Studie: Jeder Zweite arbeitet im Urlaub

Mit dem Laptop am Strand: Viele Deutsche arbeiten via Internet auch im Urlaub, jeder Zehnte sogar mehr als drei Stunden am Tag. Foto: dpa

Kassel. Eigentlich soll es die schönste Zeit des Jahres sein. Der langersehnte Urlaub ist da, das Traumreiseziel ist erreicht, nun könnte die Erholung beginnen. Könnte.

Aber zum Feriengepäck gehören längst nicht mehr nur Schwimmsachen, Reiseführer und Bücher, sondern für viele auch der Laptop. Und der wird keineswegs nur privat genutzt. Eine Studie des Bürodienstleisters Regus ergab, dass fast jeder Zweite Deutsche, exakt 49 Prozent, auch in den Ferien arbeiten will, zumindest kurze Zeit. Jeder Zehnte Befragte ist sogar über drei Stunden täglich für seine Firma aktiv. Damit wird von der Strandliege aus ein abgespeckter Arbeitstag absolviert.

Interview

Erholungsforscherin: Der Urlaubseffekt hält nicht lange an

Technisch ist das im Zeitalter von schnellem Internet, leistungsfähigen Smartphones und Laptops längst kein Problem mehr. Outlook statt Meerblick lautet die Devise. Michael Barth, der Deutschland-Geschäftsführer von Regus, bringt es auf den Punkt. „Moderne Technologien verleiten Mitarbeiter dazu, ständig E-Mails zu lesen und daraus entstehende Aufgaben zu erledigen.“ Die ständige Erreichbarkeit über das Internet mache es schwer, komplett abzuschalten.

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Dabei ist genau das für eine richtige Erholung wichtig. Dr. Ulrike Roth vom TÜV Rheinland rät, Geschäftshandy oder Laptop gar nicht erst mit in den Urlaub zu nehmen oder zumindest klar zu vereinbaren, zu welchen Zeiten man erreichbar sein will und zu welchen nicht.

„Wer Mobiltelefon und Laptop im Urlaub anlässt, findet nicht den nötigen Abstand.“ Das könne nicht Sinn des Urlaubs sein. Sie rät Arbeitnehmern, auf der Mailbox und im E-Mail-Programm auf eine Urlaubsvertretung hinzuweisen. Anderenfalls blieben viele Aufgaben unerledigt und der Erholungseffekt sei dadurch kurz nach Ende des Urlaubs bereits wieder verpufft.

Mit ihrem Arbeitseifer in den Ferien sind die Deutschen nicht allein, sie liegen weltweit sogar im unteren Durchschnitt. Regus befragte repräsentativ 16 000 Beschäftigte. Besonders verbreitet ist Arbeiten im Urlaub in China. Dort widmen sich 44 Prozent der Berufstätigen in ihrer Freizeit mehr als drei Stunden täglich ihrer Arbeit, in Indien 27 Prozent, in Japan 21 und in den USA 17 Prozent.

Die Problematik der ständigen Erreichbarkeit von Arbeitnehmern beschäftigte bereits Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie forderte vor wenigen Wochen klare Regeln in den Betrieben zu Handykultur und Mailverkehr. Es müsse eine deutliche Trennung von Arbeit und Freizeit geben. „In der Freizeit soll Funkstille herrschen“, so die Ministerin. Allerdings: Eine Verschärfung des Arbeitsschutzgesetzes plant sie nicht. (mit dpa)

Hintergrund: Arbeitsschutzgesetz

Arbeitnehmer sollen sich im Urlaub ausschließlich erholen. So steht es zumindest im Arbeitsschutzgesetz. In Paragraf 8 heißt es wörtlich: „Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten.“ Das Gesetz stammt aus dem Jahr 1963, einer Zeit, in der es noch kein Internet gab und damit Arbeiten vom Urlaubsort technisch kaum möglich war.

Der Arbeitgeber ist laut Gesetz für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten verantwortlich. Arbeitnehmer müssen sich im Urlaub Anrufe oder eine stillschweigend vorausgesetzte E-Mail-Bereitschaft nicht gefallen lassen. Auch die private Handynummer muss niemand seinem Chef mitteilen, davor ist der Arbeitnehmer durch sein allgemeines Persönlichkeitsrecht geschützt. Auf freiwilliger Basis sind all diese Dinge jedoch möglich.

Anders ist es mit Bereitschaftszeiten außerhalb des Urlaubs. Hier haben vor allem sicherheitsrelevante Unternehmen eigene Regeln.

Von Peter Klebe

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