11.000 Kilometer quer durch die USA

50 Ironman-Triathlons in 50 Tagen: Amerikaner startet beispiellose Spendenaktion

Kassel. Stellen Sie sich vor, Sie schwimmen 77 Bahnen im Schwimmbad, fahren anschließend mit dem Rad von Marburg nach Uslar und laufen von dort nach Hann. Münden. Das entspricht in etwa der Strecke eines Ironman-Triathlons.

3,86 Kilometer schwimmen, 180,2 Kilometer radfahren und 42,195 Kilometer laufen. 50 dieser Triathlons will der US-Amerikaner James Lawrence, Spitzname "Iron Cowboy", absolvieren – in den 50 Bundesstaaten der USA, an 50 aufeinanderfolgenden Tagen. Seine Ziele: Durchhalten und Geld zur Bekämpfung von Fettleibigkeit bei Kindern sammeln.

Die Strecke

Dauerbrenner: James Lawrence (38), Spitzname „Iron Cowboy“, will 50 Ironman in 50 Tagen absolvieren.

Am Wochenende hat der 38-Jährige den ersten der 50 Tage auf Hawaii geschafft, gestern fuhr, schwamm und lief er durch den Bundesstaat Washington. 3084 Kilometer hat Lawrence noch vor sich. Der letzte Ironman ist für den 25. Juli in Lawrence’ Heimat Utah geplant. Auf vielen Abschnitten wird Lawrence von einem Kamerateam begleitet, das eine Dokumentation über das Sportevent drehen will. Eine Spendenaktion, um das zu finanzieren, läuft noch.

Die Spenden

Jeden Abend lädt er seine Zuschauer ein, ihn in einem Fünf-Kilometer-Lauf zu begleiten. Eine Teilnahmegebühr gibt es nicht, Lawrence sammelt allerdings Spenden für die Stiftung des Starkochs Jamie Oliver, der dem Übergewicht von Kindern seit Jahren den Kampf angesagt hat.

Der Läufer

Soziale Netzwerke

- Lawrence auf Instagram

- Lawrence auf Facebook

- Lawrence auf Twitter

In den sozialen Netzwerken nennt sich Lawrence „Iron Cowboy“. Diesen Spitznamen erhielt er, nachdem er 2012 die Laufdistanz eines Triathlons mit einem Cowboy-Hut absolviert hatte. An die Grenzen der körperlichen Machbarkeit zu gehen, ist für den Vater von fünf Kindern nicht neu. Lawrence machte sich in der Sportszene erstmals einen Namen, als er vor drei Jahren 30 Ironman in einem Jahr bewältigte – Weltrekord.

"Er hat keine Zeit für Stuhlgang"

Reinhören (auf Englisch)

Podcast von Ultrasportler Rich Roll mit James Lawrence

Sportexperten auf der ganzen Welt reagieren unterschiedlich auf das Vorhaben von James Lawrence, 50 Ironman an 50 Tagen zu absolvieren. In die Verehrung des ambitionierten Ziels mischt sich Skepsis über die Machbarkeit. Wir sprachen darüber mit Klaus Purwin. Der 62-Jährige ist mehrfacher Ironman-Finisher. Dem pharmazeutischen Berater gehörte über zwanzig Jahre lang die Ahorn-Apotheke in Baunatal.

Herr Purwin, was sind Ihre ersten Gedanken, wenn Sie von Lawrence' Plan hören?

Klaus Purwin: Ich kenne viele Sportler, die so unglaublich ambitioniert sind. Die wollen allen zeigen, was für tolle Typen sie sind. Hier geht es ja nicht um persönliche Bestzeiten oder darum, an seine maximale Leistungsgrenze zu gehen. Ich kann einen Marathon auch so laufen, dass ich am nächsten Tag noch einen schaffe. Sinn macht das nicht.

Halten Sie 50 Ironman an 50 Tagen für machbar?

Purwin: Ehrlich gesagt: Nein. Wenn er es schafft, gratuliere ich zur tollen Leistung. Aber bei so einer Belastung entscheiden Kleinigkeiten. Eine blutige Blase, ein blauer Nagel. Diese Dinge kann man nicht vorhersehen. Vermutlich scheitert er an so einer Verletzung oder an seiner Psyche. Ich halte schon den Versuch für Blödsinn. Morgen kommt dann einer, versucht sich an 55 Ironman und ist der tollere Hecht.

Was wird Lawrence tun, damit sein Körper standhält?

Purwin: Er muss sich sehr zweckorientiert ernähren. Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Kohlenhydrate und Flüssigkeit. Alles andere würde den Magen zu sehr belasten. Er hat ja auch keine Zeit für Stuhlgang. Und kaum eine Möglichkeit, sich zu regenerieren. Das alles kann nicht gesund sein.

Was entscheidet beim Ironman über den Erfolg - Geist oder Körper?

Purwin: Der Körper ist das Wesentliche. Für viele ist das Schwimmen die größte Hürde. Die hat zwar an Zeit und Strecke den kleinsten Anteil. Viele haben aber Angst oder können es nicht richtig. Wenn man das Schwimmen und das Radfahren geschafft hat, kriegt man den Marathon dann auch irgendwie rum. Da lässt man sich nicht mehr aufhalten.

Welche Tipps geben Sie Einsteigern, die sich am Triathlon versuchen wollen?

Purwin: In der Region gibt es tolle Veranstaltungen, bei denen man klein anfangen kann. 750 Meter schwimmen, 20 Kilometer Rad fahren und fünf Kilometer laufen. Mit dem Schwimmen beginnt man besser im See. Im Schwimmbad ist es eng, im Wettbewerb kann man dort schnell in Panik geraten.

Wie wichtig ist es, auch im Alter fit zu bleiben?

Purwin: Das ist das einzig Mögliche. Die Muskulatur schwindet zusehends, wenn man nichts tut. Und damit kommen die Beschwerden. Auch wenn es keinen Spaß macht: Man muss sich Bewegen. Radfahren und Schwimmen sind ideal. Wer nichts tut, wird die Folgen umso deutlicher spüren.

Zur Person

Klaus Purwin

Klaus Purwin (62) aus Baunatal hat Pharmazie in Marburg studiert und war dort von 1981 bis 1982 Doktorand. 1984 gründete er die Ahorn-Apotheke in Baunatal und war bis 2007 deren Inhaber. Er war unter anderem Vize-Europameister seiner Altersklasse im Langstrecken-Triathlon.

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