Mehr dicke Leichen: Der Trend geht zum XXL-Sarg

Schweinfurt. „Der Tod öffnet unbekannte Türen“, lautet ein verbreiteter Trauerspruch. Für so manchen stark übergewichtigen Leichnam könnte die Tür zum Krematoriumsofen jedoch verschlossen bleiben.

Denn immer häufiger passen XXL-Särge mit Überbreite nicht mehr durch die genormten Öffnungen der Verbrennungsanlagen. Ein Umstand, der immer mehr Krematoriumsbetreiber zu Umrüstungen veranlasst hat. Als sich die Fälle häuften, in denen die übliche 80 bis 90 Zentimeter breite Ofenöffnung für Särge nicht mehr ausgereicht habe, sei die Verbrennungsanlage um einen Ofen mit XXL-Tür erweitert worden, berichtet der Leiter der Friedhofsverwaltung in Schweinfurt, Helmuth Schlereth.

„Wir hatten aber auch schon Särge, die so groß und so schwer waren, dass gar keine Feuerbestattung mehr möglich war“, erzählt er. Damit hätten aber auch die Sargträger bei der Erdbestattung ihr liebe Mühe gehabt: „Man kann so einen Sarg ja schlecht mit dem Bagger ablassen.“

Seit zehn Jahren, so bestätigt der Bundesverband Deutscher Bestatter würden moderne Verbrennungsöfen mit bis zu 110 Zentimeter breiten Türen eingebaut. Die Gewichtszunahme in der Bevölkerung hat auch den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) auf den Plan gerufen. „Wir sind gerade dabei, die Richtlinien für Krematorien zu ändern“, heißt es. Bisweilen tauchten in den Anlagen auch 300 Kilogramm schwere Särge auf. „Die Extreme häufen sich“.

„Mit steigender Tendenz“

Auch die Sargbauer haben sich den veränderten Anforderungen gestellt. Kam ein Sarg bisher auf die Standardmaße von 70 Zentimeter Breite und 60 Zentimeter Höhe, ist seit vier Jahren eine verstärkte Nachfrage nach größeren Modellen zu beobachten, berichtet Jörg Reuter von der Sargfabrik Wendel in Dinkelsbühl: „Wir bauen große Särge mit steigender Tendenz“. Inzwischen hat der mittelständische Familienbetrieb serienmäßig acht verschiedene Sargmodelle mit 80 Zentimetern Breite im Angebot und sogar ein Modell mit bis zu 95 Zentimetern Breite, das - dem größeren Umfang der Toten geschuldet - auch 80 Zentimeter hoch ist. „Das reicht in den meisten Fällen“.

Den mit 115 Zentimetern Breite größten Sarg musste die Firma auf besonderen Kundenwunsch hin fertigen. Da habe Geld keine Rolle gespielt, der Sarg hätte noch breiter sein dürfen, sagt Reuter. „Aber dann hätte er nicht mehr durch die Heckklappe des Bestattungsfahrzeugs gepasst.“ (ap)

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