Nach Finanzskandal

Protz-Bischof lässt sich Ruhestand vergolden

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Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geht in den Ruhestand.

Limburg - Nach dem Finanzskandal geht der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in den Ruhestand. Es wird ihm wohl an nichts mangeln. 

Bistumsleiter Manfred Grothe berichtete der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch), dass sich das Bistum mit Tebartz-van Elst einvernehmlich auf dessen Ruhestandsgehalt geeinigt habe. Einem Bericht von hr-online zufolge erhält der Bischof 6662,16 Euro. Das entspricht rund 71 Prozent des letzten Gehaltes, das nach der Besoldungsgruppe B8 für Beamte gezahlt worden sei. Davon gebe es noch Abzüge, weil der frühere Limburger Bischof noch in der Dienstwohnung wohne. Ein Sprecher des Bistums war am Donnerstag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bereits Ende April hatten hatten zwanzig Priester des Bistums gefordert, Tebartz-van Elst solle auf einen Teil seines Ruhestandsgehalts verzichten und es als Genugtuung dem Bistum für karitative Zwecke spenden.

Tebartz-van Elst lebt unterdessen weiter in seiner teuren Limburger Dienstwohnung. Grothe meinte dazu: "Es ist keine gute Situation, weder für den Bischof noch für die Diözese." Sein ständiger Vertreter Wolfgang Rösch ergänzte, man habe den Gottesmann "klar gebeten" , dass er dort "so schnell wie möglich" ausziehen solle. Der abberufene Geistliche wisse selbst auch, "dass er dort quasi gefangen ist" wie in einem "goldenen Käfig". "Er kann ja nicht einmal Brötchen holen, ohne aufzufallen", so Rösch.

Tebartz-van-Elst: Chronik des Skandals

Tebartz-van Elst
19. August 2012: Tebartz-van Elst sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin „Der Spiegel“. Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. © dpa
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29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bischof wegen möglicher Falschaussage über seinen Flug nach Indien. © dpa
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28. Juni: Die umstrittene neue Bischofsresidenz hat nach Angaben des Limburger Bistums knapp 10 Millionen Euro gekostet - rund viermal so viel wie ursprünglich geplant. Der Bischof betont, dass der Bau schon 2007 vor seinem Antritt beschlossen worden sei. © dpa
Tebartz-van Elst
9. Juli: Das Bistum korrigiert die Gesamtkosten für die neue Residenz nach oben. Sie lägen deutlich über 10 Millionen Euro. © dpa
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25. August: Im Bistum beginnt mit einem Offenen Brief eine Unterschriftensammlung gegen die Amtsführung des Bischofs. Gefordert wird eine umfassende Aufklärung über die Kosten der Residenz. © dpa
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29. August: Das streng konservative „Forum Deutscher Katholiken“ ruft zur Solidarität mit dem Oberhirten auf. © dpa
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1. September: Tebartz-van Elst bittet alle Gläubigen seines Bistums in einem Brief um Vertrauen und räumt Fehler ein. © dpa
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9. September: Der päpstliche Gesandte Giovanni Kardinal Lajolo besucht Limburg. Der Bischof sichert wenige Tage später zu, alle Kosten für die Baumaßnahmen Prüfern zugänglich zu machen. © dpa
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23. September: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kritisiert Tebartz-van Elst wegen der Finanzaffäre. Eine Kommission werde untersuchen, warum die Kosten für das neue Domizil explodierten. © dpa
Tebartz-van Elst
25. September: In Zusammenhang mit dem Flug nach Indien beantragt die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. © dpa
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7./8. Oktober: Das Bistum beziffert die Kosten für den neuen Bischofssitz jetzt auf 31 Millionen Euro. Kritiker werfen dem Bischof Täuschung vor und fordern seinen Rücktritt. © dpa
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10. Oktober: Tebartz-van Elst verteidigt die Kostenexplosion. „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche“, sagt er der „Bild“-Zeitung. © dpa
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13. Oktober: Zeitungen berichten über bis zu 40 Millionen Euro Gesamt-Finanzbedarf für die Limburger Residenz und Versuche, die Kostenexplosion zu verschleiern. Tebartz-van Elst reist nach Rom, um mit Papst Franziskus zu sprechen. © dpa
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17. Oktober: Der Papst empfängt Erzbischof Zollitsch. In dem Gespräch geht es auch um den Skandal in Limburg. Details werden nicht bekannt. © dpa
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18. Oktober: Die Kirchenkommission beginnt damit, die Vorgänge um den Bau des Bischofssitzes zu prüfen. © dpa
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21. Oktober: Papst Franziskus empfängt den Limburger Bischof. © dpa
Tebartz-van Elst
23. Oktober: Papst Franziskus setzt den bereits designierten Generalvikar Wolfgang Rösch (54) mit sofortiger Wirkung ins Amt ein. Bischof Tebartz-van Elst erhält „eine Zeit außerhalb der Diözese“, weil er „seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben“ könne. © picture alliance / dpa
Tebartz-van Elst
18. November: Das Hamburger Amtsgericht stellt mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen Tebartz-van Elst wegen falscher eidesstattlicher Äußerungen im Zusammenhang mit dessen Erste-Klasse-Flug nach Indien vorläufig ein. Die Einstellung wird rechtskräftig, sobald der Bischof 20.000 Euro zahlt. © picture alliance / dpa

Das Bistum bemüht sich derweil weiter um die Bewältigung der Krise. „Ich dachte ja anfangs, ich würde nur ein halbes Jahr hierbleiben, um die machbaren Probleme zu lösen“, sagte Grothe. „Aber die Aufgaben, die nicht einfach von jetzt auf gleich zu lösen sind, brauchen mehr Zeit.“

Der Papst hatte Tebartz-van Elst Ende März wegen der Affäre um seinen neuen Bischofssitz und der Kritik an seinem Führungsstil des Amtes enthoben. Einen Nachfolger für ihn gibt es noch nicht. Weihbischof Grothe fungiert als Apostolischer Administrator.

dpa/hn

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