Syrische Verbände erstürmen Kleinstadt

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Soldaten der syrischen Armee vor der Erstürmung von Dschisr al-Schogur

Damaskus/Kairo - Nach tagelanger Belagerung haben syrische Regierungsverbände am Sonntag den Angriff auf die nordwestliche Kleinstadt Dschisr al-Schogur begonnen.

Rund 200 Panzer seien an der Operation beteiligt, berichteten staatliche Medien. Hubschrauber kreisten über dem Ort. Die Streitkräfte, die von Süden und Osten vorrückten, nahmen die Kleinstadt mit Artillerie unter Beschuss. Nach ersten Berichten der staatlichen Medien wurden zwei Angehörige “bewaffneter Gruppen“ getötet und zahlreiche weitere festgenommen. Zynisch hieß es in den Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Sana: “Armee-Einheiten treffen in Dschisr al-Schogur ein und säubern das nationale Krankenhaus von Mitgliedern bewaffneter Banden.“ Die Regierungstruppen hatten die Kleinstadt bereits seit einer knappen Woche belagert.

Rund 5000 Bewohner flohen über die nahe Grenze in die Türkei. Am Sonntag kamen weitere Menschen über die Grenze, um Angriffen der Truppen des Machthabers Baschar al-Assad zu entkommen, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Sie werden in Zeltstädten des Türkischen Roten Halbmondes untergebracht. Die türkische Regierung hat mehrfach versichert, dass sie die Grenze zu Syrien nicht schließen wird.

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Die USA hatten das brutale Vorgehen gegen Regimegegner in Syrien zuvor angeprangert. Zugleich forderten sie am Samstagabend Präsident Assad auf, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) “sofortigen und ungehinderten Zugang“ zu Kampfgebieten in Nordsyrien zu gewähren, um Verletzten, Gefangenen und Flüchtlingen helfen zu können. Das Vorgehen der syrischen Regierung habe eine humanitäre Krise verursacht, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Die Gewalt müsse eingestellt werden.

Ägypten erklärte unterdessen, es wolle einen von der Europäischen Union angestrebten Beschluss des Weltsicherheitsrates gegen das syrische Regime abwenden. Kairo arbeite “hinter den Kulissen“ daran, um stattdessen in Damaskus zu erwirken, dass es einem Besuch durch einen “westlichen“ Sondergesandten zustimmt, sagte der ägyptische Außenminister Nabil al-Arabi am Sonntag der arabischen Tageszeitung “Al-Hayat“.

Westerwelle fordert Ende des Armee-Einsatzes im Norden Syriens

Bundesaußenminister Guido Westerwelle fordert angesichts der Eskalation in Syrien eine klare Reaktion des Weltsicherheitsrats. Der FDP-Politiker verurteilte am Sonntag in Berlin das massive Vorgehen syrischer Truppen gegen Regimegegner im Norden des Landes. “Durch die Gewalt und den Einsatz schwerer Waffen droht eine humanitäre Krise“, sagte er. Westerwelle forderte die Regierung in Damaskus auf, “die Gewalt umgehend zu stoppen und den Zugang für humanitäre Hilfe und Helfer in die Krisengebiete zu ermöglichen“.

Die gefährliche Situation mache eine klare Reaktion des UN-Sicherheitsrates umso dringlicher. “Unsere politischen und diplomatischen Anstrengungen bleiben darauf gerichtet, dass die von uns mit eingebrachte Resolution so schnell wie möglich verabschiedet wird.“ Der Entwurf, in dem die gewaltsame Niederschlagung der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar Assad verurteilt wird, stößt in Russland aber auf Widerstand. 

In der vergangenen Woche waren dort rund 120 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. Menschenrechtsorganisationen zufolge sind inzwischen mehr als 1.300 Menschen bei der Niederschlagung der Proteste getötet worden.

dapd/dpa

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