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„Wie im Gladiatorenkampf“: Putins Berater überrascht mit Bilanz zum Ukraine-Krieg

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Von: Tobias Utz

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Die Fortschritte im Ukraine-Krieg entsprechen nicht der russischen Planung in Moskau: Ein Berater von Wladimir Putin spricht Klartext.

Moskau/Kiew – Russlands militärische Ressourcen im Ukraine-Krieg sind seit Beginn der Invasion ein Politikum. Täglich äußern sich internationale Beobachterinnen und Beobachter zu den Verlusten der Armee. Das ukrainische Militär veröffentlicht zum Beispiel jeden Tag eine Statistik dazu. Auch das britische und das US-amerikanische Verteidigungsministerium äußern sich regelmäßig zu Russlands Verlusten in der Ukraine. Nur aus dem Kreml selbst gibt es sehr selten Einschätzungen dazu.

Präsident Wladimir Putin gab in seiner Rede am 9. Mai, dem „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland, einen seltenen Einblick: Es blieb jedoch lediglich bei einer Bestätigung, dass es Verluste – sowohl personell als auch materiell – gebe: wie hoch diese sind, ließ er offen. Ein Berater Putins hat nun neue Details dazu genannt. Die Rede ist von Ruslan Pukhow, er zählt zum Beratergremium des russischen Verteidigungsministeriums im Kreml. Zudem leitet er das in Moskau ansässige „Zentrum für Analyse von Strategien und Technologien“, ein Institut, das sich insbesondere mit Verteidigungspolitik beschäftigt.

News zum Ukraine-Krieg: „Die sind billig“ – Putin-Berater sieht Problem bei russischen Raketen

Was militärische Belange betrifft, ist Pukhow offenbar sehr gut informiert. In einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen, worauf sich unter anderem das Nachrichtenportal Focus Online bezieht, gab er überraschende Prognosen zum Ukraine-Krieg ab. Die Ausrüstung der russischen Armee sei in einem schlechten Zustand, so Pukhow: „Wir haben viel zu wenig Infanterie-Soldaten.“ Es fehle zudem auch Hochpräzisionswaffen: Ein Problem, das bereits ein russischer General erkannte und das britische Verteidigungsministerium ähnlich einschätzte. Offenbar setzt Russland massenhaft Raketen aus der Sowjetzeit ein. Diese seien sehr ungenau und hätten deshalb fatale Folgen für die Zivilbevölkerung, erklärte der Brigadegeneral, welcher anonym bleiben wollte. Auch Putin-Berater Pukhow erklärte dazu: „Wir schießen Hunderte, ja Tausende, ungelenkte Geschosse irgendwo hin. Die sind billig, treffen aber eben auch kaum. Zwei hochpräzise Geschosse des Gegners richten deutlich mehr Schaden an.“

Ukraine-Krieg
000_327G2CY.jpg © Ronaldo Schemidt / AFP

Statt auf Hochpräzisionswaffen setze die russische Armee auf den massenhaften Einsatz von Artillerie. „Wir müssen die ukrainische Frontlinie mit viel zu wenigen Soldaten und verwundbaren Panzern und Militärfahrzeugen brechen“, erklärte der Putin-Berater. Aufgrund der schlechten Ausrüstung zog Pukhow folgendes Fazit: „Es ist wie im Gladiatorenkampf. Der eine kämpft mit Schwert und Schild. Der andere mit einem Dreizack und einem Netz.“

Deshalb stehe das russische Militär vor schwierigen Monaten, betonte er: „Zum Ende des Sommers könnte die Situation für uns dramatisch werden. Wir mobilisieren zu wenig Soldaten. Und kämpfen gegen eine Armee, die jetzt schon die vierte Mobilisierungswelle erlebt. Die haben keine Knappheit an Kämpfern.“ Pukhow ging indes davon aus, dass die ukrainische Gegenoffensive noch längst nicht gestartet sei. Der Generalstab der Ukraine verkündete dies allerdings bereits mehrfach. Vor allem im Süden des Landes kam es zu mehreren koordinierten Angriffen, wie die Nachrichtenportale Kyiv Independent und Nexta vermeldeten. (tu mit dpa/AFP)

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