Gemeinde will Sperrbezirk werden

Sex-Unternehmer plant Gentlemen’s Club: Sylt läuft Sturm gegen Edelbordell

Westerland. Jürgen Rudloff, der Betreiber eines der größten Bordelle Europas, des „Paradise“ in Stuttgart, plant auf Sylt einen Gentlemen’s Club für „gut situierte Männer ab 25“ – inklusive Zigarren-Lounge und „Live Cooking“. Die Einwohner der Insel wehren sich dagegen.

Die Strandstraße in Sylt zählt zu den beschaulicheren urbanen Plätzen der Urlaubsinsel: Edeka-Markt, Teeladen, Kino, das Spielwarengeschäft „Lütt & Plietsch“ und das Café Wien sind Anziehungspunkte für Urlauber. Das könnte sich bald ändern: Denn Jürgen Rudloff, der Betreiber eines der größten Bordelle Europas, des „Paradise“ in Stuttgart, plant dort einen Gentlemen’s Club für „gut situierte Männer ab 25“ – inklusive Zigarren-Lounge und „Live Cooking“.

Geht es nach dem Willen der Gemeinde Sylt, soll aus Rudloffs großen Plänen aber nichts werden. Der Widerstand gegen das Etablissement nimmt zu. Dabei soll doch alles sehr stilvoll werden, „gar nicht puffig“, wie der schwäbische Kaufmann, der in den Medien gern als frauenfreundlicher Bordell-Besitzer auftritt, noch im Herbst der Sylter Rundschau erläuterte. Etwa 2,5 Millionen Euro wollte er ausgeben, um das ehemalige Kino Strandburg zum Club mit zwölf bis 15 Prostituierten auszubauen. Als der Bauausschuss der Gemeinde das Projekt 2012 bewilligte, ging man nur von einer Tabledance-Bar aus. Allerdings war in dem Bauantrag von einem „bordellähnlichen Betrieb“ die Rede. „Da hätte man kritischer sein können“, sagt die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber der HNA.

Die Strandburg gehört dem Ex-Musicalkönig Rolf Deyhle. Rudloff wiederum mietete die Räumlichkeiten von der Strandburg GBR, deren Geschäftsführerin Rolf Deyhles Frau ist. Die Bürgermeisterin, die bei der Sitzung nicht dabei gewesen war, wirft Christine Deyhle vor, bei der Antragstellung nicht mit offenen Karten über den wahren Zweck des Clubs gespielt zu haben. Von einer „Riesenprotestwelle“ gegen das Bordell berichtet Reiber nun. Unterschriftenlisten seien erstellt worden, die Sylter Frauennothilfe wolle Mahnwachen am Eingang der Strandburg veranstalten, und selbst Alice Schwarzer habe ihre Solidarität bekundet. „Wir werden uns das Leben gegenseitig schwer machen“, kündigt die Bürgermeisterin an, die auch mit weiteren Auflagen droht.

Sextourismus befürchtet

Neben dem Imageverlust für ihre Insel verweist Reiber auf den Jugendschutz, denn die Strandstraße ist bislang vor allem bei Familien als Flaniermeile beliebt. Zudem befürchtet Reiber extra anreisende Gäste aus Dänemark: „Ich möchte hier keinen Sextourismus haben.“ Deswegen beantragte man beim Kreis Nordfriesland, für die gesamte Gemeinde Sylt einen Sperrbezirk einzuführen. Der gilt zwar vor allem für den Straßenstrich, doch hatte man ein Zeichen setzen wollen, sagt der Hauptausschuss-Vorsitzende Carsten Kerkamm.

Aus Stuttgart signalisiert man derweil Kompromissbereitschaft: „Wir werden nicht gegen den Willen der Bevölkerung aktiv werden“, sagte gestern Rudloffs Marketingleiter Michael Beretin gegenüber unserer Zeitung. Ein weiteres Gespräch im Westerländer Rathaus steht am Montag an.

Von Ullrich Riedler

Rubriklistenbild: © dpa

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