Stuttgart 21: Polizei räumt Schlossgarten

Stuttgart - Nun ist es soweit: Tausende Beamte räumten am frühen Morgen für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 den Schlossgarten. Dort müssen mehr als 170 Bäume weichen. Hunderte Gegner leisteten Widerstand.

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Stuttgart-21-Gegner stürmen Schlossgarten

Die Polizei hat damit begonnen, den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 zu räumen. Ab etwa 4.50 Uhr am Mittwochmorgen trugen Polizisten die ersten Demonstranten von dem abgeriegelten Gelände. Rund 2500 Beamte waren im Einsatz. Laut einem Polizeisprecher befanden sich noch hunderte S21-Gegner im Park. Einige Protestler waren auf Bäume geklettert. Andere hatten Barrikaden errichtet oder Sitzblockaden gebildet. Entlang der Absperrgitter gab es nach wie vor mehrere Möglichkeiten, das Gelände freiwillig zu verlassen.

Suttgart 21: Polizei räumt Protestcamp

Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa
Stuttgart 21 Räumung
Die Polizei hat am Mittwochmorgen den Schlossgarten für die Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt. Demonstranten hatten Barrikaden aus Müll und Paletten gebaut. © dpa

Gegen 3.00 Uhr hatte der Einsatz begonnen. Die Polizisten stellten rund 800 Meter Gitter entlang des Mittleren Schlossgartens auf. Dort hielten sich zunächst etwa 1000 S21-Gegner auf. „Mittlerweile haben sich einige Hundert entfernt“, sagte Stuttgarts Polizeipräsident Thomas Züfle. Kurz vor 6.00 Uhr sprach er von noch rund 400 Demonstranten im Park.

Der erwartete massive Widerstand der Projektgegner blieb zunächst aus. Viele verließen freiwillig das Gelände. Ihm sei keine brenzlige Situation bekannt, sagte Züfle. Die Stimmung sei angespannt, aber nicht aggressiv. Wegen Besitzes von Pyrotechnik habe es eine Festnahme gegeben. Zudem setzten einige Beamte laut Polizeisprecher Olef Petersen Schlagstöcke ein, als S21-Gegner partout nicht zur Seite gehen wollten. „Aber das war wirklich sehr vereinzelt.“

Der Sprecher der Initiative „Parkschützer“, Matthias von Herrmann, berichtete von bis zu 2000 Demonstranten, die ein „Signal für den friedlichen Protest“ setzen wollten. Über den Einsatz sagte er: „Die Polizei ist rasch und hektisch aufgelaufen.“ Es sehe nicht nach einem besonnen Einsatz aus wie ihn Züfle angekündigt hatte.

Mit Trillerpfeifen, Trommeln und Plakaten demonstrierten die Projektkritiker gegen das Bahnvorhaben. „Wir werden den Protest erst dann aufgeben, wenn Stuttgart 21 beendet ist“, sagte von Herrmann. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee sollten Lagerfeuer Wärme spenden. Einige Menschen riefen „Unser Park!“ und „Oben bleiben!“ oder sangen „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und den Protestsong „We shall overcome“.

