Teleshopping im Trend: Einkaufsbummel per Fernbedienung

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Teleshopping-Sender sind meist ganz hinten auf der Fernbedienung. Und doch nutzen immer mehr Verbraucher ihren Fernseher für einen Einkaufsbummel von der Couch aus. Die Umsätze der Branche steigen.

An der Kochblume kommt bei QVC niemand vorbei. Für kein Produkt haben sich die Kunden des Düsseldorfer Teleshopping-Senders im vergangenen Jahr häufiger entschieden als für den bunten Überkochschutz aus Silikon. QVC ist mittlerweile - nach dem Aus von Neckermann - zum fünftgrößten Versandhändler in Deutschland aufgestiegen, wie eine Studie der Strategieberatung Goldmedia belegt.

Der klassische Kataloghandel löst sich zunehmend auf. Große Teile des Geschäfts hat der Internethändler Amazon übernommen. Doch auch die Fernsehsender, die meistens ganz hinten auf der Fernbedienung programmiert sind, spielen eine zunehmende Rolle. Im Versandhandel wurde im Jahr 2011 in Deutschland für insgesamt 34 Milliarden Euro bestellt. 1,37 Milliarden Euro entfallen davon auf Teleshopping-Sender, so Goldmedia. QVC machte davon allein etwa 770 Millionen Euro Umsatz, so der Sender. Zu keiner anderen Zeit im Jahr erziele der Sender mehr Umsatz als im vierten Quartal kurz vor Weihnachten, sagt Thomas Müller, TV-Direktor von QVC Deutschland. „Dann geht''s richtig rund bei uns.“

Der Sender QVC wurde 1986 in den USA gegründet und ist mit Kanälen in den USA, Italien, Japan und Großbritannien nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Teleshoppingbereich. In Deutschland ging der Sender am 1. Dezember 1996 an den Start. Gesendet wird aus Düsseldorf, die Call-Center befinden sich in Kassel und in Bochum. Im nordrhein-westfälischen Hückelhoven steht das Logistikzentrum des Shoppingsenders. Insgesamt arbeiten 3900 Menschen für QVC.

Der zweite große Spieler auf dem Teleshopping-Markt ist „HSE 24“ mit Sitz in München und einem Nettoumsatz von 470 Millionen Euro (Vorjahr: 441 Mio Euro), so Goldmedia. Weniger Menschen bestellen bei den kleineren Sendern „123 TV“ (Umsatz 100 Mio Euro) und „Channel 21“ (60 Mio Euro). Die Moderatoren im Teleshopping präsentieren die Produkte immer mit ein bisschen Emotionalität. Denn sie wissen: Vor allem Frauen jenseits der 50 nutzen ihren Fernseher mehr und mehr für einen Einkaufsbummel von der Couch. Oftmals sind es Bauchentscheidungen.

Über QVC liegen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen keine Verbraucherbeschwerden vor, so Rechtsanwalt Thomas Bradler von der Gruppe Verbraucherrecht. An Homeshopping selbst sei nichts auszusetzen, solange sich die Anbieter an die gesetzlichen Regelungen hielten und insbesondere ihre Informations- und Belehrungspflichten erfüllten. Da es sich um Fernabsatzgeschäfte handele, habe der Kunde regelmäßig ein Widerrufsrecht. So ist der Verbraucher auch geschützt, wenn etwas mit der Qualität der Ware oder der Realitätsnähe der Werbevideos nicht stimme, betont Bradler.

Auch mit Mode lässt sich guter Umsatz erzielen, sagt TV-Chef Müller von QVC. Bekannt ist vor allem die aufwendig verzierte Damenbekleidung des schrillen Designers Harald Glööckler. Die Markenzeichen seiner QVC-Kollektion: Strasssteinchen und goldene Krönchen.

Durchschnittlich 100 000 Zuschauer pro Stunde verfolgen die Produktpräsentationen des Düsseldorfer Shoppingkanals, berichtet Müller. Auch in der Nacht bleiben noch bis zu 15 000 Zuschauer am Bildschirm kleben. 23 Stunden wird täglich live mit einem der 23 Moderatoren gesendet. „Primetime“, also die Hauptsendezeit, beginnt bei QVC um Mitternacht. Dann wird in schöner Regelmäßigkeit das neue Tagesangebot vorgestellt, das in besonders hohen Stückzahlen auf seine Abnehmer wartet.

Von Andreas Sträter, dpa

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