Star-Auftritte im Schnelldurchlauf

TV-Kritik: Markus Lanz sorgt mit „Wetten, dass..?“ für Fremdschämen

Graz. Zum vorletzten Mal lief die ehemalige Erfolgssendung „Wetten, dass..“ gestern im Fernsehen. Wer sich die Show angeschaut hat, hat erfahren, warum ihr Ende naht. Eine TV-Kritik von HNA-Volontär Konstantin Mennecke.

Ein durch eine verlorene Wette bedingtes, gewöhnungsbedürftiges Trachten-Outfit des „Wetten, dass..?“-Moderators, kreischende Jugendliche bei den Musik-Auftritten und eine Bagger-Wette: All das schreit förmlich nach quotenstarkem Familienfernsehen, wie es Thomas Gottschalk Jahrzehnte lang mit dem Show-Dino im Zweiten geschafft hat. Es ist für den treuen Zuschauer nichts ungewöhnliches. Markus Lanz hat es dennoch geschafft, aus der komfortablen Ausgangssituation nahezu einen Totalschaden zu machen. Starr spielte Lanz sein „Gast, Wette, Zeitlupenbilder gucken“ runter.

Der dritte Teil der Tribute von Panem wird von den Fans brennend erwartet, der Streifen gilt jetzt schon als einer der Filme im Kinojahr 2014. Lanz’ Fragen an die Gäste Jennifer Lawrence und Liam Hemsworth hingegen sind nicht einmal durch schlechte Vorbereitung zu erklären. Hintergrund: Lawrence ist gesundheitlich angeschlagen, Hemsworth beginnt ebenfalls zu kränkeln. „Ihr kennt euch offenbar näher“, schlussfolgert Lanz. Und legt nach: „Ihr habt euch auch schonmal geküsst“ - wohlgemerkt für einen Film. Augenscheinlich wissen weder der Showmaster noch die Stars, wo dahinter die eigentlich interessante Geschichte stecken soll. Die abschließende Frage, welche Menge Wein die beiden denn bei einer Weinprobe in Österreich getrunken hätten, gibt dem sichtbar peinlichen Moment den Rest, möchte man meinen - doch weit gefehlt, es geht noch schlimmer.

Auf Markus Lanz’ Karteikarte steht, dass Liam Hemsworths Mutter Lehrerin ist und den Kinostar selbst privat unterrichtet hat. „Hat sie dich also auch aufgeklärt, mit Bienchen und Blümchen?“ will Lanz wissen und verursacht ziemlich sicher tausendfach den Griff zur Fernbedienung. Auch die Gelegenheit, Topmodell Toni Garn nach ihrer Beziehung mit Weltstar Leonardo di Caprio zu fragen, lässt der Südtiroler ungenutzt.

Ein Lichtblick der Sendung: Eckart von Hirschhausen. Der Komiker mit dem Doktortitel macht gute Laune ohne viel tun zu müssen. Er bringt hier und da einen Lacher und stiehlt damit Lanz die Show, auch wenn das kein großes Kunststück ist.

Zwischenzeitlich fragt sich der Wetten, dass..?-Zuschauer, wo eigentlich die Gäste geblieben sind. Die Band One Direction (konsequentes Kreischen, wenn der Name der Gruppe fällt), nimmt natürlich gar nicht erst Platz, die „Tribute von Panem“-Darsteller müssen ebenso schnell wieder los wie Hugh Grant, der laut Lanz noch „Wichtiges zu erledigen hat und Politik machen muss“. Da wundert es auch nicht, dass Wettkandidat Milan Zivajinovic (41) (Gurken mit Spielkarten im Wurf zerschneiden) aus Frankfurt am Main ebenso kurz und knapp einen Heiratsantrag vor laufender Kamera über die Bühne bringt. „Es wird Zeit zu heiraten“, sagt er. „Wo ist deine Frau, Milan? Wo ist sie, ich sehe sie nicht“ fragt Lanz - sie hatte den Saal entgegen aller Vermutungen allerdings nicht verlassen und kam auf die Bühne.

„Wetten, dass..?“ war mit Thomas Gottschalk lange Jahre Erfolgsgarant des ZDF. Frisch, frech und frei aus dem Bauch heraus fragte er die Hollywood-Stars auf Augenhöhe und fügte sich so ins Wohnzimmer der Zuschauer ein. Heute macht die Sendung keinen Spaß mehr - offenbar weder Zuschauer, noch den Gästen auf dem Sofa. Die Quote am Samstagabend lag nur 20.000 Zuschauer höher als der Negativ-Rekord im Oktober, nämlich bei 5,49 Millionen Zuschauer. Im Dezember verabschiedet sich eine große Samstagabend-Sendung, die die Gebührengelder leider schon lange nicht mehr Wert ist.

Von Konstantin Mennecke

Rubriklistenbild: © dpa

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