Trunkenheitsfahrten in Thailand

Alkohol am Steuer: Dienst in Leichenhalle als Strafe

Bangkok. Wer betrunken Auto fährt, muss in Thailand künftig mit einer ungewöhnlichen Strafe rechnen: Dienst in einer Leichenhalle. So sollen Verkehrssünder lernen, was passieren kann, wenn sie mit Alkohol im Blut am Steuer sitzen.

„Bisher wurden Dienste in Krankenhäusern verordnet“, sagte der thailändische Behördenvertreter Nontajit Netpukkana jetzt. „Aber wir denken, dass die Arbeit in einer Leichenhalle den Bestraften klarer macht, was bei Unfällen im Zusammenhang mit Trunkenheit am Steuer passieren kann.“

Die Aufgaben der Übeltäter: Leichen waschen und transportieren. Die Ankündigung erfolgte kurz vor dem dreitägigen Songkan-Fest, dem thailändischen Neujahrsfest, das stets ausgelassen und mit viel Alkohol gefeiert wird. Hinzu kommt, dass viele Thailänder während der Feiertage lange Reisen in ihre Heimatorte unternehmen.

Jedes Jahr sterben während der Songkan-Feiern Hunderte Menschen bei Verkehrsunfällen. Aber auch an gewöhnlichen Tagen ereignen sich in Thailand häufig schwere Unfälle. Viele Thailänder fahren mit dem Motorrad und ohne Helm. Trotz seines relativen Wohlstands und seiner guten Infrastruktur hat das Land in Bezug auf die Zahl der Verkehrstoten die zweitgefährlichsten Straßen der Welt - nach Libyen.

Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben auf den Straßen des südostasiatischen Landes jedes Jahr 24.000 Menschen - das sind pro Tag durchschnittlich 65 Tote. Zum Vergleich: In Deutschland starben im vergangenen Jahr 3475 Menschen im Straßenverkehr. Und das, obwohl hier mit 80 Millionen Einwohnern 13 Millionen mehr leben als in Thailand. Bislang waren die Strafen offenbar nicht abschreckend genug - auch nicht die von der Militärjunta zum Jahreswechsel eingeführte Möglichkeit, die Autos betrunkener Fahrer einzukassieren.

Ungewöhnliche Strafen gegen Verkehrsrowdys werden auch in anderen Ländern verhängt. So musste einmal ein Mann, der betrunken mit seinem Auto gegen eine Überführung gefahren war, zehn Tage an einer stark befahrenen Kreuzung in Indiens Hauptstadt Delhi den Verkehr regeln - also an einem Knotenpunkt, an dem täglich unzählige Fahrer weniger auf die Verkehrsregeln achten als mehr mit Hupe und Gaspedal um ihr Recht kämpfen. Nach dem Kreuzungsdienst sagte der Mann: „Ich werde nie wieder trinken und dann fahren. Das sollte niemand tun.“

Hintergrund: Strafen in Deutschland für betrunkene Fahrer

Wer in Deutschland betrunken Auto fährt und erwischt wird, für den gelten diese Strafen:

• 0,5 bis 1,09 Promille Alkohol im Blut: 500 Euro Bußgeld, 1 Monat Fahrverbot, 2 Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg.

• 0,5 bis 1,09 Promille und zuvor schon einmal betrunken am Steuer erwischt: 1000 Euro Bußgeld, 3 Monate Fahrverbot, 2 Punkte.

• 0,5 bis 1,09 Promille und zuvor schon zweimal betrunken am Steuer erwischt: 1500 Euro Bußgeld, 3 Monate Fahrverbot, 3 Punkte.

• 1,1 und mehr Promille Alkohol im Blut (absolute Fahruntüchtigkeit): Freiheits- oder Geldstrafe, das Fahrverbot variiert, 3 Punkte.

• Null-Promille-Regel als Fahranfänger nicht eingehalten: 250 Euro Bußgeld, kein Fahrverbot, 1 Punkt.

• Gefährdung des Verkehrs unter Alkoholeinfluss (gilt ab 0,3 Promille): Entziehung des Führerscheins, Freiheits- oder Geldstrafe, 3 Punkte. (AFP/abg)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa/Archiv

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