Bis zu 30 000 Tote jährlich durch Klinik-Infektionen

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Blick in ein Krankenhaus-Zimmer: Hygiene-Experten sprechen jetzt von einer erschreckend hohen Zahl an Todesfällen durch Krankenhaus-Infektionen.

Berlin - In Deutschland sterben nach Angaben von Fachleuten bis zu 30 000 Patienten pro Jahr an Krankenhaus-Infektionen - doppelt so viele wie bisher angenommen. Hygiene-Experten haben diese erschreckende Schätzung veröffentlicht.

Die “Bild“-Zeitung (Montag) berichtete über eine entsprechende Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und weiterer Verbände für den Gesundheitsausschuss des Bundestages. Dort gab es am Montag eine Anhörung zum geplanten Infektionsschutzgesetz.

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung forderte, die Krankenhäuser stärker in die Pflicht zu nehmen. Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) warnte unterdessen vor Schätzungen und forderte ein bundesweites Melderegister.

In ihrer Stellungnahme bezeichnen die Hygiene-Experten die bisherigen Zahlen zu Krankenhaus-Infektionen mit resistenten Erregern als “extrem niedrig“. Sie beruhten auf einer Studie aus den 90er Jahren. Dort seien nicht alle Infektionswege berücksichtigt worden. Darüber hinaus gäbe es auch in Reha-Kliniken und Arztpraxen mit ambulanten Operationen behandlungsbedingte Infektionen. Statt der bisher angenommenen bis zu 600 000 Infektionsfälle müsse von mindestens 700 000 Fällen jährlich ausgegangen werden.

Andreas Tecklenburg, Vorstandsmitglied des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands, kritisierte die Schätzungen. “Für diese Zahlen gibt es keinen Beweis. Es sind nur Hochrechnungen“, sagte der Arzt der Nachrichtenagentur dpa. Daher forderte Tecklenburg ein bundesweites Melderegister für Krankheiten, die durch die Übertragung von Erregern bei Behandlung und Pflege auftreten.

Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung alle Länder zu Hygieneverordnungen verpflichten. Bisher haben erst sieben Länder solche Verordnungen. Ärzte und Kliniken sollen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) strenger umsetzen. Am RKI ist die Kommission “Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ angesiedelt. Außerdem will der Bund überflüssige Antibiotika-Behandlungen eindämmen, damit nicht noch mehr Keime resistent werden.

dpa

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