Stuttgart 21: Argumente Pro und Contra

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 (Foto: Modellzeichnung) gilt als größtes Infrastrukturprojekt Europas. Seit Monaten laufen Bürger Sturm gegen das Projekt. Wir zeigen die Argumente der "S21"-Befürworter und die der Gegner. © dpa
DAS IST STUTTGART 21: Der Stuttgarter Hauptbahnhof soll vom Kopf- zum Durchgangsbahnhof umgebaut und "tiefergelegt" werden. Die Gleise werden unterirdisch verlegt. Der Flughafen Stuttgart bekommt eine ICE-Haltestelle. Außerdem wird ein neuer Bahnhof Flughafen/Messe gebaut. Dieser soll die Stuttgarter Innenstadt, den Flughafen und das Messegelände besser miteinander verbinden. Auch wird ein Tunnelnetz gebaut, um den gesamte Stuttgarter Raum an das Schienennetz anzubinden. © dpa
PRO: Stuttgart 21 bringt Baden-Württemberg näher zusammen: So wird die Fahrzeit von Stuttgart nach Ulm fast halbiert (von 54 auf 28 Minuten). Auch die Fahrtzeit zwischen Hauptbahnhof und Flughafen von derzeit 27 auf 8 Minuten verkürzt. © dpa
PRO: Ohne Stuttgart 21 wird Baden-Württemberg vom internationalen Bahnverkehr abgehängt. Das Projekt ermöglicht den Lückenschluss in der europäischen Magistrale Paris-Budapest. Außerdem werden Flughafen und Landesmesse an die Schnellbahnstrecke nach Ulm angebunden. © dpa
PRO: Stuttgart 21 bildet einen Anreiz für Autofahrer, auf dieser Strecke vom Auto auf den Zug umzusteigen. © dpa
PRO: Auch der Schienenregionalverkehr profitiert von Stuttgart 21. © dpa
PRO: Stuttgart schafft auf Dauer 10.000 neue Arbeitsplätze und zusätzlich 7000 während der Bauzeit. © dpa
PRO: Im neuen Durchgangsbahnhof können mit halb so vielen Gleisen deutlich mehr Züge in den Bahnhof ein- und ausfahren, weil sie sich nicht mehr gegenseitig blockieren. © dpa
PRO: Bei einem Aus für Stuttgart 21 gehen Millionenzuschüsse von Bund und Bahn für das Land Baden-Württemberg verloren. Die Gelder fließen dann in die Infrastruktur eines anderen Bundeslandes. © dpa
PRO: Auf den Flächen, die derzeit noch mit Gleisen bedeckt sind, werden Parkanlagen erweitert. Außerdem wird neuer Wohn- und Arbeitsraum im Stadtzentrum geschaffen. © dpa
PRO: Die Kosten für Stuttgart 21 werden nicht aus dem Ruder laufen. In der aktuellen Kalkulation von 4,088 Milliarden Euro sind bereits 323 Millionen Euro für weitere Baupreissteigerungen eingerechnet. Für alle Fälle steht zudem ein Risikofonds von 438 Millionen Euro bereit. © dpa
PRO: Der Bau des unterirdischen Bahnhofs bringt deutlich weniger Probleme für die Fahrgäste mit sich als die Modernisierung des Kopfbahnhofes während des laufenden Zugbetriebs. © dpa
PRO: Stuttgart 21 ist sorgfältig geplant. Damit sind Risiken beim Bau weitgehend ausgeschlossen. © dpa
PRO: Die historische Bausubstanz des Stuttgarter Bahnhofsgebäudes bleibt trotz des Abrisses der Seitenflügel erhalten. © dpa
CONTRA: Eine jahrelang bestehende Großbaustelle im Zentrum Stuttgarts führt zu Verkehrsbehinderungen und Belästigungen durch Abgase der Baustellenfahrzeuge. © dpa
CONTRA: Die Kosten für Stuttgart 21 laufen aus dem Ruder. Das Geld könnte besser in Bildung, sowie das Gesundheits- und Sozialwesen gesteckt werden. © dpa
CONTRA: Die Modernisierung des Kopfbahnhofes (K21) ist mehrere Milliarden Euro billiger - in erster Linie, weil weniger Tunnelkilometer gebaut werden müssen. © dpa
CONTRA: Die Bauarbeiten für Stuttgart 21 gefährden die Mineralwasserquellen der Stadt. © dpa
CONTRA: Im Stuttgarter Schlossgarten werden hunderte alte Bäume abgeholzt. Der Park wird durch die hohen Lichtaugen des unterirdischen Bahnhofs verschandelt. © dpa
CONTRA: Weil es bei Stuttgart 21 nur noch vier Bahnsteige gibt, wird es für die Reisenden eng. Vor allem, weil die Anzahl der haltenden Züge pro Bahnsteig ansteigt. © dpa
CONTRA: Ein integrierter Taktungsplan lässt sich nicht realisieren. Somit werden die Umsteigezeiten länger. © dpa
CONTRA: Die Zahl der Gleise sinkt von 17 auf 8. Auch einige Zubringergleise werden verschwinden. Deswegen werden sich Züge vor dem Bahnhof stauen. © dpa
CONTRA: Das Klima im Stuttgarter Kessel heizt sich künftig auf. Bislang kühlen sich die unbebauten Flächen des Gleisvorfeldes nachts stark ab. Dadurch halten sie die Temperaturen in Grenzen. © dpa
CONTRA: Dem Ausbau und der Verbesserung des Regionalverkehrs wird durch das Mammutprojekt Stuttgart 21 Geld entzogen. © dpa
CONTRA: Auch bei einer Modernisierung des Kopfbahnhofes kann der Bahnhof an die Schnellbahntrasse angeschlossen werden - und zwar über das Neckartal und einen Tunnel auf die Filder. © dpa
CONTRA: Teile des denkmalgeschützten Stuttgarter Bahnhofsgebäudes von Paul Bonatz werden abgerissen. © dpa
CONTRA: Auf dem Stuttgart-21-Gelände müssen alte Bäume gefällt werden. Darin leben aber seltene Tiere, zum Beispiel der vom Aussterben bedrohte Juchtenkäfer. © dpa

Am Morgen wollte die Polizei das Protestcamp mit zahlreichen Zelten sowie die Baumhäuser räumen. Die abgesperrte Fläche ist insgesamt rund 40 000 Quadratmeter groß - das entspricht etwa fünfeinhalb Fußballfeldern. Dort sollen in den kommenden Tagen 174 Bäume gefällt oder verpflanzt werden, damit der Trog für den heftig kritisierten Tiefbahnhof ausgehoben werden kann.

Es ist der zweite große Polizeieinsatz innerhalb von gut einem Monat. Am 13. Januar war der Südflügel des alten Bahnhofs abgesperrt worden, um ihn abreißen zu können. Regierung und Polizei wollen eine Eskalation wie bei den Baumfällarbeiten am 30. September 2010 vermeiden. Damals hatte die Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray eingesetzt; mehr als 100 Menschen wurden verletzt.

Das Projekt Stuttgart 21 umfasst eine unterirdische Durchgangsstation und die Anbindung an die geplante Schnellbahnstrecke nach Ulm. Die Bahn schätzt die Kosten auf rund 4,1 Milliarden Euro. Die Grünen und andere Projektgegner halten den Bahnhofsumbau für unnötig und rechnen mit einer Kostenexplosion. Seit der Volksabstimmung Ende November 2011, bei der sich die Befürworter durchsetzten, hat sich die Debatte etwas beruhigt.

Um mehr Transparenz zu bieten, hatte die Polizei ausgewählte Journalisten eingeladen, den Einsatz eng zu begleiten und hinter die Kulissen zu blicken. Aber auch viele andere Journalisten konnten auf das Gelände. Zu einer Einflussnahme oder einer Behinderung der Berichterstattung kam es zunächst nicht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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