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Fake-News im Ticker: Falschinformationen zum Ukraine-Krieg im Netz

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Von: Jana Stäbener, Pia Seitler

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Zerstörtes Auto in Berlin war nicht Teil des prorussischen Autokorsos.
Dieses Auto wurde nicht im Rahmen des pro-russischen Autokorsos zerstört. © Screenshot Telegram (Collage)

Missinformation: Über den Ukraine-Krieg kursieren zahlreiche falsche Informationen im Netz. BuzzFeed News Deutschland fasst diese in einem Fake-News-Ticker zusammen.

Hinweis: Dieser Fake-News-Ticker ist seit dem 27. April 2022 beendet. Die Fortsetzung des Fake-News-Tickers gibt es hier.

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht in der Ukraine Krieg. An diesem Tag, der in die Geschichte eingehen wird, hat Russland sein Nachbarland angegriffen. Der Ukraine-Krieg hat dabei Ausmaße angenommen, die sich vor Kriegsbeginn niemand hätte ausmalen können. Angriffe auf die Zivilbevölkerung, wie die Gräueltaten in Butscha, werden weltweit verurteilt.

Seit Kriegsbeginn haben auch die Falschinformationen im Netz zugenommen. Immer wieder werden gefälschte Videos, Bilder oder falsche Meldungen über die Situation vor Ort geteilt. Die Informationslage im Internet ist unübersichtlich. Deswegen warnen Experten und Expertinnen wie die Sozialpsychologin Pia Lamberty ausdrücklich vor Desinformation als Kriegsmittel.

BuzzFeed News Deutschland führt einen fortlaufenden Fake-News-Ticker und fasst falsche und irreführende Informationen über den Ukraine-Krieg zusammen. Ganz oben sind die neuesten Falschinformationen zu finden, weiter unten folgen die älteren Meldungen. (Zu der aktuellen, umfassenden Sammlung von Fake-News zum Ukraine-Krieg geht es hier).

27. April 2022: Ein falsches Video im Design der BBC verbreitete, dass die Ukrainer den tödlichen Raketenangriff auf einen Bahnhof nahe Kramatorsk verschuldet hätten. Die Nachrichtenorganisation BBC wehrt sich gegen diese Fake-News und warnt auf Twitter vor dem falschen Video.

Mehr als 120.000-mal wurde das gefakte Video in BBC-Design bereits angesehen. Es enthält zwar das Logo und typische Wasserzeichen der BBC, wurde aber laut AFP-Faktencheck sorgfältig imitiert. Darauf weist beispielsweise hin, dass der ukrainische Präsident „Zelensky“ von der BBC nicht mit zwei „yy“ geschrieben wird. Das Fake-Video nutzte jedoch genau diese Schreibweise.

Im Untertitel s gefälschten Clips steht so etwas wie: „Die BBC erklärte, die ukrainische Armee sei für den tödlichen Tochka-U-Raketenangriff verantwortlich, bei dem 50 Zivilisten brutal ermordet wurden. Auf ihrem Twitter-Account greift die BBC diese Falschinformation direkt am 13. April 2022 auf und warnt vor der Fake-News. Sie möchten das Video so schnell wie möglich von Social-Media entfernen lassen, schreibt das britische Nachrichtenunternehmen und bittet darum, das gefakte Video nicht weiter zu teilen.

27. April: Seit zwei Wochen kursiert auf Telegram und Facebook ein Video, in dem beim russischen Autokorso in Berlin angeblich Ukrainer Autos zerstört haben sollen. Laut Correctiv ist das Video am 14. April aufgenommen worden und steht in keinem Bezug zum Ukraine-Konflikt.

Zerstörte Autos, die laut Polizei nicht in Zusammenhang mit dem russischen Autokorso in Berlin (3. April 2022) stehen.
Der für Desinformation bekannte Telegram-Kanal „Neues aus Russland“ teilte ein Video mit zerstörten Autos – eigentlich hat das Video aber keinen Ukraine-Russland-Bezug. © Screenshots Telegram

Dieses Video, das seit dem 14. April auf Telegram und Facebook kursiert, zeigt verschiedene beschädigte Autos in einer Straße in Berlin. Der Telegram-Kanal „Neues aus Russland“, der für Missinformationen bekannt ist, schreibt darunter: „Ukrainische Randalierer sollen in Berlin Autos zerstört haben, die an pro-russischen Autokorsos teilnahmen.“ Anfang April gab es in ganz Deutschland verschiedene „pro-russische“ Autokorsos.

Bei dem Autokorso in Berlin nahmen laut Angaben der Polizei 900 Personen und 450 Autos teil – es sei jedoch kein Fahrzeug beschädigt worden. Die Berliner Polizei trackt das Video auf den 13. April zurück. In der Straße „Am Karlsbad“ in der Nähe des Tiergartens seien dort vor etwa zwei Wochen vier geparkte Autos niedergebrannt. Mit dem Russland-Ukraine-Krieg habe dies jedoch nichts zu tun.

