Erschossene Giraffen und Löwen

Safari des Todes: Trophäenjagd in Afrika bringt Millionen

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Sein Abschuss machte weltweit Schlagzeilen: Der Löwe Cecil aus einem Nationalpark in Simbabwe war so etwas wie das inoffizielle Symbol des afrikanischen Landes. Ein amerikanischer Zahnarzt steht im Verdacht, ihn illegal erlegt zu haben.

Amerikaner, die mit erlegtem Großwild auf Fotos brüsten, sorgen derzeit für Abscheu. Doch die Großwildjagd boomt und bringt dem Kontinent Afrika Hunderte Millionen Euro ein.

Die Großwildjagd floriert vor allem im Süden und Osten Afrikas. Für die Trophäenjagd gibt es unzählige Angebote vom Farmurlaub bis hin zu speziellen Safaris, bei denen Urlauber Büffel, Giraffen und Antilopen schießen können. Die einst schon in der Kolonialzeit beliebte Großwildjagd von Weißen hat sich heute zu einem Jagdtourismus mit breitem Angebot entwickelt. Er bringt Afrika nach offiziellen Angaben etwa 185 Millionen Euro pro Jahr ein. Die tatsächlichen Einnahmen dürften deutlich höher liegen. Denn einige Jäger sind bereit, für besonders schöne oder bedrohte Arten hohe Bestechungsgelder zu zahlen.

17.000 Euro pro Jagdtourist 

Das belegt eine Studie zum Thema Trophäenjagd in Afrika von einem französisch-simbabwischen Wissenschaftler-Team - im Fachjournal Conservation Biology („Naturschutzbiologie“) erschienen. Die Ergebnisse stützen sich auf die in den größten Jagdtourismus-Ländern erhobenen Daten.

Kommentar zum Thema

"Widerliche Gelüste"

Demnach zahlt jeder Jäger im Schnitt 17.000 Euro für seine Trophäen-Safari. Hinzu kommen mehrere Tausend Euro für Abschusserlaubnis, das Ausweiden und Präparieren der erlegten Tiere, für Versand, Versicherung und Zollpapiere.

Giraffe erlegt: Der Screenshot zeigt die US-Amerikanerin Sabrina Corgatelli, die zurzeit im sozialen Netzwerk Facebook mit ihren Jagdfotos für Aufregung sorgt.

Ein einziger Jagdtourist bringt demnach bei seinem Afrika-Aufenthalt mehr Geld ein als ein Bus voller Fototouristen. In Tansania etwa, einem der begehrtesten Jagdländer auf dem überwiegend armen Kontinent, ist seitens der Regierung von 14-mal höheren Einnahmen durch Jagdtouristen als durch Fotoreisende (Ökotourismus) die Rede.

Doch vielfach gibt es auch massive Kritik von Natur- und Tierschützern, die auf Jagd- und Ausfuhrverbote drängen. Das zeigt Wirkung. Obwohl sich die Trophäenjagd in den letzten Jahrzehnten in etlichen afrikanischen Ländern -darunter Südafrika, Tansania, Namibia und Simbabwe - zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor entwickelt hat, ist sie mittlerweile nur noch in 22 von 55 afrikanischen Staaten erlaubt.

Die Regierung im jeweiligen Land legt in regelmäßigen Abständen Abschussquoten und -gebiete für unterschiedliche Wildarten fest. Daraus sollen sich sogenannte nachhaltige Jagdkonzepte entwickeln, die Einheimische, Wildtiermanagement und Touristen gleichermaßen zufriedenstellen.

Hintergrund I: Jagdfarmen im Trend

Es geht um Geld, Lizenzen und Urlaubskomfort, aber auch um Erlöse für den Naturschutz und die einheimische Bevölkerung. Wir schauen auf einzelne afrikanische Länder:

• Namibia: In Namibia gibt es zurzeit mehr als 400 Jagdfarmen. Das sind Rinderfarmen, die als zusätzliche Einkommensquelle Großwildjagden anbieten. Das Tourismusministerium vergibt entsprechende Lizenzen.

Walter Palmer aus Minnesota soll den in Simbabwe populären Löwen Cecil getötet haben. Er steht nach Drohungen in sozialen Netzwerken unter Polizeischutz.

Der namibische Berufsjagdverband Napa sorgt für eine breit gefächerte Ausbildung der Jagdführer. Vor allem in der Trockenzeit kann sich mancher Farmer mit seinem Jagdangebot für Urlauber buchstäblich über Wasser halten.

Nachts gilt in der Regel ein Jagdverbot. Vollständig geschützte Tierarten wie Spitzmaulnashorn und Hyänenhund sind von der Trophäenjagd ausgenommen.

• Tansania und Sambia: Sogenannte Jagdblocks gibt es in Tansania und Sambia. Sie grenzen oft direkt an Nationalparks an. Jagderlöse fließen dem Wildtiermanagement und Einheimischen zu.

• Simbabwe: Das ostafrikanische Land ermöglicht über das Projekt Campfire („Lagerfeuer“) Dorfbewohnern, selbstständig über die Nutzung der Wildtiere in ihrem Gebiet zu entscheiden. Diese vergeben Jagdgenehmigungen an Reiseveranstalter, müssen gleichzeitig aber auch für den Schutz bedrohter Arten sorgen.

Hintergrund II: 25.000 Euro für einen Löwen 

Die Preise für sogenannte Jagdurlaube in Afrika variieren je nach Anbieter, Land und Tierart. Dabei gilt: je seltener das Großwild, umso höher die Kosten. Hier Preisbeispiele, die fürs Töten von Großwild verlangt werden.

• CS-Jagdreisen beispielsweise bietet für 11 500 Euro eine siebentägige Büffeljagd im Massailand in Tansania an. Wird das Tier erlegt, fallen noch mal 2000 Euro an. Es wird auch zugelassen, dass unter anderem Zebras (1200 Euro) und Warzenschweine (460 Euro) geschossen werden.

• Blaser Safaris berechnet in Namibia Sätze von 450 Euro pro Jagdtag. Je geschossenem Tier wird kassiert: 3000 Euro für Geparden, 2600 Euro für Giraffen, 720 Euro für Impala-Antilopen.

• Besonders beliebt ist die Löwenjagd in Südafrika. Löwenbabys werden dort nach Angaben der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ auf über 200 Farmen als Foto- und Kuscheltiere aufgezogen. Im Erwachsenenalter stehen sie für 25.000 Euro zum Abschuss zur Verfügung.

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