Ärger um Tombola-Gewinn: Wegen Schinken vor Gericht

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Aufschnitt statt Keule: Klaus Schintag hält seinen Tombola-Gewinnschein über einen Schinken in der Hand. Doch der Gewinn, der dahinter steckte, war eine große Enttäuschung für den Mann aus Niedersachsen.

Gifhorn. Die Landjugend verdient sich mit einer Tombola auf einem Fest was dazu, der glückliche Gewinner bekommt ein saftiges Stück Fleisch. Doch die Angelegenheit ist eskaliert.

Nun muss ein Gericht entscheiden.

Was war passiert? Im vergangenen Jahr bewies in Isenbüttel (Landkreis Gifhorn) Klaus Schintag ein glückliches Händchen. Der 62-Jährige zog das richtige Los und gewann bei der Tombola einen Gutschein für "1 Schinken". Als er seinen Gewinn bei einem Partyservice abholten wollte, war er allerdings enttäuscht.

Statt der erwarteten Schweinekeule bekam er lediglich einige Hundert Gramm Schinken. "Ein Schinken ist ein Schinken - und nicht ein Viertel Schinken", sagt er. Er fragte bei der Landjugend nach, doch der Streit ließ sich nicht aus der Welt schaffen.

Eine Fall für Justitia? Aber ja doch, dachte sich der 62-Jährige. "Weil es für mich eindeutig war und für meinen Anwalt auch, kam es im Dezember zur Klageeinreichung." Schintag zog vor das Amtsgericht Gifhorn. "Geklagt ist auf Herausgabe eines Schinkens", sagt Gerichtssprecher Heinold Willers. Mitte März war Prozessauftakt.

Juristisch gibt es mehrere Haken. Das Hauptproblem: "Diese Tombola ist halt nur eine Tombola", sagt Willers. Nicht-staatliche Lotterien dieser Art würden laut Gesetz keinen Rechtsschutz genießen, wenn nicht gerade ein schwerwiegender Betrug vorliegt. Eine knifflige Sache: "Als Prüfungsfall fürs Staatsexamen wäre das wunderschön."

Der zuständige Richter Christoph Puruckherr hat der beklagten Landjugend geraten, bei künftigen Veranstaltungen die Gutscheine eindeutiger zu machen. Das hätte den Ärger möglicherweise verhindert. Allerdings ließ der Richter auch durchblicken, dass er dazu tendiere, die Klage abzuweisen. Am 27. März soll das Urteil fallen.

Doch lohnt sich denn der Riesenaufwand für einen Schinken? "Was heißt da Riesenaufwand?", fragt Schintag zurück. Zwei Anwälte hätten Briefe geschrieben, ein Richter einen Prozess eröffnet. Für Schintag ist das im Rahmen. "Wenn mich dann auch einige Leute nicht mehr grüßen, wie ich das mitgekriegt habe". Sollte er vor Gericht scheitern, will Schintag mit dem Viertel Schinken vorlieb nehmen. "Den hole ich mir."

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