsatz aus DVD-Verkäufen eines Film, der nicht in die Mediathek kam, in Höhe von mehr als 7000 Euro innerhalb des ersten Monats nach Ausstrahlung. Wäre der Film, der auf 3Sat lief, in der ARD ausgestrahlt worden, hätten aufgrund des höheren Marktanteils gut 100.000 Euro umgesetzt werden können.

Sind die Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender nicht bereits aus Rundfunkbeiträgen finanziert? 

Nein, denn die sogenannten voll finanzierten Auftragsproduktionen machen nur noch ein Drittel der Produktionen aus. Auch dabei komme es laut Frickel vor, dass die Sender nicht alle kalkulierten Kostenfaktoren anerkennen würden. Immer mehr Firmen stiegen aus diesem Verlustgeschäft aus.

Wie rechtfertigen die Sender die kostenlose Bereitstellung in den Mediatheken?

Laut Volker Herres, Programmdirektor der ARD, wird der Rundfunkbeitrag für alle Ausspielwege und Empfangsgeräte bezahlt, demnach auch für die Mediatheken.

Welche Forderungen erheben die Filmemacher?

Das Recht zur Mediathekennutzung soll laut Frickel gesondert vergütet und nicht mehr durch einseitige Vertragserweiterungen einfach weggenommen werden. Die Vergütung sollte sich an den Verkaufserlösen im Nutzungszeitraum orientieren.

Wonach richtet sich die Verweildauer von Videos in den Mediatheken?

Neben den sendungsspezifischen Onlinerechten regelt laut ARD der Rundfunkstaatsvertrag die Verweildauer der Videos. Laut ihm dürfen Sportgroßereignisse teils nur 25 Stunden, tägliche Serien höchstens sieben Tage, Dokus bis zu zwölf Monate und kulturelle Beiträge bis zu fünf Jahren abrufbar sein. Angekaufte Spielfilme dürfen nicht online abrufbar sein.

Wann erlauben die Sender einen Videoabruf nur in Deutschland (Geo-Blocking)?

Dies wird bei der ARD laut Herres nur gemacht, wenn der Sender vertraglich dazu verpflichtet ist, in erster Linie bei Sportübertragungen. Den Produzenten geht so eine weitere Einnahmequelle, die Auslandsverkäufe, verloren.

Wie schützen die Sender die Videos in den Mediatheken?

Raubkopien können mithilfe einfachster Programme angefertigt werden. Die Sender können eine Content-ID für einen Inhalt hinterlegen. Taucht ein Video mit gleichem Inhalt auf einer Videoplattform auf, wird es gesperrt. Dies geschehe laut Frickel viel zu selten.

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