EU-Studie

TV-Werbung hat Einfluss auf Übergewicht bei Kindern

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Speziell an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel sollte nach Ansicht von Wissenschaftlern stärker reguliert werden. Foto: Jan-Peter Kasper/ Friedrich-Schiller-Universität Jena/dpa

Die Kinder in Europa sind zu dick, beklagen Forscher nach Abschluss einer großen Langzeitstudie. Sie fordern die Politik auf, die Ursachen entschlossener als bisher anzugehen.

Brüssel (dpa) - Speziell auf Kinder zugeschnittene Werbung für zucker- und fettreiche Lebensmittel sollte nach Ansicht von Experten stärker reguliert werden.

Eine europäische Langzeitstudie an rund 10 000 Kindern aus acht Ländern, darunter Deutschland, belegt den Forschern zufolge, dass TV-Reklame bei Kindern den Konsum von ungesunden Lebensmitteln erhöht.

"Vor allem kleine Kinder können Werbung nicht vom Rest unterscheiden und sind ihr deshalb völlig schutzlos ausgesetzt", sagte Studienkoordinator Wolfgang Ahrens vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen. Eltern mit eher niedrigem Bildungsstand seien zudem Reklame gegenüber weniger kritisch eingestellt. Auf deren Kinder wirke Werbung daher noch stärker.

Freiwillige Selbstverpflichtungen der Hersteller zu einer verantwortungsvollen Werbung für Kinder hätten nicht funktioniert, betont der Bericht. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) appelliert seit längerem an die europäischen Regierungen, Werbung mit Gesetzen strenger zu regulieren.

Als Reaktion kritisierten Verbraucherschützer die Bundesregierung: "Bundesernährungsminister Christian Schmidt setzt im Kampf gegen Fehlernährung bei Kindern seit Jahren auf freiwillige Vereinbarungen", teilte die Organisation Foodwatch mit. "Dabei ist längst belegt, dass das nicht funktioniert. Die Hersteller machen die größten Profite mit Süßkram, Zuckergetränken und Knabberartikeln. Freiwillig werden sie nicht damit aufhören, genau diese Produkte an Kinder zu bewerben und deren Geschmack schon früh zu prägen."

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) verwehrte sich dagegen gegen die Kritik: "Ein Werbeverbot bringt keine Lösung", erklärte BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. "Man kann Kinder nicht unter einer schützenden Glocke aufwachsen lassen, bis sie 18 Jahre alt sind. Sie sollten nicht von der Werbung ausgeschlossen werden, sondern sie müssen den Umgang mit ihr erlernen und Werbekompetenz entwickeln."

In der Studie beklagen die Forscher die gegenwärtige Situation massiv: "Die Häufigkeiten von Fettleibigkeit und Übergewicht bei europäischen Kindern verharren auf einem beispiellosen Niveau." Deutschland belegt beim Anteil übergewichtiger Kinder einen Platz im Mittelfeld. Demnach waren hierzulande 16,5 Prozent der untersuchten Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren übergewichtig. In Belgien lag der Anteil mit 9,5 Prozent am niedrigsten, in Italien mit 42 Prozent am höchsten. In allen Ländern waren Mädchen eher betroffen als Jungen. Die Ergebnisse seien zwar nicht repräsentativ, sagte Ahrens. Für die Studie seien aber jeweils ländertypische Regionen ausgesucht worden, für Deutschland war dies Bremen.

Nicht einmal ein Drittel der Kinder bewege sich mindestens eine Stunde täglich, konstatieren die Wissenschaftler. Der Anteil schwanke zwischen 2 Prozent der Jungen auf Zypern und 34 Prozent in Belgien. Die Autoren nehmen in ihrem Bericht die Politik in die Pflicht: Der Bewegungsmangel hänge eng mit der Bebauung zusammen, betonen sie: "Gut angelegte öffentliche Orte und sichere, gut angeschlossene Anlagen sind der Schlüssel dazu, die körperliche Bewegung zu steigern."

Zudem zeigten die Studienresultate eindeutig, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien besonders stark zu Übergewicht tendierten, betonte Ahrens. Diese Gruppen müssten von der Politik stärker unterstützt werden. Für benachteiligte Verbraucher müsse die Erschwinglichkeit von und der Zugang zu gesunden Lebensmitteln verbessert werden. Dies wirke sich nicht nur auf das Gewicht der Kinder aus, sondern auch auf ihre spätere Gesundheit, etwa die Anfälligkeit für Herz-Kreislauferkrankungen.

Pressemitteilungen zur I.Family-Studie

Pressemitteilung der WHO

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