25. April 2022: Dieses Bild wurde völlig aus dem Zusammenhang gerissen, wie Reuters berichtete. Es zeigt nicht, wie ukrainische Kinder Adolf Hitlers Geburtstag feiern. Die Aufnahme stammt vom 55-jährigen Jubiläum der ersten bemannten Raummission 2016 in Penza (Russland).

Im Netz verbreiteten sich die vergangenen Tage Facebook- und Twitter-Posts, die behaupteten, bei diesem Bild handle es sich um ukrainische Schulkinder, die den Geburtstag von Adolf Hitler (20. April) feierten. Das Foto wurde mit Zitaten wie diesem hier versehen „In #Lvov #Lviv, #WesternUkraine: Schoolchildren forced to celebrate #Hitler’s birthday“ (siehe oben). Mit dieser Fake-News befeuern Twitter-Nutzer wie dieser Wladimir Putins Ukraine-feindliche Propaganda.

Eine Bilder-Rückwärtssuche von Reuters hat ergeben, dass es sich bei den Schulkindern jedoch um russische Kinder handelt. Denn: Das Foto wurde bei einem 55-jährigen Jubiläum des sowjetischen Kosmonauten Yuri Gagarin in Penza (Russland) aufgenommen und stammt aus dem Jahr 2016. Die Kinder formen deswegen kein Hakenkreuz oder ein „SS“, sondern eine harmlose „55“. Die unschöne Ähnlichkeit zur Nazi-Symbolik spielte beim Verbreiten dieser Fake-News sicher eine Rolle.

14. April 2022: Auf Telegram und Facebook verbreiteten Nutzer ein Video, das einen angeblichen Protest gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im ukrainischen TV zeigen soll. Das Video ist eine Fälschung, wie AFP berichtet.

Angeblich soll eine ukrainische Mitarbeiterin mit einem Protest gegen Wolodymyr Selenskyj die Live-Übertragung des Fernsehsenders Ukraine24 gestört haben. Das Video ist eine Fälschung.
Angeblich soll eine ukrainische Mitarbeiterin mit einem Protest gegen Wolodymyr Selenskyj die Live-Übertragung des Fernsehsenders Ukraine24 gestört haben. Das Video ist eine Fälschung. © Screenshot/Facebook

„Selenskij kapituliere, hör auf Drogen zu nehmen und kehre lieber zurück auf die Bühne!“, habe auf dem Plakat gestanden, das angeblich live im Fernsehen zu sehen war, wie AFP berichtet. Die Aktion erinnert an den Protest von Marina Owsjannikowa im russischen Fernsehen* mit dem Schild „Stoppt den Krieg“. Doch im Gegensatz zu der Aktion von Owsjannikowa hat der angebliche Protest im ukrainischen TV nie stattgefunden.

Das Video ist eine Montage von einer TikTok-Userin. Die Userin betreibe laut AFP auch einen Telegram-Kanal und stellte dort klar, dass sie das Video selbst erstellt habe und es nicht aus dem ukrainischen TV stamme. Sie kritisiere in ihren Videos häufig die ukrainische Regierung und transportiere prorussische Botschaften. Auch der Fernsehsender Ukraine24 dementierte die Behauptung auf Facebook.

11. April 2022: Auf Facebook verbreitete sich ein Screenshot von einem angeblichen Artikel des Holsteinischen Couriers, in dem behauptet wird, russische Kinder würden aus Schulen in Deutschland rausgeschmissen und müssten zu Hause lernen. Der Artikel ist eine Fälschung, wie Correctiv berichtet.

Screenshot eines gefälschten Artikels.
Bei dem Screenshot handelt es sich um einen gefälschten Artikel. Ein solcher Text wurde nicht beim Holsteinischen Courier veröffentlicht und es gibt keine Belege für die Nachricht. © Screenshot/Facebook

Der Screenshot liefere bereits auf den ersten Blick mehrere Hinweise, dass es sich um einen gefälschten Artikel handle, so die Faktenchecker von Correctiv. Dazu zählen Rechtschreibfehler und inhaltliche Formulierungen, die keinen Sinn ergeben. Der Holsteinische Courier selbst bezeichnete inzwischen die vermeintliche Meldung als Fälschung. Außerdem gebe es auch sonst keine Belege für die Nachricht.

8. April 2022: Auf Twitter und Telegram kursierte die Behauptung, dass die Leichen im ukrainischen Ort Butscha nur inszeniert wären. Videoaufnahmen, auf denen sich Gliedmaßen der Leichen bewegten, würden dies beweisen. Correctiv und AFP haben die Bilder geprüft und kommen zu dem Schluss: Die Bewegung der Toten ist nur ein Wassertropfen auf der Windschutzscheibe.

