Ansteckende Krebs-Krankheit

Tasmanischer Teufel bald ausgelöscht?

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Der Tasmanische Teufel ist bedroht.

Sydney - Ein Biss, und das nächste Tier ist mit der tödlichen Krankheit infiziert. Genau das ist das Schicksal des Tasmanischen Teufels, der auf einer Insel vor Australien lebt.

Der aggressive Tumor, der das etwa katzengroßes Raubtier an den Rand des Aussterbens gebracht hat, wird durch Bisse von Tier zu Tier übertragen. Seit dem ersten Fall der rätselhaften Krebserkrankung vor über 15 Jahren ist der Bestand des fleischfressenden Beuteltiers um 85 Prozent zurückgegangen.

„Es ist eine sehr ungewöhnliche Krankheit, weil sie zu 100 Prozent tödlich verläuft“, sagt Rodrigo Hamede, Zoologe an der Universität Tasmanien in der Inselhauptstadt Hobart. Schätzungen zufolge gibt es nicht einmal mehr 20 000 gesunde Tiere auf Tasmanien, der einzigen Heimat des Teufels. Einige Experten geben dem Tier noch 20 Jahre in der Wildnis. Die Aussichten sind schlecht.

Rote Liste: Diese Arten sind bedroht

Bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat nun eine neue rote Liste bedrohter Arten veröffentlicht. Einige der Tiere sehen Sie in unserer Fotostrecke: © Bosse Jonsson dpa
Bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Hier eine Königskobra. © Bosse Jonsson dpa
Bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Auch der Rote Fruchtvampir (Stenoderma Rufum) steht auf der Roten Liste. © Allen Kurta dpa
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Genauso wie der Rotkehl-Brilliantkolibri (Heliodoxa gularis). © Chris Sloan dpa
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Neu auf der Liste ist der Springaffe Callicebus caquetensis. © Javier Garcia dpa
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Ebenfalls bedroht: Der Netz-Peitschenschwanz-Rochen (Himantura leoparda). © Joe Wu dpa
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Der Giant Australian Cuttlefish (Sepia apama) wurde 2012 erstmals in die Rote Liste aufgenommen. © Roger Hanlon dpa
Bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Das Korallenriff auf den Raja Ampat-Inseln im Süden Indonesiens: 33 Prozent der Riffe bildenden Korallen gelten als bedroht. © IUCN Photo Library/Jason Suwandy dpa
Bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Das Foto zeigt einen Israelische Scheibenzüngler (engl. Hula Painted Frog - Discoglossus nigriventer), der bereits als ausgestorben galt und jetzt wiederentdeckt wurde. © Oz Rittner dpa
Bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Auch bedroht: Der Große Feuerfalter (Lycaena dispar). © Wikimedia Commons, user: Rosenzweig dpa
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Die Burmesische Python (Python bivittatus) ist auch vom Aussterben bedroht. © Mark Auliya dpa
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Hier ein Nolasco Spiny-tailed Iguana (Ctenosaura nolascensis). © Scott Trageser dpa
Dieser Vogel ist in Südkorea zuhause und ebefalls bedroht: der Paradise Flycatcher. © dpa
Rote Liste: Diese Arten sind bedroht
Der Amerikanische Aal (Anguilla rostrata) gilt unter anderem aufgrund des Klimawandels und der Umweltverschmutzung als bedroht ("endangered"). © dpa
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Der chinesische Kugelfisch (Takifugu chinensis) ist akut vom Aussterben bedroht. © dpa
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Wegen jahrelanger Überfischung wird der Nordpazifische Blauflossen-Thunfisch als gefährdet aufgeführt. © dpa

Es gibt keine Impfung, keine Behandlung. „Wir können die Krankheit nicht ausrotten, das ist unrealistisch“, sagt Hamede. Der Krebs wird weder durch Viren noch durch Bakterien verursacht, sondern durch eine Krebszelle, die beim Biss von Tier zu Tier überspringt. Zunächst bilden sich dicke Knoten und Geschwüre um die Schnauze, dann verbreitet sich der Krebs über den ganzen Körper. Viele Tiere verhungern, weil sie nicht mehr fressen können.

„Wir hoffen, dass die Teufel lernen werden, mit der Krankheit umzugehen“, sagt Hamede. Die Wissenschaftler setzen auf die Evolution als eine der letzten Chancen für den Tasmanischen Teufel. Sie ist es, die im Normalfall dazu beiträgt, solch tückische Krankheiten zu überwinden - indem nur jene Tiere überleben und sich fortpflanzen, die Resistenzen gegen die Krankheit entwickelt haben.

Damit dieser Prozess aber im Falle der Teufel rechtzeitig fruchtet, müsste die Evolution extrem schnell voranschreiten. Fraglich bleibt, ob die Größe der Population dazu überhaupt noch ausreicht. Dem Teufel - der seinen Namen wegen seiner Wildheit, seines schwarzen Fells und den bei Aufregung rot leuchtenden Ohren trägt - bleibt nicht mehr viel Zeit. Gemeinsam mit dem Riesenbeutelmarder zählt er zu den größten noch lebenden Raubbeutler-Arten.

