Stromausfall: Hannover tappt im Dunkeln

Hannover - Ein Stromausfall hat in Hannover rund 600.000 Menschen zeitweilig im Dunkeln sitzen lassen. Aufzüge standen still, in Krankenhäusern sprangen Notstromaggregate an. Jetzt ist die Ursache geklärt.

Stromausfall in Hannover: Die ganze Stadt und mehrere Gemeinden im Umland lagen am Mittwochabend komplett im Dunkeln. Am Kraftwerk Mehrum war um 22.34 Uhr ein sogenannter Netzkuppler ausgefallen. Kritisch war der Blackout vor allem für Alten- und Pflegeheime, dort waren Senioren auf Beatmungsgeräte angewiesen, die nur noch auf Akkubetrieb liefen. 350 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten waren im Einsatz. “Im Zusammenhang mit einem Stromausfall haben wir einen Einsatz in dieser Größenordnung noch nicht gehabt“, sagte Feuerwehrsprecher Jan Feichtenschlager.

Auslöser war ein Defekt bei der Einspeisung des Stroms ins regionale Netz rund um Hannover. “Wie es genau zu dem Impuls kam, der den Anlagenteil abschaltete, wissen wir aber noch nicht“, sagte ein Sprecher des Energieversorgers Enercity am Donnerstag. “Es kann einige Tage dauern, bis alles ausgewertet ist.“ Sofort seien Expertenteams zu dem Kraftwerk östlich von Hannover hinausgefahren. 20 Minuten nach dem Ausfall gab es für 70 Prozent der Kunden wieder Strom, um 0.15 Uhr waren nach Angaben des Sprechers alle Kunden wieder versorgt.

Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

“Viele Brandschutzmelder sprangen durch Spannungsimpulse an oder gaben Fehlermeldungen ab. Und einige Leute saßen in Aufzügen fest“, sagte ein Feuerwehrmann. Kleinere Kliniken und Pflegeheime, die keine eigenen Notstromaggregate besitzen, wurden von Rettungsteams mit tragbaren Generatoren betreut. Aus einigen Wohnungen in Hannover schimmerte Kerzenschein. Auch am Flughafen der Stadt fiel der Strom aus, Notstromaggregate sprangen an. Alle Starts und Landungen seien aber planmäßig verlaufen, sagte ein Flughafensprecher.

Bei der Polizei gingen in der Nacht zahlreiche Anfragen ein: “Wir hatten 1500 Anrufe von besorgten Bürgern, dazu viele Fehlalarme“, sagte eine Sprecherin. Einbrecher nutzten die Dunkelheit, um im Stadtteil Roderbruch in vier Geschäfte einzubrechen und Zigaretten zu stehlen. Unfälle wegen ausgefallener Ampeln habe es nicht gegeben.

“Der Auslöser ist klar, die Ursache dahinter noch nicht“, erklärte der Enercity-Sprecher weiter. Zum Zusammenbruch der Stromversorgung kam es nach ersten Analysen, weil die Verbindung vom Werk ins Hochspannungsnetz für kurze Zeit fehlte. Dadurch hätten sich Schwankungen im regionalen Netz ergeben, das Gleichgewicht zwischen Abnehmern und Einspeisern sei massiv gestört gewesen. Man habe Reservekapazitäten an anderen Standorten aktiviert, diese hätten den Spannungsabfall aber nicht sofort ausgleichen können: “Wenn der Strom einer kompletten Stadt ausgefallen ist, kann man sie nicht per Knopfdruck anschalten.“ Eine ähnliche Panne habe sich zuletzt vor etwa zehn Jahren ereignet.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.