Schockierende Zahlen

Syrischer Bürgerkrieg: 11.000 tote Kinder

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Im syrischen Bürgerkrieg sind in den vergangenen 30 Monaten weit mehr als 11.000 Kinder und Jugendliche Opfer von Bomben, Granaten und Gewehrsalven geworden.

London - Im syrischen Bürgerkrieg sind in den vergangenen 30 Monaten weit mehr als 11.000 Kinder und Jugendliche Opfer von Bomben, Granaten und Gewehrsalven geworden.

Im syrischen Bürgerkrieg sind schon mehr als 11 000 Kinder und Jugendliche Opfer von Bomben, Granaten und Gewehrsalven geworden. Das geht aus einem Bericht hervor, den das politische Forschungsinstitut Oxford Research Group am Sonntag vorlegte. Drei Viertel der minderjährigen Bürgerkriegsopfer seien durch die Explosion von Sprengkörpern gestorben, etwas mehr als ein Viertel durch Gewehrkugeln.

Teilweise seien Kinder und Jugendliche in den Kugelhagel rivalisierender Gruppen geraten, 764 seien gezielt erschossen worden. Dies gelte vor allem für Jungen in der Altersgruppe zwischen 13 und 17 Jahren. 112 Kinder, darunter einige Kleinkinder, seien gefoltert worden.

Alarmierende Nachrichten kamen am Wochenende auch von syrischen Oppositionellen. Ihren Angaben zufolge kontrolliert die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) inzwischen ein großes Gebiet in der Provinz Idlib, das direkt an der Grenze zur Türkei liegt. Die Terrorgruppe habe in der Ortschaft Atmeh das Gebäude des Generalstabs der Freien Syrischen Armee (FSA) besetzt und mehr als 40 Angehörige einer gemäßigten Islamisten-Brigade gefangengenommen, berichtete ein Dissident. ISIS kontrolliert bereits Teile der Provinzen Al-Rakka, Deir as-Saur und Aleppo.

Syrienkonflikt: Die Standpunkte der großen Mächte

USA: Ein völlig außer Kontrolle geratenes Regime in Damaskus, das Giftgas einsetzt, wäre nicht nur eine besondere Bedrohung für den engen Verbündeten Israel. Es würde auch die Gefahr erhöhen, dass Chemiewaffen in die Hände des Terrornetzwerks Al-Kaida oder anderer militanter Kräfte gelangen. Das zu verhindern, liegt ganz klar im direkten Interesse der USA. Generell ist die Eindämmung von Massenvernichtungswaffen ein Hauptanliegen von Präsident Barack Obama. Einem syrischen Giftgasangriff tatenlos zuzusehen, würde seine Glaubwürdigkeit international aufs Spiel setzen. © dpa
RUSSLAND: Mit dem Regime in Damaskus unterhält Moskau seit Sowjetzeiten enge Kontakte. Die Geheimdienste arbeiten zusammen, zudem ist Syrien ein treuer Waffenkunde Russlands. Immer wieder betont der Kreml, dass das Riesenreich sich grundsätzlich nicht in die Belange anderer Staaten einmische. Die Syrer müssten den Konflikt allein lösen. Die UN-Vetomacht lehnt ein militärisches Engagement aber auch ab, um wirtschaftliche und geostrategische Vorteile in der Region nicht aufs Spiel zu setzen. So unterhält Russland im syrischen Hafen Tartus seine einzige Marinebasis im Mittelmeer. © dpa
CHINA: Peking beruft sich im Syrienkonflikt immer wieder auf das Prinzip der Nichteinmischung und hat sich lediglich allgemein gegen den Einsatz von Chemiewaffen ausgesprochen. Unter internationalem Druck teilte das Außenministerium am Freitag mit, dass es auf einen reibungslosen Einsatz der UN-Inspekteure hoffe. „Die derzeitige Situation unterstreicht die Bedeutung und Dringlichkeit einer politischen Lösung für das Syrien-Problem“, sagte ein Sprecher. © picture alliance / dpa
FRANKREICH: Die Regierung von Präsident François Hollande gilt seit langem als offensiver Unterstützer der syrischen Opposition. Schon früh setzte sich Paris für eine Anerkennung der Oppositionskoalition durch den Westen ein. Gemeinsam mit London stellte Paris auch das Waffenembargo der Europäischen Union infrage. Nach den jüngsten Giftgas-Vorwürfen hat Frankreich rasch eine „Reaktion der Stärke“ gegen das Regime in Damaskus gefordert. Dabei ließ die Regierung kaum Zweifel daran, dass dies eine militärische Aktion sein sollte. © dpa
GROSSBRITANNIEN: Wie kaum ein anderes Land macht Großbritannien Druck für ein militärisches Eingreifen in Syrien. Außenminister William Hague sagt offen, dafür sei ein einhelliges Votum des Weltsicherheitsrates nicht mehr notwendig. Londons offensive Haltung hat wohl auch innenpolitische Gründe. Premierminister David Cameron will ähnlich wie 2011 in Libyen zeigen, dass sein Land trotz klammer Kassen und erheblicher Kürzungen auch bei den Militärausgaben noch handlungsfähig ist. Das Eingreifen Tony Blairs im Irak aufgrund lückenhafter Informationen über Chemiewaffen bei Saddam Hussein klingt aber noch bitter nach. Auch der politische Erfolg des Libyen-Bombardements steht infrage. © picture alliance / dpa
DEUTSCHLAND: Berlin gehört bislang zu den strikten Gegnern eines internationalen Militäreinsatzes in Syrien - zu groß die Sorge vor einem Flächenbrand in der gesamten Region, zu schlecht die Erfahrungen nach dem Krieg in Libyen, zu klein das Vertrauen in die zerstrittene Opposition. Stattdessen hofft die Bundesregierung darauf, Russland doch noch davon überzeugen zu können, Assad fallen zu lassen. Mittlerweile keimt allerdings die Sorge, dass man - wie vor zweieinhalb Jahren beim Libyen-Einsatz - wieder einmal im Abseits stehen könnte. Das will Berlin auf jeden Fall verhindern. © dpa

Islamistische Rebellen eroberten nach Angaben von Aktivisten eines der größten Öl-Felder Syriens. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, an der Schlacht um das Öl-Feld Omar seien mehrere Brigaden beteiligt gewesen, darunter auch die Al-Nusra-Front, die von mehreren westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird. Die Luftwaffe habe auf die Eroberung des Öl-Feldes in der Provinz Deir as-Saur mit Luftangriffen geantwortet. Die Regierungsmedien berichteten von einem Rebellenangriff auf eine Raffinerie in der Provinz Homs.

Bei Angriffen der Luftwaffe auf das Viertel Tarik-al-Bab in Aleppo wurden nach Angaben von Regimegegnern am Samstag 29 Menschen getötet, darunter auch mehrere Kinder.

Bei einem Attentat auf den syrischen Minister für nationale Versöhnung, Ali Haidar, wurde am Samstag dessen Fahrer getötet. Nach Informationen des Fernsehsenders „Al-Mayadeen“ eröffneten Unbekannte in der Nähe der Stadt Tartus das Feuer auf das Auto des Ministers.

Eine Delegation der Nationalen Syrischen Allianz reiste indes nach Genf, um Gespräche mit Regierungsvertretern aus Russland und den USA sowie mit UN-Vermittler Lakhdar Brahimi zu führen. Es geht um die Vorbereitung für die geplanten Syrien-Friedensverhandlungen, an denen auch Vertreter des Regimes von Präsident Baschar al-Assad teilnehmen sollen. Einen Termin für die Verhandlungen gibt es noch nicht.

dpa

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