Die schrägsten Tiere der Welt

Opossum
Das schielende Opossum (Didelphis) Heidi im Zoo Leipzig. Das Tier hat einen Sehfehler. © dapd
Zu viel Winterspeck? Ein Katta im Hamburger Tierpark macht den Test. © ap
Dieser chinesischen Schopfhund ist 2007 zum hässlichsten Hund der Welt gewählt worden. Er wird nur bis zu 33 Zentimeter groß und ist in dieser Variante haarlos. © AP
Huch? Ist ein Storch nicht eigentlich weiß? In Briesen (Brandenburg) wurde dieser blaue Storch gesichtet. © dpa
Mit seiner großen gurkenförmigen Nase gehört der Nasenaffe nicht zu den gängigen Naturschönheiten. Er lebt nur auf der indonesischen Insel Borneo, immer nah am Wasser und in Mangrovenwäldern. © dpa
Diese Königskrabbe kann bis zu 15 Kilogramm schwer werden und erreicht eine Spannweite von bis zu zwei Metern. Sie ist auch als "Kamtschatka Riesenkrabbe" bekannt. Sie stammt aus dem nördlichen Pazifik vor Japan und Alaska. © AP
Diese japanische Riesenkrabbe spielt mit einem Mini-WM-Ball. Sie ist die größte lebende Krebsart. Ihre Spannweite beträgt knapp vier Meter. © dpa
Zwei Sphinx-Katzen. Sie sind eine kanadische Katzenart. Auf den ersten Blick ist die Sphinx-Katze haarlos, doch bei näherer Betrachtung ist ein zarter Flaum zu erkennen. Sie ist sehr intelligent und ihre Haut bräunt im Sommer ebenso wie die des Menschen. © AP
Die Sphinx-Katzen Hale-Bopp (links) und Beanie Baby ruhen sich bei einer Tiershow aus. © AP
Es gibt den reinrassige chinesische Schopfhund auch in der Variante „Powder Puff“ mit ganz feinem Fell. Auch dieses Exemplar wurde ebenfalls beim World's Ugliest Dog Contest in Petaluma, Kalifornien, 2007 gesehen. © AP
Dieser chinesische Schopfhund besitzt nur ein Auge und drei Pfoten. Der arme Kerl gewann 2008 den Titel des hässlichsten Hundes der Welt. Chinesische Schopfhunde gelten als verspielt, aufgeweckt und gefühlvoll. © AP
Miss Ellie ist 15 Jahre alt und blind. Beste Voraussetzungen für die reinrassige chinesische Schopfhündin, den begehrten Titel des hässlichsten Hundes der Welt abzuräumen. © AP
Der mexikanische Schwanzlurch hat eine besondere Fähigkeit: Er kann verlorene Gliedmaßen nachwachsen lassen. In ihrer Heimat gehören Axolotl zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. © dpa
Bei uns werden Axolotl für die Wissenschaft genutzt. An ihnen wird das Wachsen von Zellen aus dem Embionalstadium beobachtet. Die Tiere wachsen ein Leben lang, im Alter allerdings immer langsamer. © dpa
„Astaroth“ ist ein Aye-Aye-Männchen. Das Fingertier verfügt über bis zu acht Zentimeter lange Finger mit denen es sich sein Essen angelt. Fingertiere leben nur noch auf Madagaskar. © dpa
„Sam“ war drei Jahre in Folge der hässlichste Hund der Welt. Der chinesische Schopfhund wurde inzwischen eingeschläfert, seine Website gibt es aber immer noch. © dpa
Der Nacktmull lebt in Halbwüsten in Äthiopien, Kenia und Somalia und ist ein Sandgräber. Er lebt in von Weibchen geleiteten großen Kolonien. © dpa
Der Nacktmull (hier im Dresdener Zoo) gilt als das sozialste Tier der Welt, hat aber ein echtes Imageproblem wegen seines Aussehens. © dpa
Der Seeteufel (vorne) oder auch Lotte genannt lebt im nordöstlichen Atlantik und ist wegen seines weißen und festen Fleisches beliebt. Im Hintergrund ein Felsenbarsch. © dpa
Der Sternmull ist eine Maulwurfart und hat rund um seine Schnauze 22 fingerförmige Hautanhänge. Er lebt an Land, jagt aber auch im Wasser. Um seine Beute aufzuspüren, bläht er Luftblasen auf, saugt sie sofort wieder ein und nimmt so die Duftstoffe der Beute war. Dann weiß er, wohin er schwimmen muss. © Ken Catania/Nature/dpa
Dieser Kater heißt Frank bzw. Louie. Je nachdem von welcher Seite man ihm ins Gesicht schaut. Er lebt in Worcester im Bundestaat Massachusetts. © 

„Es gibt keine Hoffnung, dass die Krankheit einfach verschwindet“, sagt Kathy Belov von der Universität Sydney. Die Krankheit sei rätselhaft: „Denn normalerweise kann man sich mit Krebs nicht anstecken“, sagt die Tierärztin. „Es gibt einige Krebsarten, die durch einen Virus verursacht werden, wie etwa Gebärmutterhalskrebs, der durch Papilloma-Viren ausgelöst wird“, erklärt sie weiter. „Bei den Teufeln aber sind die Krebszellen selbst die Erreger.“

Entschlossen versuchen Wissenschaftler zu verhindern, dass dem Teufel das gleiche Schicksal widerfährt, wie einst dem Tasmanischen Tiger, einem anderen fleischfressenden Beuteltier auf der großen Insel südlich Australiens. Das einst verbreitete Raubtier wurde vom Menschen gejagt, weil es als Schafskiller galt. Das letzte Exemplar dieser Art starb 1936 in einem Zoo in Hobart.

Australiens Forscher hoffen zwar auf die Evolution, doch sie müssen auch handeln: Um das Überleben des Tasmanischen Teufels zu sichern, haben sie mit der Zucht der Tiere begonnen. Dazu brachten sie gesunde Teufel in abgesperrte Gebiete auf dem australischen Festland. Das funktioniere gut, heißt es. Mit einer neuen Initiative sollen gesunde Tiere nun auch auf der kleinen Insel Maria vor Tasmanien ausgesetzt werden - und dort ein neues Leben beginnen.

dpa

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