Wie jedes Jahr in der Ferienzeit geben Tierhalter vor ihrem Urlaub verstärkt Vierbeiner ab

Im Tierheim wird es jetzt voll

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Zuerst der Katzennachwuchs, jetzt die Ferienwaisen: Im Tierheim in Göttingen nimmt die Arbeit nicht ab – hier Leiterin Sabine Kober mit einer jungen Katze.

Altkreis Münden. Zwei Kaninchen, gepackt in einen Karton – das waren die letzten Haustiere aus Hann. Münden, die Sabine Kober, Leiterin des Tierheims in Göttingen, entgegen genommen hat. „Und es werden nicht die letzten sein“, ist sie sich sicher.

Die Sommerferien haben erst angefangen. „Es wird noch einigen Leuten einfallen, dass sie lieber in den Urlaub fahren wollen statt sich um ihre Haustiere zu kümmern.“

Tatsächlich sei das Aussetzen von Haustieren aller Art ein typisches Sommerphänomen. „Der Tierbestand in unserem Tierheim nimmt in den großen Ferien jedes Jahr um bis zu 20 Prozent zu“, sagt Kober. Weil sie das einzige Tierheim weit und breit leitet seit es in Hann. Münden keines mehr gibt, sind sie und ihr Helferteam die zentrale Anlaufstelle für die gesamte Region.

Natürlich sei es schwierig, böswillig ausgesetzte Tiere von lediglich ausgebüchsten Hunden, Katzen oder Kaninchen zu unterscheiden. „Nicht zu erklären ist aber, warum ausgerechnet während der Ferienzeit so viele Tiere von zu Hause weglaufen“, macht Kober deutlich. „Da wird ganz klar nachgeholfen.“

„Der Tierbestand in unserem Tierheim nimmt in den großen Ferien jedes Jahr um bis zu 20 Prozent zu.“

Sabine Kober, Leiterin des Tierheims Göttingen

Oft würden die Tiere von unbeteiligten Dritten gefunden – irgendwo in Vorgärten, auf Wiesen oder mitten im Wald – , an die Feuerwehr weitergegeben und dann ins Tierheim Göttingen gebracht, sagt Kober. „Neulich hatten wir hier einen Hund, zehn Jahre alt, mit einem Zettel um den Hals. Der Vorbesitzer hat uns wenigstens noch den Namen des Vierbeiners verraten.“

Nacht- und Nebelaktion

Beliebt sei es auch, Tiere „anonym“ direkt vor dem Tierheim abzustellen – meist heimlich in einer Nacht – und Nebel-Aktion. Vorläufiger Höhepunkt war hier ein kompletter Kaninchenstall – rappelvoll mit völlig verwahrlosten Tieren. „Die Kaninchen können von sonstwo herkommen – vielleicht auch aus dem Altkreis“, sagt Kober.

Die Aufnahme neuer Tiere sei zunächst einmal ein Kostenfaktor. „Jede Katze, jeder Hund wird zunächst tierärztlich versorgt. Wurmkur, Entflohung, Impfung, das kostet bis zu 60 Euro“, erklärt Kober.

So werde in den Sommermonaten regelmäßig das Budget überzogen. „Wir finanzieren uns nur über Spenden, eigene Aktionen wie Feste oder Börsen und über die Fundtierzuschüsse der Kommunen.“ Die Stadt Hann. Münden und auch Dransfeld sind dabei, während Staufenberg einen Vertrag mit dem Tierheim in Kassel hat. „Die Zuschüsse allein reichen aber hinten und vorne nicht“, so Kober.

Grundsätzlich muss jedes Tierheim aufgefundene Tiere aufnehmen, „selbst wenn es langsam eng wird“. Im Tierheim Göttingen kümmern sich vier Festangestellte, zwei Halbtagskräfte und 15 Ehrenamtliche um rund 150 Hunde, Katzen und Kleintiere. Die Vermittlungsarbeit sei mühsam und langwierig. „Bei den Hunden haben wir inzwischen wieder ein bisschen Luft“, sagt Kober, „aber wie gesagt, die Ferien sind noch nicht zu Ende.“ (bon)

Kontakt: Tierschutzverein Göttingen und Umgebung, Tierheim Göttingen, Leiterin Sabine Kober, Auf der Hufe 4-10, 37079 Göttingen, Telefon: 0551 / 61 57 5

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