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Ab 3.347 Euro im Monat gilt man als reich - laut Studie

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Von: Ines Alberti

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Eine Frau hält Geldscheine in der Hand.
Ab welchem Einkommen kann man sich zur Oberschicht zählen? Eine Studie versucht, das zu klären. (Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Villa, Yacht, Privatjet: So stellen sich vermutlich viele Deutschlands Topverdiener vor. Doch die Grenze zu den oberen zehn Prozent liegt niedriger, als man glauben mag.

Frankfurt – Wenn der CDU-Chef* Friedrich Merz* sich vor einiger Zeit mit einem jährlichen Millioneneinkommen zur „gehobenen Mittelschicht“* zählt, wo können sich dann Normalos wie Sie und ich einordnen? Ab wann zählt man zu den oberen zehn Prozent, was das Einkommen betrifft? Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat für den Spiegel Antworten auf diese Frage gefunden.

Aber zunächst etwas Hintergrund: Der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland verdiente 2020 3.975 Euro brutto im Monat, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Das sind 47.700 Euro im Jahr, ohne Sonder­zahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Boni. Netto käme beispielsweise bei einer ledigen, kinderlosen und gesetzlich versicherten Frau in Hessen in Steuerklasse 1 2413,71 Euro im Monat und respektive 28.964,51 Euro im Jahr heraus. Dieser Durchschnittswert heißt allerdings bei Weitem nicht, dass die meisten Deutschen einen Verdienst in diesem Bereich haben.

Topverdiener in Deutschland: Ab welchem Gehalt gehört man dazu?

Denn knapp zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten (63 Prozent) verdienen laut Statistischem Bundesamt weniger. Das verbleibende gute Drittel (37 Prozent) hat so hohe Bruttoverdienste, dass es den gesamten Schnitt hochzieht. Am meisten lässt sich der Auswertung zufolge übrigens in der Branche „Gewinnung von Erdöl und Erdgas“ mit durchschnittlich 6.206 Euro brutto monatlich verdienen. Schlusslicht ist die Gastronomie mit einem Monatsbrutto von 2.047 Euro.

Wenn Deutsche im Durchschnitt also etwa gut 2.400 Euro netto verdienen, wie groß ist der Abstand zur Oberschicht, zu den Top-Verdienern? Wer erwartet hat, dass zu den oberen zehn Prozent nur Gruppen wie Topmanager mit fünfstelligen Monatsgehältern oder Profifußballer zählen, der irrt sich: Dem Spiegel zufolge zieht das IW die Grenze bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 3.529 Euro für Singles. Ab dann gehören sie zu den oberen zehn Prozent. Davon ist unsere beispielhafte Durchschnitts-Arbeitnehmerin also noch mehr als 1.000 Euro entfernt. Paare ohne Kinder spielen ab einem Haushaltsnettoeinkommen von 5.294 Euro in der Top-Liga mit, eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren ab 7.412 Euro netto.

Ab wie viel Gehalt gehört man zu den Reichen?

Das IW ist nicht die einzige Institution, die eine Grenze der Reichen berechnet hat. Die Schippke Wirtschaftsberatung analysierte, dass ein Single-Haushalt mit einem Nettoeinkommen von rund 3.350 Euro zu den reichsten 12 Prozent aller Bundesbürger gehört. Das sind laut dem Brutto-Netto-Rechner von Sparkasse.de rund 5.600 Euro auf dem Gehaltszettel. Tatsächlich ist laut der Schippke Wirtschaftsberatung rechnerisch jeder achte reich.

Bei Zwei-Personen-Haushalten reicht demnach sogar schon weniger, um als reich zu gelten: Laut Schippke muss dazu jeder Partner ein monatliches Nettoeinkommen von 2.500 Euro erzielen. Denn ein Paar braucht Merkur zufolge nur etwa 1,5 Mal so viel Geld wie zwei Singles. Das liege daran, dass ein Paar sich viele Kosten wie etwa die Miete teilen könne. Laut dem Sparkassenrechner muss jeder Partner 4.000 Euro brutto verdienen, um zu den Reichen zu gehören.

Topverdiener: Macht Geld überhaupt glücklich?

Auch wenn die Summen gar nicht unbedingt nach exorbitant hohen und unerreichbaren Gehältern klingen, so dürfte es doch für die meisten Menschen in Deutschland schwierig sein, sie zu erzielen. Denn nicht alle arbeiten überhaupt in Vollzeit - oder gehen überhaupt einer Erwerbstätigkeit nach. Zwar heißt es immer wieder, Geld allein mache nicht glücklich - und Studien haben nahegelegt, dass die Zufriedenheit ab einem bestimmten Einkommen nicht mehr weiter wächst. Jedoch zeigte ein US-Forscher Anfang 2021 in einer Studie, dass diese Grenze viel höher liegen könnte, als bislang angenommen.

Das Ergebnis der 1,7 Millionen Einzeldaten der Studie: Die allgemeine Lebenszufriedenheit und auch das tägliche emotionale Wohlempfinden stiegen mit dem Lohn und das weit über ein jährliches Haushaltseinkommen von 80.000 US-Dollar (66.000 Euro) hinaus. Einige Forscher gingen zuvor von einem Einkommen von rund 75.000 Dollar oder weniger aus, ab dem das emotionale Wohlbefinden nicht mehr steigt. Einer der Gründe soll sein, dass reiche Menschen das Gefühl hätten, mehr Kontrolle über ihr Leben zu haben.

Wo Sie zumindest im deutschen Vergleich stehen, können Sie selbst mit einem interaktiven Rechner basierend auf den Daten des IW herausfinden. Ob Sie das Ergebnis glücklich macht oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. (ial mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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