Attraktives Modell

Studie: Pflege durch osteuropäische Hilfskräfte nimmt zu

+
Wenn Pflegebedürftige zu Hause bleiben wollen, wird eine Hilfskraft benötigt. Oft kommt diese aus Osteuropa. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Pflegebedürftige wollen ungern ihre geliebten vier Wände verlassen. Doch Angehörigen fehlt oft die Zeit für die Betreuung. Aus diesem und weiteren Gründen ziehen in immer mehr Haushalten Hilfskräfte ein.

Düsseldorf (dpa) - Pflegebedürftige in Deutschland werden zunehmend von Hilfskräften aus Osteuropa versorgt. Das zeigt ein aktueller Bericht.

In schätzungsweise 163 000 Privathaushalten lebt bereits eine osteuropäische Hilfskraft für eine "Rund-um-die-Uhr"-Betreuung eines Pflegebedürftigen, wie aus einer Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. Das entspreche acht Prozent aller Haushalte, in dem ein Pflegebedürftiger wohnt.

Dieses Modell erscheine vor allem für die Mittelschicht als Alternative zum Heim attraktiv. Die osteuropäischen Hilfskräfte stünden jedoch unter einer extremen Arbeitszeitbelastung. Sie benötigten täglich im Durchschnitt rund zehn Stunden Zeit für ihre Pflege- und Betreuungsaufgaben.

In einer wachsenden Zahl von Haushalten mit einem hohen Pflege- und Betreuungsaufwand werde nach Alternativen zur Heimunterbringung gesucht. Einer Unterbringung in einem Pflegeheim stünden viele Pflegebedürftige und Angehörige skeptisch gegenüber: Sie fürchteten einen Verlust an Selbstständigkeit und an Pflege- beziehungsweise Versorgungsqualität. Demenzkranken falle überdies ein Auszug aus der vertrauten Umgebung besonders schwer.

In diese Versorgungslücke stießen Angebote zur "24-Stunden-Pflege". Dabei handele es sich um Arbeitskräfte zumeist aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern, die in der Regel einige Wochen oder Monate mit im Haushalt wohnten und die Versorgung des pflegebedürftigen Familienmitglieds leisteten.

Bei den meisten Pflegebedürftigen in Deutschland würden aber nach wie vor nahe Angehörige die Betreuung schultern. Gut 70 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden laut der Studie zu Hause gepflegt. Am häufigsten ist die Tochter die Hauptpflegeperson (29 Prozent). Fast ebenso häufig übernehmen die Lebenspartner die Pflege. Mehr als die Hälfte der befragten Haushalte verzichtet vollkommen auf Unterstützung durch Pflegedienste oder andere professionelle Hilfe.

Schwierig ist die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, wie auch die Autoren hervorheben: Rund ein Drittel der Hauptpflegepersonen im erwerbsfähigen Alter habe die Arbeitszeit im Job reduziert. 44 Prozent dieser Gruppe seien gar nicht erwerbstätig. Die Pflegenden riskierten damit, im Alter selber mit wenig Geld dazustehen.

Laut Studie, über die zuerst die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, erreichen Angebote zur Pflegeberatung Hauptpflegepersonen aus bildungsfernen Schichten oft nicht. Auffällig sei, dass Pflegebedürftige in einkommensstarken Haushalten oft in höhere Pflegestufen eingruppiert seien als solche aus sozial schwächeren Kreisen. Vermutlich gelinge es den Angehörigen höherer Schichten besser, gegenüber der Pflegeversicherung einen größeren Bedarf geltend zu machen.

Ausführliche Studie

Pflegehilfe positiv ankündigen

Menschen mit Demenz sperren sich zu Beginn manchmal gegen professionelle Hilfe in der Pflege. Angehörige sollten diesen Schritt deshalb positiv formulieren, rät die Psychotherapeutin Britta Wiegele in der Zeitschrift "Senioren Ratgeber" (5/2017). Sie empfiehlt einen Satz wie: "Diese Hilfe können wir uns doch gönnen!" Das habe gleich einen anderen Klang als Aussagen wie: "Ich schaff's nicht mehr." Außerdem empfiehlt sie, eine Tagespflege Schritt für Schritt einzuführen.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.