Polizeilicher Abschlussbericht

Der Todesschütze von Las Vegas bleibt ein Rätsel - doch ein paar Fragen wurden nun geklärt

+
Auf dem W Hotel in Las Vegas prangte kurz nach dem Massenmord ein Zeichen mit der Aufschrift „Pray for Las Vegas“. 

Fast ein Jahr liegt das abscheulichste Massaker der jüngeren US-Geschichte nun zurück. Der von der Polizei vorgelegte Abschlussbericht gibt viele Antworten - doch ein Rätsel bleibt ungelöst. 

Las Vegas - Das Motiv des Todesschützen von Las Vegas, der von einem Hotelfenster aus 58 Menschen erschoss, bleibt wohl für immer rätselhaft. Auch der am Freitag von der Polizei vorgelegte Abschlussbericht konnte keine Erklärung für das Massaker liefern. Es sei unklar, warum ein "unauffälliger" wohlhabender Buchhalter das schlimmste Blutbad der jüngeren US-Geschichte angerichtet habe, teilten die Ermittler mit.

Die erschütternde Bilanz des Massakers: 58 Todesopfer, mehr als 800 Verletzte

Der 64-Jährige Stephen Paddock hatte am 1. Oktober 2017 aus einer Suite im 32. Stock des Hotels "Mandalay Bay" in Las Vegas mit automatischen Waffen auf Besucher eines Freiluft-Konzerts geschossen. 58 Menschen wurden getötet, mehr als 800 weitere verletzt. Insgesamt feuerte Paddock mehr als 1000 Schüsse ab. Dann erschoss er sich selbst, als Polizisten seine Suite stürmten.

Dem Abschlussbericht zufolge handelte Paddock als Einzeltäter. Es gebe keinerlei Hinweis auf eine politische Radikalisierung des Täters. "Wir konnten die Fragen nach dem wer, was, wann, wo und wie beantworten", sagte Sheriff Joe Lombardo bei der Vorstellung des Abschlussberichts. "Was wir nicht endgültig beantworten konnten ist die Frage, warum Stephen Paddock diese Tat verübt hat." Allerdings gebe es Hinweise auf eine psychische Erkrankung.

Paddock war zu Lebzeiten psychisch labil, Hinweise auf eine derarte Radikalisierung habe es jedoch nicht gegeben

Eine Verbindung zu der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) schlossen die Ermittler definitiv aus. Diese hatte das Massaker für sich reklamiert. Es gebe aber keinerlei Hinweise darauf, dass der Täter "irgendeine Hass-Gruppe oder irgendeine in- oder ausländische Terrororganisation unterstützte oder ihr folgte".

Nach Aussage seines Arztes habe Paddock zwar an einer seelischen Störung gelitten, jedoch keine Verhaltensauffälligkeiten gezeigt, die einen Hinweis an die Polizei notwendig gemacht hätten. Dem Mediziner zufolge habe der 64-Jährige möglicherweise an einer bipolaren Störung gelitten, eine Behandlung jedoch abgelehnt.

"Nach allem was wir wissen, war Stephen Paddock ein unauffälliger Mann, dessen Verhalten bis zum 1. Oktober keinerlei Verdacht erregte", sagte Lombardo. Da er kein Manifest oder auch nur Notizen hinterlassen habe, könnten auf Basis der verfügbaren Informationen lediglich begründete Mutmaßungen über sein Motiv angestellt werden. In den nächsten Monaten wollten Spezialisten der Bundespolizei FBI noch ein psychologisches Profil erstellen.

Laut Abschlussbericht wuchs Paddock als einer von vier Brüdern bei seiner Mutter auf, während sein Vater wegen eines Bankraubs im Gefängnis saß. Nach seiner College-Ausbildung arbeitete er für die US-Steuerbehörden und als Buchhalter für verschiedene größere Unternehmen. Demnach verdiente er ein erhebliches Vermögen, das er in Immobilien investierte. Zeitweise besaß er ein Flugzeug.

Paddock galt als Narzisst, der Beziehungen zu anderen Menschen nur zum eigenen Vorteil pflegte

Zugleich gab es Hinweise, dass er ein notorischer Glücksspieler war und in den letzten Jahren sehr viel Geld verlor. Außerdem häufte er zahlreiche Waffen an. Allein in dem Hotelzimmer fand die Polizei nach dem Massaker 24 Schusswaffen, darunter zehn halbautomatische AR 15-Sturmgewehre mit übergroßen Magazinen.

Bekannte schilderten Paddock dem Bericht zufolge außerdem als einen ausgeprägten Narzissten. Ihren Angaben zufolge brauchte er das Gefühl, wichtig zu sein. Beziehungen zu anderen Menschen bewertete er nur danach, welchen Vorteil er daraus ziehen konnte.

Einer seiner Brüder berichtete den Ermittlern, er glaube, Paddock habe seine Tat verübt, "weil er bereits alles getan hatte, was er wollte und von allem gelangweilt war". Er gehe ferner davon aus, dass sein Bruder bewusst die Tötung vieler Menschen plante, weil er als der Täter in Erinnerung bleiben wollte, auf dessen Konto die meisten Opfer gingen.

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.