Körper bringen über 50.000 Euro

Tödlicher Aberglauben bedroht Albinos

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Albinismus ist in Afrika oft mit Gefahr und Angst verbunden. Vorurteile und Aberglaube sind Wurzeln von Verfolgung und Mord. Siphenati Nayekiso entging einer Entführung knapp.

Kapstadt. Menschen mit Albinismus müssen in Afrika Verfolgung und Mord fürchten. Angebliche Wunderheiler wollen ihre Körperteile für ominöse Zaubermittel. Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung für die Albinos.

Noch heute erinnert sich Siphenati Nayekiso mit Schrecken an den Tag, an dem er entführt werden sollte. "Ich war noch klein und spielte draußen, als zwei Männer auf mich zukamen, mich packen und mitnehmen wollten. Zum Glück war eine Nachbarin in der Nähe, sie schrie laut und verjagte die Männer. Wahrscheinlich wäre ich sonst schon lange tot."

Der heute 21-Jährige ist ein Albino und gilt in Afrika als weißer Schwarzer: Seiner Haut und seinen Haaren fehlen Farbpigmente. Mit seiner hellen Haut fällt Siphenati Nayekiso auf. Albinismus in Afrika bedeutet häufig ständige Gefahr und lebenslange Angst. Vorurteile und Aberglaube sind oft die Wurzeln von Verfolgung und Mord.

"Je ungebildeter die Leute sind, desto verbreiteter sind Mythen von der Übernatürlichkeit der Albinos und desto häufiger werden sie ermordet", erklärt Peter Ash. Er ist Gründer und Leiter der kanadischen Organisation "Under The Same Sun" (UTSS), der nach eigenen Angaben größten Hilfsorganisation, die sich mit Albinismus in Afrika beschäftigt.

Albinos werden in Afrika häufig diskriminiert. Mancherorts werden sie verdächtigt, Unglück über Familien und Stämme zu bringen. Verfolgt und umgebracht werden Menschen mit Albinismus meist im Auftrag fanatischer Wunderheiler. "Diese Zauber-Doktoren behaupten, dass Heilmittel aus unserem Blut Aids heilen kann. Oder sie machen aus unseren Fingern Talismane, die Reichtum bringen sollen", sagt Nayekiso.

Der Leichnam eines Albinos hat für Wunderheiler nach Schätzungen der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) einen Wert von bis zu 75.000 US-Dollar (58.000 Euro). Manchmal seien es die Eltern selbst, die ihre Albino-Kinder töteten und die Körper verkauften. Denn auf dem Markt der Scharlatane sind Kinder mit Albinismus besonders begehrt, erklärt die Organisation UTSS.

Die Ausgrenzung der Betroffenen und gefährliche Mythen über diese Minderheit sind in ganz Afrika verbreitet. Besonders gefährlich scheint für diese Menschen der Osten des Kontinents zu sein. Seit 2006 wurden UTSS zufolge in Tansania mehr als 70 Albinos ermordet. 29 anderen Menschen mit der Pigmentstörung wurden demnach bei vollem Bewusstsein Gliedmaßen abgeschnitten. Aus Burundi wurden 17 Morde berichtet, erklärt die Organisation. "Die Dunkelziffer ist hoch, viele Morde und Entführungen werden nicht gemeldet", sagt Ash.

Die Regierung Tansanias hat Maßnahmen zum Schutz der Albinos ergriffen: Aufklärungskampagnen wurden gestartet, traditionelle Heiler strenger kontrolliert. Die IFRC fordert von den Regierungen Afrikas ein noch stärkeres Engagement. Notwendig seien auch mehr Hilfen für die Minderheit. "Die Verfolgung der Verbrecher ist wichtig. Aber vor allem bei der armen Landbevölkerung mangelt es an Aufklärung", klagt die Gründerin der US-Hilfsorganisation "Asante Mariamu", Susan DuBois.

Menschen mit Albinismus in Afrika leben in Angst, aber es gibt auch Hoffnung. Sie wird vermittelt von prominent gewordenen Albinos wie dem Model Diandra Forrest oder dem tansanischen Abgeordneten Salum Khalfani Bar'wani. Der international erfolgreiche Pop-Sänger Salif Keita war als Kind von seiner adligen Familie in Mali verstoßen worden. Zu Wohlstand gekommen, gründete er die Albino-Hilfsorganisation "Salif Keita Global Foundation".

Im für Albinos relativ sicheren Kapstadt kämpft Siphenati Nayekiso täglich gegen Vorurteile. "Es heißt, wir seien unsterbliche Geister. Auf der Straße drehen sich oft Frauen bei meinem Anblick weg, weil sie fürchten, sonst selbst ein Kind mit Albinismus zu bekommen", sagt der junge Mann. Trotz Ausgrenzung und Diskriminierung in der Schule hat er es geschafft und ist Lehrling in einem Theater. Er weiß, dass das vielerorts in Afrika nicht möglich wäre. (dpa)

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