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Ukraine-Flüchtlinge zu Hause aufnehmen: Kann Mietern dann die Kündigung drohen?

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Von: Tim Vincent Dicke

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Viele Menschen in Deutschland wollen Flüchtlinge aus der Ukraine privat aufnehmen. Mieter müssen dabei jedoch einige wichtige Punkte beachten. Ein Überblick.

Kassel – In der Ukraine tobt seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar ein blutiger Krieg. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge sind bereits mehr als zwei Millionen Menschen aus dem osteuropäischen Land geflohen. Viele Deutsche zeigen sich solidarisch und wollen ukrainische Flüchtlinge bei sich aufnehmen. Wer zu Miete wohnt, muss jedoch wichtige Aspekte beachten.

Grundsätzlich darf jeder Bürger Flüchtlinge aus der Ukraine bei sich unterbringen. Ukrainer dürfen visafrei in die Europäische Union und damit auch nach Deutschland einreisen. Fast alle Menschen kommen über die ukrainisch-polnische Grenze in die EU, rund 65.000 Geflüchtete sind nach Angaben der Bundespolizei in Deutschland angekommen – auch Kassel hat fliehende Menschen bereits untergebracht.

Ukraine-Flüchtlinge aufnehmen: Wichtige Hinweise für alle Mieter

Nicht nur Haus- oder Wohnungseigentümer dürfen Flüchtlinge bei sich unbürokratisch aufnehmen, auch hilfsbereite Mieter müssen sich vorerst nicht den Kopf zerbrechen.

„Denn in der Mietwohnung dürfen alleine die Mieter:innen entscheiden, ob und wann sie Besucher:innen empfangen. So ist auch die besuchsweise Aufnahme von Geflüchteten gestattet, denn die Motivation für die Aufnahme der Besucher:innen spielt keine Rolle“, stellt der Deutsche Mieterbund in einer Pressemitteilung klar.

Doch diese Regelung gilt nicht für unbegrenzte Zeit. Sechs bis acht Wochen dürfen Mieter Menschen bei sich aufnehmen – dieser Zeitraum gilt als erlaubnisfreier Besuch. Dauert die Unterbringung länger, sollte unbedingt der Vermieter informiert und um Erlaubnis gefragt werden, rät der Mieterbund. Im schlimmsten Fall könnte der Vermieter den Mietvertrag kündigen.

Ukrainische Flüchtlinge stehen vor dem Amt für Migration an der Hammer Straße im Stadtteil Wandsbek und warten auf Einlass.
Mehr als zwei Millionen Menschen sind bereits vor dem Ukraine-Krieg geflohen. © Marcus Brandt/dpa

Als Mieter Ukraine-Flüchtlinge aufnehmen – Politik unterstützt Unterbringung

„Achtung: Ein Zeitraum von drei Monaten überschreitet in jedem Fall die normale Besuchsdauer und ist daher unbedingt erlaubnispflichtig. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Mieter:innen ihre Vermieter:innen aber bereits um Erlaubnis bitten, wenn die Gäste länger als acht Wochen in der Wohnung bleiben sollen“, warnt der Verein, der die Interessen aller Mieter in Deutschland vertritt.

Aus der Politik erfährt das Engagement aus der Zivilgesellschaft im Ukraine-Konflikt große Unterstützung. „Wenn Menschen privat unterkommen, dann freuen wir uns!“, sagte der Sprecher der Regierung Oberbayerns gegenüber BR24. Es sei unwichtig, ob die Angebote aus dem Familienkreis kommen oder von Personen, die bislang keine Verbindung mit der Ukraine hätten. „Ob Tante, Freund, Fremder – egal – die ukrainischen Flüchtlinge können visafrei einreisen und wohnen, wo sie wollen.“

Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland: „Fehler sollten wir nicht wiederholen“

Da die private Unterbringung in vielen Fällen keine Dauerlösung ist, arbeiten Städte und Landkreise an einem konkreten Konzept für die Flüchtlingsaufnahme. „Viele Kommunen sind bereits dabei, Infrastruktur und Aufnahmeeinrichtungen für die Ankunft der Menschen zu schaffen“, sagte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Für die Kommunen ist es wichtig, dass sie aber auch auf der langen Strecke nicht alleine gelassen werden.“ In der Flüchtlingskrise 2015 sei das nicht gelungen. „Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen“, mahnte die SPD-Politikerin an. (tvd)

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