Drei Fragen an den Vorsitzenden der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten

Sprechet dä dann Platte? Warum unser Dialekt wieder modern ist

Fast die Hälfte der Nutzer sprechen laut unserer nicht repräsentativen Facebook-Umfrage gern Dialekt. Zum internationalen Tag der Muttersprache haben wir mit einem Experten gesprochen: Darum ist Platte wieder in.

Wir wollten von unseren Lesern wissen, ob sie noch Dialekt sprechen, und haben eine Facebook-Umfrage gestartet. Auf die Frage "Sprechet dä dann Platte", also "Sprecht ihr Dialekt", haben 1100 Nutzer geantwortet, ganze 519 von ihnen klickten auf „alszus!“ - also "ständig".

Sprechen heute tatsächlich wieder mehr Menschen Dialekt? Und warum ist Platte wieder in? Das wollten wir bei der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten herausfinden. Drei Fragen an den Vorsitzenden Roland Siebert:

Herr Siebert, haben Sie das Gefühl, dass wieder mehr Menschen nordhessische Dialekte sprechen?

Roland Siebert: Das ist regional sehr verschieden: Vor allem in Höhenlagen des Mittelgebirges wie im Knüll ist der Dialekt heute stärker verbreitet als in flachen Regionen. Insgesamt stellen wir aber fest, dass die Begeisterung für Mundart wieder deutlich zu spüren ist. Wir laden zu verschiedenen Mundartveranstaltungen ein und bieten Werkstätten für Kinder und Erwachsene an. Beides wird mittlerweile stark gefragt. In manchen Dörfern gibt es sogar Gottesdienste in Mundart, die wesentlich mehr Menschen in die Kirchen locken als normale Gottesdienste.

Können Sie schnuddeln wie die Nordhessen? Nehmen Sie an unserem Quiz teil: 

Woher kommt diese neue Begeisterung?

Roland Siebert: Sie hängt mit einer immer unübersichtlicher werdenden Welt zusammen. Die Menschen suchen nach Heimat. Sie brauchen etwas, in dem sie sich zu Hause fühlen, einen überschaubaren Bereich, in dem sie Freunde haben. Mundart ist eine der besten Möglichkeiten, Heimat aufleben zu lassen. Sie ist die Sprache der Kindheit, sie weckt bei uns viele schöne Erinnerungen.

Was ist das Besondere an nordhessischen Dialekten?

Roland Siebert: Nordhessen war für viele Stämme und Völker Durchzugsgebiet. Sie haben einen Mischmasch an Sprachen, Sitten und Bräuchen hinterlassen. Bis heute gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Färbungen, teilweise hat jedes Dorf seine eigene Mundart. Nach dem Krieg hat man bei uns an den Schulen versucht, Dialekt auszutreiben. Es hieß: "Wer dämliches Platte spricht, kann kein Deutsch lernen." In vielen Elternhäusern hat man das geglaubt. Diese Einstellung hat wohl auch dazu geführt, dass Platte heute nicht mit dem gleichen Selbstbewusstsein wie beispielsweise das Bayerische gesprochen wird. Dabei wissen wir heute: Wer mit einer Mundart groß wird, kann sogar leichter Fremdsprachen lernen.

Hier geht es zu unserem Mundart-Lexikon.

Roland Siebert

Roland Siebert wurde vor 78 Jahren in Berndshausen (Knüllwald im Schwalm-Eder-Kreis) geboren. Zuletzt war er Lehrer für Erdkunde, Englisch und Geschichte in Treysa. Mit seiner Frau lebt er in Neuental-Dorheim, die beiden haben drei erwachsene Söhne.

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