Warnung vor Orkanböen

Tornado reißt Menschen ins Wasser: „Das ist traurig“ – Zahlreiche Verletzte

Ein Tornado reißt an der Kieler Uferpromenade Menschen ins Wasser. Vier Menschen werden schwer verletzt. Am Donnerstag warnt der DWD vor orkanartigen Böen.

Kiel – In Kiel hat ein Tornado am Mittwochabend (29.09.2021) mehrere Menschen ins Wasser gespült, andere wurden von Gegenständen getroffen. Der Tornado war laut Behörden gegen 18.00 Uhr über die Kiellinie – eine beliebte Promenade am Ufer – gezogen. Vier Menschen wurden nach Angaben der örtlichen Feuerwehr bei dem Ereignis schwer verletzt. Drei hätten zudem mittelschwere Verletzungen erlitten, mehrere Menschen seien leicht verletzt worden, hieß es.

Tornados auf dem Wasser sind zu dieser Jahreszeit nach Darstellung eines Meteorologen nicht ungewöhnlich – auch nicht vor Kiel. „So etwas ist absolut nicht vorherzusagen“, sagte der Kieler Diplom-Meteorologe Sebastian Wache von „WetterWelt“ der Deutschen Presse-Agentur. Entstanden sei der Tornado am Rande Kiels im Stadtteil Meimersdorf. Auch am Donnerstag (30.09.2021) warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Unwettern an der schleswig-holsteinische Nordseeküste.

Wetter in Deutschland: DWD warnt vor orkanartigen Böen bis zu 110 km/h

Bis Donnerstagvormittag sind laut dem Deutschen Wetterdienst an der Nordsee orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten bis zu 110 Kilometer pro Stunde aus West bis Nordwest zu erwarten. In Nordfriesland und Dithmarschen sei zudem mit Starkregen zu rechnen. Im Binnenland und an der Ostsee soll es zu Sturmböen kommen. Ein Wetter-Experte warnt, dass die Herbststürme Deutschland noch für einige Tage begleiten werden.

Das Videostandbild zeigt einen Tornado am frühen Abend über Kiel. Der Tornado hat nach Angaben der Polizei am frühen Mittwochabend in Kiel mehrere Menschen durch die Luft gewirbelt und ins Wasser gespült.

Bei dem Versuch, zwei Ruderboote aus dem Wasser zu retten, seien am Mittwoch in Kiel mehrere Ruderer auf einem Steg überrascht worden, teilte die Feuerwehr weiter mit. „Sie sind vollständig durcheinander gewirbelt worden und dabei sind auch Leute ins Wasser gefallen.“ Einige hätten umherfliegende Gegenstände an den Kopf bekommen. 60 Helfer waren vor Ort, der Einsatz dauerte etwa zwei Stunden.

Wetter-Experte: „Deutschland ist ein Tornadoland“

„Auf Grundlage von Bildern gehen wir davon aus, dass es sich um einen Tornado handelte“, sagte Meteorologe Michael Bauditz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) der Deutschen Presse-Agentur. Endgültig könne er es noch nicht sagen. Wetter-Experte Dominic Jung von Wetterdienst Q.met spricht von einem Tornado. „Gestern Abend hat sich während eines kräftigen Schauers ein Tornado gebildet. Das ist ein kleinräumiger Wirbelsturm“, so der Experte. Eine Zunahme von Tornados durch den Klimawandel gebe es in Deutschland jedoch nicht. „Deutschland war und ist schon immer ein Tornadoland gewesen. Bei uns gibt es jedes Jahr um die 40 bis 60 bestätigte Tornados“, sagt Jung.

Nach Angaben der Kieler Feuerwehr wurden durch den Tornado in einem Neubaugebiet in Kiel-Meimersdorf mehrere Dächer abgedeckt. In Kiel-Gaarden seien Ziegel von Dächern gerissen worden. Im Internet waren zahlreiche Videos des Vorfalls zu sehen. „Das ist ja der Hammer“, hörte man eine Stimme beim Anblick des Wetterphänomens auf einem Twitter-Video. Der Vorsitzende des Ersten Kieler Ruder-Clubs von 1862, Bernd Klose, sagte: „Es sind Menschen betroffen. Das ist traurig.“ Rund um den Verein erinnerten am späten Abend ein umgestürzter Baum, abgerissene Äste oder ein umgekippter Müllbehälter an das heftige Ereignis. „Da ist viel durch die Gegend geflogen“, sagte ein Mitarbeiter eines nahen Lokals. „Das hat alle emotional mitgenommen.“

Zum Zeitpunkt des Vorfalls saß Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) im Wirtschaftsausschuss der Stadt und erfuhr durch eine SMS der Feuerwehr von dem Sturm. Kurz danach habe er eine Kurznachricht seines Sohnes erhalten, der auf dem Weg zum Rudertraining bei dem Club war, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sein Sohn habe Glück gehabt, sei erst wenige Augenblicke nach dem Tornado dort eingetroffen. „Da sieht man, wie schnell sowas geht“, sagte der Verwaltungschef. Er sprach der Feuerwehr und den Rettungskräften seinen großen Dank aus. (Sarah Neumeyer mit dpa)

Rubriklistenbild: © Steven Hutchings/dpa

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