Im Netz kursiert die Behauptung, auf einem Video aus Butscha seien Bewegungen der Leichen zu sehen, dies ist eine Fake-News.
Dieser Tweet und Telegrambeitrag behaupten, die Leichen in einem Video aus Butscha würden sich bewegen – das ist falsch. © Screenshots Telegram und Twitter (Collage)

Am 2. April 2022 lud der ukrainische Fernsehsender Espreso TV auf YouTube Videoaufnahmen aus der Stadt Butscha, einem Vorort von Kiew hoch. In den Aufnahmen wird aus einem Fahrzeug heraus eine Straße gefilmt, in der Leichen liegen. Quelle dieses Videos ist laut dem Fernsehsender der Anwalt Ilya Novikov, der die Aufnahmen einen Tag später auch auf seinem Twitter-Profil teilte (siehe Tweet oben).

Schaut man sich das Video genauer an, so ist die erste vermeintliche Bewegung bei Minute 0:09 nur ein Wassertropfen auf der Windschutzscheibe des Fahrzeugs – keine sich bewegende Hand. Die zweite angebliche Bewegung, die Twitter- und Telegram-Nutzer meinen, erkannt zu haben, ist ein Verzerrungseffekt des Seitenspiegels (Minute 0:45). Das ermittelte das Faktencheck-Team von Correctiv. Auch die BBC hatte in einer Recherche bewiesen, dass beide Leichen in der gleichen Stellung auch auf Straßen-Bildern vom 3. April 2022 zu sehen sind. 

6. April 2022: Dieses Foto zirkuliert momentan auf Social Media und wird immer wieder mit „Love during the war“ betitelt. Laut Informationen der AFP handelt es sich bei dem Bild jedoch um eine Aufnahme aus dem Jahr 2019. Sie entstand nicht im Krieg, sondern auf einem Konzert in Polen.

Wie Romeo und Julia stehen sie da, mit ihren Landesflaggen umhüllt: trotzen dem Krieg, der um sie wütet. Nur ist das gar kein Krieg, sondern ein Konzert in Polen und das Foto ist über drei Jahre alt. Auf dem Bild zu sehen sind die Russin Juliana Kuznetsova und ihr ukrainischer Verlobter, die für die Washington Post bereits im November 2019 auf einem Konzert des Rappers Max Korzh fotografiert wurden. Das hat das Faktencheck-Team der AFP Nachrichtenagentur herausgefunden.

Das irreführende Bild hatte sich zuvor auf Facebook, Twitter und Instagram verbreitet. In einem französischen Posting hatte es sogar mehr als 130.000 Likes abgestaubt. Eine echte Liebesgeschichte während des Ukraine-Kriegs erleben momentan Anna und Yegor* – sie aus Russland, er aus der Ukraine.

5. April 2022: Im Internet verbreiten sich Gerüchte, dass nur geimpfte Ukrainer und Ukrainerinnen finanzielle Hilfe vom Staat bekommen. Ein Faktencheck der AFP hat ergeben, dass diese Informationen falsch sind. Weder Präsident Wolodymyr Selenskyj noch andere Regierungsmitglieder haben eine solche Behauptung je aufgestellt.

Am 3. März 2022 kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelenski ein Hilfsprogramm für Ukrainer an, die durch die Invasion ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Das Programm setzt keine Impfung gegen SARS-CoV-2 voraus.
Im Internet verbreiten sich seit März 2022 Gerüchte, dass nur geimpfte Ukrainer Kriegshilfe vom Staat bekommen. Das ist falsch. © Screenshot Facebook (Collage)

Am 3. März 2022 beschloss die ukrainische Regierung ein Hilfsprogramm für Ukrainer und Ukrainerinnen, die durch die Invasion ihren Arbeitsplatz verloren haben. Laut AFP erhielten (Stand 28. März 2022) im Rahmen dieses Hilfsprogramms bisher 2,7 Millionen Menschen in der Ukraine Unterstützung in Höhe von 6.500 Griwna (= 202 Euro).

Bei der Ankündigung des Programms jedoch, kam es wohl zu einem Missverständnis: Weil der Premierminister Denys Shmyhal in einem Video davon sprach, die Hilfszahlungen für Arbeitslose ähnlich abzuwickeln wie die Zahlungen für Impfungen, schlussfolgerten einige, dass nur gegen SARS-CoV-2 Geimpfte Anspruch auf finanzielle Unterstützung hätten. Dies ist laut Recherchen der AFP falsch. In keinem offiziellen Statement der ukrainischen Regierung wurde eine solche Bedingung jemals aufgeführt.

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